Freitag, 20. Juni 2014
Reibungslos III: Leinenlos
Aufgrund meiner verspannten rechten Schulter ging mir das ewige Halten des Führstricks nun genug auf die Nerven, dass ich dafür eine Lösung suchte. Ich dachte mir schon öfter, dass Lothar eigentlich keine Leine mehr braucht, wusste nur nicht wohin damit. Hängte ich sie ihm um den Hals, verrutschte sie früher oder später und er trat drauf. Gänzlich weglassen war mir zu riskant.
Die Lösung: eine Schlaufe reinknoten und in sein gesundes rechtes Horn einfädeln. So tritt er nie drauf und ich kann im Notfall immer noch schnell zugreiffen.
Jetzt geht er auf Stimmkommandos: „Links“ und „Rechts“ und wenn er nicht schnell genug reagiert, habe ich meine Peitsche als verlängerten Arm: tippe ich die rechte Halseite an muss er nach links, tippe ich die Linke an, nach rechts. Mir kommt es so vor, als gefalle ihm die neue Aufgabe und es ging von Anfang an ohne Schwierigkeiten. Selbst Ortschaften durchläuft Lothar jetzt leinenlos. Nur die Kommandos "scharf links" und "scharf rechts" für das Wenden auf der Stelle klappen so noch nicht ganz.
Noch verlangt es ihm mehr Konzentration ab, weshalb er ein bisschen langsamer ist. Auch mir verlangt die neue Aufgabe mehr Konzentration ab, weil ich ja jetzt nicht mehr anhand der Bewegung des Führstricks merke, dass Lothar sich in eine falsche Richtung bewegt, sondern aufpassen muss.
Fühlt sich nochmal um einiges besser an so zu marschieren, finde ich. .
Dienstag, 17. Juni 2014
Reibungslos II: problemlose Probleme
Eines Sonntagmorgens, wir sind noch nicht lange unterwegs, muht Lothar. Mehrmals hintereinander. Komisch, ist eigentlich nicht seine Zeit.
Ich drehe mich um, und da kommt mir unser linkes Hinterrad entgegengerollt. Ich fange es auf.
Alleine bekomme ich nicht gleichzeitig die Hinterachse gehoben und das Rad wieder dran. Den einzigen Menschen, den ich bisher gesehen hatte, hatte ich gerade vor 50m passiert und dieser half mir auch bereitwillig die Kutsche anzuheben. Das Rad wollte nicht nur nicht so recht an seine ursprüngliche Stelle zurück. Von der grossen Mutter, die das Rad eigentlich an seinem Platz halten sollte, keine Spur.
Da fällt mir der vorhergehende Abend ein. Ich ging nochmal spazieren und fand auf einer kleinen Brücke, die wir am Mittag überquert hatten eine grosse Mutter liegen. Dachte mir noch, die könnte ich eigentlich als Ersatzteil brauchen, wusste aber, dass dieses Teil sicher jemand dringend vermisst und legte sie deshalb zur Seite.
Na, es war meine eigene Mutter gewesen!
Der Mann, sehr hilfsbereit fährt sofort los und holt mir meine Mutter, von der ich ja präzise beschreiben konnte, wo ich sie an der Brückenmauer abgelegt hatte. In der Zwischenzeit brachte ich das Hinterrad wieder an die richtige Stelle, die Mutter wurde montiert und mit dem passenden Schlüssel, den dieser Mann auch sofort parat hatte, wieder festgezogen. Fertig. Das ganze dauerte 20min.
Lothar zeigt Geschmack
Wir sind schon an vielen weidenden Kuhherden vorbeigelaufen. Galloways findet Lothar so spannend oder unspannend wie Pferde. Fleckvieh ist da schon interessanter und wird mal mehr, mal weniger begrüsst und bemuht. Je müder er ist, desto mehr wird gemuht übrigens.
Neulich sind wir zum ersten mal an einer weidenden Herde Schwarzbunter vorbeigelaufen und da erkannte ich meinen Ochsen nicht wieder. Er lief schneller und schneller immer näher zum Zaun hin, liess nur noch ein tiefes Bullenbrüllen hören und war kaum mehr zu halten. ??? Sind Kühe nicht eigentlich farbenblind? Er scheint seine nächsten Verwandten auf jeden Fall erkannt zu haben.
Freitag, 6. Juni 2014
Zum ersten Mal unfreundlich
Vorbemerkung zu meiner Geschichte: Ich weiss nicht, ob man es sich - ohne es erlebt zu haben -
vorstellen kann was es bedeutet mehrmals täglich ungefragt fotografiert
zu werden, Tag für Tag, Monat für Monat. Und wie es sich anfühlt, wenn
man das „Klick“ vom Auslöser hört, obwohl man vorher gerade höflich drum
gebeten hat nicht fotografiert zu werden.
Hier die Geschichte:
Ich persönlich bin der Meinung, ein sehr höflicher Mensch zu sein. Ich hoffe das stimmt auch in Wirklichkeit. Aber ich glaube schon, denn um mich dazu zu bekommmen wirklich unhöflich zu sein und ein böses Wort zu sagen, braucht es einiges. Ein Mann am Wegesrand hat dies nun neulich geschafft.
In letzter Zeit fahre ich manchmal hinten auf der Kutsche mit. Den Anstoss gab Lothars erstaunliche schnelle Geschwindigkeit dank seiner Hufschuhe - nur bei kalten Temperaturen versteht sich. So kam ich doch auch auf den Geschmack dieser neuen Perspektive.
Egal, auf jeden Fall sass ich auch mal wieder auf der Kutsche an dem Tag, an dem die Passauer Neue Presse einen grossen Artikel über mich gedruckt hatte, mit viel Offenheit über mein Leben meinerseits und zwei wirklich schönen Fotos. Die PNP scheint in dieser Region JEDEr zu lesen und so war die Aufmerksamkeit recht gross und das Bedürfnis ein Foto zu schiessen noch grösser als sonst (was ja eigentlich kaum möglich ist). Auf jeden Fall sah ich es persönlich nicht ein für noch mehr Fotos zur Verfügung zu stehen, wenn doch ein so Schönes an diesem Tag in der Zeitung veröffentlicht war.
Als nun wieder ein Mann am Strassenrand stand und seine Kamera schon parat hatte, rief ich ihm entgehen, er solle sich das Foto BITTE aus der Zeitung ausschneiden, ich möchte nicht noch mehr fotografiert werden. Darauf erwiederte er, es sei so jetzt aber viel schöner. Weiter sah ich es in seinem Gesicht arbeiten und arbeiten, er hebt die Kamera an sein Gesicht und schiesst ein Foto von uns. Danach sagte er: „Na schau, is scho vorbei, war doch gar net so schlimm...“
Dieser letzte Satz hat mich dazu gebracht ihn nüchtern als „Arschloch“ zu betiteln. Fremd klang das Wort aus meinem Mund.
Hier die Geschichte:
Ich persönlich bin der Meinung, ein sehr höflicher Mensch zu sein. Ich hoffe das stimmt auch in Wirklichkeit. Aber ich glaube schon, denn um mich dazu zu bekommmen wirklich unhöflich zu sein und ein böses Wort zu sagen, braucht es einiges. Ein Mann am Wegesrand hat dies nun neulich geschafft.
In letzter Zeit fahre ich manchmal hinten auf der Kutsche mit. Den Anstoss gab Lothars erstaunliche schnelle Geschwindigkeit dank seiner Hufschuhe - nur bei kalten Temperaturen versteht sich. So kam ich doch auch auf den Geschmack dieser neuen Perspektive.
Egal, auf jeden Fall sass ich auch mal wieder auf der Kutsche an dem Tag, an dem die Passauer Neue Presse einen grossen Artikel über mich gedruckt hatte, mit viel Offenheit über mein Leben meinerseits und zwei wirklich schönen Fotos. Die PNP scheint in dieser Region JEDEr zu lesen und so war die Aufmerksamkeit recht gross und das Bedürfnis ein Foto zu schiessen noch grösser als sonst (was ja eigentlich kaum möglich ist). Auf jeden Fall sah ich es persönlich nicht ein für noch mehr Fotos zur Verfügung zu stehen, wenn doch ein so Schönes an diesem Tag in der Zeitung veröffentlicht war.
Als nun wieder ein Mann am Strassenrand stand und seine Kamera schon parat hatte, rief ich ihm entgehen, er solle sich das Foto BITTE aus der Zeitung ausschneiden, ich möchte nicht noch mehr fotografiert werden. Darauf erwiederte er, es sei so jetzt aber viel schöner. Weiter sah ich es in seinem Gesicht arbeiten und arbeiten, er hebt die Kamera an sein Gesicht und schiesst ein Foto von uns. Danach sagte er: „Na schau, is scho vorbei, war doch gar net so schlimm...“
Dieser letzte Satz hat mich dazu gebracht ihn nüchtern als „Arschloch“ zu betiteln. Fremd klang das Wort aus meinem Mund.
Samstag, 31. Mai 2014
Filmprojekt "EVA" Unterstützung gesucht!
Seit Anfang letzten Jahres arbeiten wir, die Bildhauerin Sarah Lena Ruh und die Dokumentarfilmerin Melanie Jilg (www.melanie-jilg.de) an einem künstlerischen Dokumentarfilmprojekt über Evas Reise.
2013 begleiteten wir das Dreiergespann den Sommer über mehrere Etappen- insgesamt über vier Wochen. Im Winter waren wir bei Eva im Winterquartier in der Schweiz.
Das
Projekt ist bislang unabhängig von einem öffentlich-rechtlichen oder
privaten Sender. Aus Mangel an sonstigen Fördermitteln wird es aus
eigener Tasche finanziert.
Nicht
weil wir Geld im Überfluss haben, sondern weil alle gestellten
Förderanträge abgelehnt wurden und uns das Projekt eine
Herzensangelegenheit ist.
Die daraus resultierenden Vorteile - getreu Evas Herangehensweise:
Keine Richtlinien und Vorschriften. Nichts steht dem Blick und der Erzählweise im Weg.
Frei wie Lotahr, Piz und Eva betrachten wir das Leben auf Wanderschaft und ziehen die Kraft aus dem Unplanbaren.
Die daraus resultierenden Nachteile: Jetzt fehlen akut Mittel für die Postproduktion, also um den Film fertig zu stellen und ihn in einer angemessenen Form auf die Leinwand bringen zu können.
Hier seid Ihr gefragt!
Zur Unterstützung des Filmprojekts "EVA":
Spenden Sie / spendet
> über den Paypal-Button (hier auf der Seite rechts)
ODER (wegen Nachfragen)
> per Überweisung an:
Melanie Jilg
Knr: 46111241
BLZ: 70150000
IBAN DE33 7015 0000 0046 1112 41
BIC SSKM DE MM
mit dem Hinweis "Film".
>>> Ohne Sie / Euch geht`s nicht! <<<
Das Geld fließt zu 100% direkt in den Schnitt, Sounddesign, Mischung, Farbkorrektur & Mastering.
Ihr Name wird als edleR SpenderIn im Abspann genannt.
Internationale Festivalteilnahmen werden angestrebt!
Die Fertigstellung - je mehr Spenden desto schneller gehts - wird hier auf oxnfrau.blogspot.de bekannt gegeben. (voraussichtlich Herbst 2014)
Vielen herzlichen Dank!
Eva, Sarah & Melanie
Freitag, 23. Mai 2014
Reibungslos
Erinnere ich mich an meine ersten drei Reisemonate 2013, sehe ich Monate voller Schwierigkeiten und dem oft damit verbundenen Festsitzen. Dadurch haderte ich tagtäglich mit dem einzigen Projekt, auf das ich je 3 Jahre hingearbeitet hatte und dachte viel ans Aufhören. Nicht ans Aufhören der Reise, sondern ans Reisen in kleinerem Format. Nur Hund und Mensch und wenig Kleidung. Wollte ich doch WEITER und nicht immer wieder BLEIBEN.
Das grösste Hindernis war das ewige Wackeln und Verlieren der Klaueneisen und die damit verbundene Suche und Suche und noch weitere Suche nach einem Hufschmied, der das Wissen um den Klauenbeschlag noch hat. Ich glaube, ich habe fast mit allen Hufschmieden vom Südburgenland und der Südoststeiermark telefoniert. Später suchte ich ja dann eh nur noch nach einem Hufschmied, der es überhaupt wagen würde Lothar zu beschlagen, mit oder ohne Erfahrung. Auch fast nur erfolglos. Danach kam dann das Warten auf meinen ungarischen Hufschmied, bis der mir hinterhergereist kam. Da denke ich allein an eine Woche Festsitzen in Petersdorf II, an eine Woche Wenireith bei Hartberg und mehr als drei Wochen in Grosspetersdorf. Alles zwischen Anfang Mai und Mitte Juli.
Wenn ich aber schon über diese Zeit schreibe, muss ich auch erwähnen, dass genau dieses Festsitzen einen intensiven und herzlichen Kontakt zu den Menschen aufgebaut hat, bei denen ich auf der Wiese stand. So hat mein Angewiesen sein auf Unterstützung (was ich ja total hasse) zu Freundschaften geführt, die lange halten werden.
Im Vergleich dazu erkenne ich dieses Jahr nicht wieder. Alles fügt sich von alleine an seinen Platz ohne viel Zutun von meiner Seite. Ob Grenzübertritt mit Blutuntersuchungen, scheuerndes Geschirr oder die Suche nach einer Wiese, wo ich für eine Woche sein kann um meine Freunde aus Passau sehen zu können, alles ergibt sich. Auch wieder durch die Hilfe der Menschen unterwegs. Aber diesmal ohne Festsitzen. Und auch Lothars Klauen zeigen, dass er die Hufschuhe sehr gut verträgt was mich sehr Hoffen lässt.
Lothar allgemein geht es dieses Jahr viel besser. Er hat sein ganzes Fress- und Wiederkäuverhalten automatisch gleich auf „Reisemodus“ gestellt und schaut wirklich gut aus. Ist dick und rund und hat ein glänzendes Fell. Er liebt es wieder unterwegs zu sein. So wie ich. Und wir vertrauen einander mehr als letztes Jahr.
So viel Leichtigkeit also und so viel Reibungslosikeit in meinem begonnenen Reisejahr 2014! Steh eigentlich nur ganz erstaunt da und wundere mich, dass es so auch geht.
Mittwoch, 14. Mai 2014
Wieso eigentlich nicht illegal?
Die Grenzübertritte sind ja doch mit viel Aufwand verbunden. Die vielen Blutuntersuchungen (bei einem Tierarztphobiker), das Festsitzen im Grenzraum, die 30 Tage Quarantäne.
Es stimmt schon, dass es bisher niemanden interessiert hat, was Lothar für Papiere hat und wahrscheinlich auch nie interessieren wird.
Doch geht es dabei nicht um mich. Ich persönlich für mich selber, wo nur ich die Leidtragende wäre, könnte sowas schon probieren. Doch die Vorstellung, dass durch meine Ungeduld/Faulheit oder was auch immer Lothar mir weggenommen, oder weggesperrt oder noch Schlimmeres werden würde, kann ich nicht ertragen. All die Jahre Zusammenwachsen, die wir jetzt hinter uns haben wegen einer Dummheit aufgeben müssen, nein danke.
Da lieber einmal mehr Durchgehen.
Grenzformalitäten: Lothar geht durch
Das war mein Bericht von letzter Woche, wo ich leider kein Internet hatte:
Jetzt bin ich also an der Deutschen Grenze und um diese überschreiten zu dürfen bedarf es eines aktuellen Zirkus und Dressurtierausweises mit Negativbefunden auf diverse Tierseuchen, abesegnet mit amtsierärztlichem Stempel. Im Klartext: 4 Blutuntersuchungen auf IBR/IPV, Brucellose, Leucose und BVD, sowie einen Intrakutantest auf TBC. Bei einem Intrakutantest wird ein Mittel gespritzt und käme es nach 72h zu einer Schwellung in diesem Bereich, würde die Krankheit vorliegen.
Nun ist Lothar ja kein Fan von Spritzen, nein eher kein Fan von Tierärzten. Leider glauben mir die Tierärzte selten, dass der so liebe Lothar gar nicht mehr lieb ist, wenn sie in der Nähe sind.
Eigentlich Kopfzerbrechen machte mir va die Blutentnahme, da er mir die Letzte 4 Tage lang ziemlich übel genommen hat.
Doch diesmal lief es total einfach, da ich bei einer Bauernfamilie auf einmal vor einem Klauenstand stand und darüberhinaus der Amtstierarzt noch an diesem Nachmittag in der Gemeinde unterwegs war. Lothar bekam vorher sein Opium C30 zur Beruhigung und ich auch gleich vorsorglich. Diese Blutentnahme lief für Lothars Verhältnisse sehr ruhig ab.
Ein paar Tage später traf ich den Tierarzt wieder unterwegs an der Strasse für den Intrakutantest. Nachdem Lothar noch vor der Kutsche eingespannt war und der letzte Test so gut abgelaufen war machte ich mir da nicht grosse Sorgen. Doch kaum erkannte Lothar den Tierarzt wieder sprang er seitlich weg und zog die Kutsche mit blokierten Bremsen in ein Maisfeld leicht rein, bis ich ihn wieder unter Kontrolle hatte. Für diesen Moment, denn da kam der Tierarzt wieder näher. Da war es mit Lothars Fassung ganz vorbei und er gallopierte weg samt Kutsche runter einen kleinen Hang über eine hohe Wiese. Da hatte ich keine Chance ihn zu halten.
Ich und Piz natürlich hinterher. Wieder eingefangen waren wir natürlich immer noch nicht weiter im Programm. Deshalb band ich ihn an einen Strommasten mit Betonsockel, der eh auf der Wiese stand. Wieder kam der Tierarzt näher, wieder tickte Lothar aus doch diesmal konnte er ja nicht aus und so fiel er irgendwann in der Deichsel um und war so erstmal gefesselt. Daraufhin bekam er seinen kleinen Pieckser in die Schulter und fertig war es auch schon. Danach musste ich ihn nur noch aus seinem Geschirrchaos befreien, wieder aufstehen lassen und meine neuen grauen Haare zählen, die mich diese Prozedur gekostet hatte.
Ein Nachbar, der alles mitbeobachtet hatte kam dann gleich mit zwei Limos und 3!Tafeln Schokolade raus, von denen auch auch gleich 1 1/2 verspeiste.
Nach dieser Pause stand Lothar so offensichtlich sauber zum Schuheanziehen und lief so offensichtlich schön ohne Kommandos und ohne Zicken noch über Stunden bergauf und bergab, dass er mir glaubhaft vermittelt hat, es tue ihm leid. Da konnt ich ihm nicht mehr böse sein, sondern musste ihn im Gegenteil unablässig loben, was er doch grad für ein gechickter Ochse ist.
Ich muss es einfach lernen ihm selber Blut abzunehmen und zwar so, dass er von der Anwesenheit eines Tierarztes gar nichts mitbekommt. Das ist wohl am ungefährlichsten für Tierarzt, Lothar und mich selber.
Samstag, 3. Mai 2014
Jetzt, nach so langer Zeit schon unterwegs, bin ich dem ersten Menschen begegnet, der noch Ochsen einspannt und dies schon sein ganzes Leben lang tat. Von Weitem wurde mir schon von ihm erzählt, vom Mann mit seinen zwei Pinzgauer Ochsen, der auch noch heute im Winter mit ihnen Holzstreiffen geht und Umzüge fährt.
Angekündigt hatte ich mich nicht, sondern lief einfach bei ihm vorbei.
Die Pinzgauer Rasse, kastanienbraun mit weissem Streifen am Rücken, war hier in der Gegend die heimische Rasse, bevor sie vom Fleckvieh abgelöst wurde. Bisher hatte ich schon ein paar Pinzgauer Kühe gesehen, doch als ich in diesen Stall trat, traf mich fast der Schlag. So etwas hatte ich nicht erwartet. Das sind Monstrümmer! Der Grosse ist doppelt so schwer wie Lothar, dabei ist er nicht mal dick, sein Schädel zweimal so gross. Hätte mir jemand von Ochsen in diesen Dimensionen erzählt, ich hätte ihm niemals geglaubt. Auch auf Fotos wirken die Ochsen nicht wirklich riesig. Dass heimische Ochsen so gross sein könnten, hätt ich nie vermutet.
Als ich danach aus dem Stall trat und Lothar auf seiner Wiese stehen sah, sah ich einen Baby Ochsen! Putzig, klein und kompakt! Süss!
Auf meine regen Bitten hat der Mann sie für mich vor die Kutsche gespannt und wir sind eine Runde mit ihnen gelaufen. Mit dem Stosszügel lenkt er seine Tiere. Ich versuchte mir vergebends vorzustellen, was für Lasten so ein Ochsengespann wohl zu ziehen vermag.
Für mich war interessant zu sehen, wie ein Mann, der noch aus einer Zeit stammt wo Ochsen regelmässig zur Arbeit eingesetzt wurden und sein ganzes Leben lang Ochsen ausbildete und mit ihnen arbeitete, mit diesen Tieren umgeht. Diese Tiere sind nicht Hobbytiere, keine Streicheltiere: sie sind Arbeitswerkzeuge und der Umgangston eher rau. Doch kam mir der Umgang auch auf eine Art gesund vor. Roch nicht nach teuren Fellpflegeprodukten, Diätsonderfutter und extra Decken, sondern nach einem Leben, wo der eine vom anderen und der andere vom einen absolut abhängig war.
Angekündigt hatte ich mich nicht, sondern lief einfach bei ihm vorbei.
Die Pinzgauer Rasse, kastanienbraun mit weissem Streifen am Rücken, war hier in der Gegend die heimische Rasse, bevor sie vom Fleckvieh abgelöst wurde. Bisher hatte ich schon ein paar Pinzgauer Kühe gesehen, doch als ich in diesen Stall trat, traf mich fast der Schlag. So etwas hatte ich nicht erwartet. Das sind Monstrümmer! Der Grosse ist doppelt so schwer wie Lothar, dabei ist er nicht mal dick, sein Schädel zweimal so gross. Hätte mir jemand von Ochsen in diesen Dimensionen erzählt, ich hätte ihm niemals geglaubt. Auch auf Fotos wirken die Ochsen nicht wirklich riesig. Dass heimische Ochsen so gross sein könnten, hätt ich nie vermutet.
Als ich danach aus dem Stall trat und Lothar auf seiner Wiese stehen sah, sah ich einen Baby Ochsen! Putzig, klein und kompakt! Süss!
Auf meine regen Bitten hat der Mann sie für mich vor die Kutsche gespannt und wir sind eine Runde mit ihnen gelaufen. Mit dem Stosszügel lenkt er seine Tiere. Ich versuchte mir vergebends vorzustellen, was für Lasten so ein Ochsengespann wohl zu ziehen vermag.
Für mich war interessant zu sehen, wie ein Mann, der noch aus einer Zeit stammt wo Ochsen regelmässig zur Arbeit eingesetzt wurden und sein ganzes Leben lang Ochsen ausbildete und mit ihnen arbeitete, mit diesen Tieren umgeht. Diese Tiere sind nicht Hobbytiere, keine Streicheltiere: sie sind Arbeitswerkzeuge und der Umgangston eher rau. Doch kam mir der Umgang auch auf eine Art gesund vor. Roch nicht nach teuren Fellpflegeprodukten, Diätsonderfutter und extra Decken, sondern nach einem Leben, wo der eine vom anderen und der andere vom einen absolut abhängig war.
Fragen, Fragen
Falls es Fragen gibt, die ich bisher noch nicht beantwortet habe, dann stellt sie doch hier in Form eines Kommentares ein und ich werde versuchen eine Antwort zu finden.
Freitag, 25. April 2014
Projekt Hufschuhe
Lothar trägt ja seid dieser Saison Hufschuhe für Pferde - probeweise. Mein erster Eindruck nach einer Woche unterwegs ist erstmal positiver, als es nach einer Woche unterwegs sein mit Beschlag war (damals verlor ich ja nach 4 Tagen das erste Eisen).
Die Schuhe halten ausgezeichnet am Fuss (naja bei 3 km/h ist das auch nicht schwierig). Lothars Geschwindigkeit ist ein bisschen schneller als mit Beschlag (was uns ja nicht schadet). Sein linkes Hinterbein, was mit Beschlag gerne rutschte, bleibt bei jedem Tritt fest am Boden. Kein Rutschen auf trockenem oder nassen Asphalt (bei 3km/h). Jeder Tritt wird gedämpft, was mir ein gutes Gefühl gibt. Es ist leise (im Vergleich zum Eisen). Wir könnten uns also an Häusern "vorbeischleichen", wenn Lothar nicht die Angewohnheit hätte, menschliche Behausungen mal generell anzumuhen.
Erstmal alles also wirklich vielversprechend, jetzt kommt aber noch das ABER:
der grösste Vorteil der Schuhe ist auch ihr grosser Nachteil. Sie müssen, damit sie keine extra Befestigung brauchen, richtig fest am Fuss sitzen, so fest, dass man sie mit einem Gummihammer an den Huf schlagen muss.
Dadurch werden aber beide Klauenhälften unnatürlich fest zusammengedrückt.
Dadurch kommt es zu einer leichten aber festen Reibung im Klauenspalt im Bereich des Ballens.
Nach ein paar Tagen viel mir auf, dass dieser Bereich leicht feucht war und komisch roch. Daraufhin bin ich noch penibler mit der Sauberkeit. Spritze ihn vor dem Schuhe anziehen mit einer mit Wasser gefüllten Sprühflasche aus, bis er komplett sauber ist und streiche ein bisschen Buchenholzteer darauf. Dadurch ist es besser. Doch ob es da nicht langfristig zu Problemen kommen kann, z.B. eine Entzündung entsteht, oder ein Zwischenklauengeschwür, kann nur die Zeit zeigen. Ich bin da jetzt ziemlich aufmerksam, hoffe aber, dass es eher zu einer Hornhautbildung kommt also zu etwas Negativem.
Die erste Woche hatten wir mal gleich Nachtfrost, Schneefall und starken Wind. Aber egal. Wir laufen, auch mal steil rauf und steil runter. Es blühen die Obstbäume. Wir (wirklich alle) freuen uns wieder am draussen und am unterwegs sein.
Die Schuhe halten ausgezeichnet am Fuss (naja bei 3 km/h ist das auch nicht schwierig). Lothars Geschwindigkeit ist ein bisschen schneller als mit Beschlag (was uns ja nicht schadet). Sein linkes Hinterbein, was mit Beschlag gerne rutschte, bleibt bei jedem Tritt fest am Boden. Kein Rutschen auf trockenem oder nassen Asphalt (bei 3km/h). Jeder Tritt wird gedämpft, was mir ein gutes Gefühl gibt. Es ist leise (im Vergleich zum Eisen). Wir könnten uns also an Häusern "vorbeischleichen", wenn Lothar nicht die Angewohnheit hätte, menschliche Behausungen mal generell anzumuhen.
Erstmal alles also wirklich vielversprechend, jetzt kommt aber noch das ABER:
der grösste Vorteil der Schuhe ist auch ihr grosser Nachteil. Sie müssen, damit sie keine extra Befestigung brauchen, richtig fest am Fuss sitzen, so fest, dass man sie mit einem Gummihammer an den Huf schlagen muss.
Dadurch werden aber beide Klauenhälften unnatürlich fest zusammengedrückt.
Dadurch kommt es zu einer leichten aber festen Reibung im Klauenspalt im Bereich des Ballens.
Nach ein paar Tagen viel mir auf, dass dieser Bereich leicht feucht war und komisch roch. Daraufhin bin ich noch penibler mit der Sauberkeit. Spritze ihn vor dem Schuhe anziehen mit einer mit Wasser gefüllten Sprühflasche aus, bis er komplett sauber ist und streiche ein bisschen Buchenholzteer darauf. Dadurch ist es besser. Doch ob es da nicht langfristig zu Problemen kommen kann, z.B. eine Entzündung entsteht, oder ein Zwischenklauengeschwür, kann nur die Zeit zeigen. Ich bin da jetzt ziemlich aufmerksam, hoffe aber, dass es eher zu einer Hornhautbildung kommt also zu etwas Negativem.
Die erste Woche hatten wir mal gleich Nachtfrost, Schneefall und starken Wind. Aber egal. Wir laufen, auch mal steil rauf und steil runter. Es blühen die Obstbäume. Wir (wirklich alle) freuen uns wieder am draussen und am unterwegs sein.
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| und so schaun sie in voller Fahrt aus |
Freitag, 18. April 2014
Das Herz meines Ochsen
Das Herz meines Ochsen ist so gross und so weit und es vergisst nicht. Nichts hat sich verändert über die letzten 5 Monate. Wenn sich vertrauen geändert hat, dann nur in seiner Tiefe. Kein nervöses Verhalten, kein mir übel nehmen, dass ich ihn „abgestellt" hatte. Vom ersten Tag an, als wär ich nie weg gewesen. Und jetzt das Laufen, als hätte es keine Pause gegeben. Die Routine des unterwegs Seins ist noch da. Bei ihm, bei Piz, bei mir.
Das ist gut so. Denn mein Herz ist, wenn ich unterwegs bin, auch gross und weit und vergisst nicht. Vor allem keinen grossen dicken Lothar. Da passen wir gut zusammen.
Das ist gut so. Denn mein Herz ist, wenn ich unterwegs bin, auch gross und weit und vergisst nicht. Vor allem keinen grossen dicken Lothar. Da passen wir gut zusammen.
Freitag, 4. April 2014
Willkommen zurück! Es geht weiter!
Dem Start meiner zweiten Saison steht nichts mehr im Wege.
Mein Leben, das einer schweizer Bergkuh.
Einmal kamen mich über den Winter gute Freunde besuchen. Natürlich besuchten sie auch den Kuhstall und - wie schon öfter - waren sie erstaunt über die, für manche überholt wirkende, Anbindehaltung dort.
Nun, darauf kann ich immer nur ganz ehrlich eine Sache sagen: „Also wenn ich eine Kuh wäre...dann würde ich lieber das halbe Jahr im Stall angebunden verbringen und das andere halbe Jahr auf einer Alp frei weiden, als ganzjährig im Laufstall zu sein.“
Meine Freundin sagte ohne zu zögern dazu: „Ja, so lebst du ja auch dein Leben.“
Also kommt jetzt für mich schweizer Bergkuh (irgendwie ehrvoll mit einer Kuh verglichen zu werden, aber bitte einer mit Hörnern) wieder die Alpsaison.
Meine Stelle in der Schweiz habe ich zum 1. April aufgehört, am 7. April fahr ich wieder zu Lothar.
Nie stand ein Aufhören der Tour im Raum.
Piz und ich hatten es wirklich gut getroffen. Jeden Morgen mit Berpanorama aus der Tür treten, Schnee, Arbeit mit Tieren, die uns Spass macht und darüberhinaus unsere nächste Laufsaison finanziell absichert. Und noch mehr Bergpanorama und noch mehr Bergpanorama. Mit Lothar bleibt es einfach bei dem Wunsch, auch die Berge durchreisen zu dürfen. (Ja, Lothar, ich bin schon still, ich zieh ja nicht die Kutsche).
Piz hat jede Sekunde ihres Winters genossen: Schafe hüten, Kühe wenden im Stall (wenn sie nach ihrem Ausgang wieder angebunden werden sollten, aber an ihrem Platz vorbei gingen), die Rinder am Fressen hindern, bis ich mit dem Füllen der Futterkrippe fertig war. Und wenn es für sie nichts zu tun gab, dann war sie zumindest mit und um Tiere herum. Was Schöneres gibt es für nicht für einen Border Collie.
Es bleibt spannend, wohin es gehen wird dieses Jahr. Ich weiss es nicht und wills auch nicht wissen.
Dieses Jahr werde ich es vorerst ohne Beschlag versuchen und dafür mit den Schweizer Hufschuhen für Pferde. Erfahrungwerte gibt es da leider nicht bei Kühen. Was für eine Erleichterung wärs, wenn das Problem mit den ewig wackeligen Eisen damit aus der Welt wäre.
Ich werde immer um den Freitag herum probieren etwas auf meinem Blog zu veröffentlichen, aber ob ich dann genau Internet habe kann ich nicht versprechen.
Was für ein Luxus wieder weiterziehen zu dürfen!!
Dem Start meiner zweiten Saison steht nichts mehr im Wege.
Mein Leben, das einer schweizer Bergkuh.
Einmal kamen mich über den Winter gute Freunde besuchen. Natürlich besuchten sie auch den Kuhstall und - wie schon öfter - waren sie erstaunt über die, für manche überholt wirkende, Anbindehaltung dort.
Nun, darauf kann ich immer nur ganz ehrlich eine Sache sagen: „Also wenn ich eine Kuh wäre...dann würde ich lieber das halbe Jahr im Stall angebunden verbringen und das andere halbe Jahr auf einer Alp frei weiden, als ganzjährig im Laufstall zu sein.“
Meine Freundin sagte ohne zu zögern dazu: „Ja, so lebst du ja auch dein Leben.“
Also kommt jetzt für mich schweizer Bergkuh (irgendwie ehrvoll mit einer Kuh verglichen zu werden, aber bitte einer mit Hörnern) wieder die Alpsaison.
Meine Stelle in der Schweiz habe ich zum 1. April aufgehört, am 7. April fahr ich wieder zu Lothar.
Nie stand ein Aufhören der Tour im Raum.
Piz und ich hatten es wirklich gut getroffen. Jeden Morgen mit Berpanorama aus der Tür treten, Schnee, Arbeit mit Tieren, die uns Spass macht und darüberhinaus unsere nächste Laufsaison finanziell absichert. Und noch mehr Bergpanorama und noch mehr Bergpanorama. Mit Lothar bleibt es einfach bei dem Wunsch, auch die Berge durchreisen zu dürfen. (Ja, Lothar, ich bin schon still, ich zieh ja nicht die Kutsche).
Piz hat jede Sekunde ihres Winters genossen: Schafe hüten, Kühe wenden im Stall (wenn sie nach ihrem Ausgang wieder angebunden werden sollten, aber an ihrem Platz vorbei gingen), die Rinder am Fressen hindern, bis ich mit dem Füllen der Futterkrippe fertig war. Und wenn es für sie nichts zu tun gab, dann war sie zumindest mit und um Tiere herum. Was Schöneres gibt es für nicht für einen Border Collie.
Es bleibt spannend, wohin es gehen wird dieses Jahr. Ich weiss es nicht und wills auch nicht wissen.
Dieses Jahr werde ich es vorerst ohne Beschlag versuchen und dafür mit den Schweizer Hufschuhen für Pferde. Erfahrungwerte gibt es da leider nicht bei Kühen. Was für eine Erleichterung wärs, wenn das Problem mit den ewig wackeligen Eisen damit aus der Welt wäre.
Ich werde immer um den Freitag herum probieren etwas auf meinem Blog zu veröffentlichen, aber ob ich dann genau Internet habe kann ich nicht versprechen.
Was für ein Luxus wieder weiterziehen zu dürfen!!
Dienstag, 29. Oktober 2013
Danke
Leben!
Du hast mir einen wunderbaren Sommer gewährt. Viele Probleme auch, aber nichts hat überwogen.
Ich liebe dich, Leben, du sorgst so gut für mich, du umhüllst mich und nährst mich. Breite ich meine Arme aus und springe, fängst du mich auf.
Leben, ich danke dir. Ich danke dir für meinen dicken Lothar, meinem Lehrmeister der Langsamkeit und das, was wir zusammen geschafft haben. Ich danke dir für meine Piz, ihre Freude, Treue und Wärme im Zelt. Ich danke dir für jeden Finger, den du mir gereicht hast und für jeden Schutz, den du mir gewährt hast. Ich danke dir für die Natur, die wir durchwandern durften und für die netten Menschen, die wir trafen.
Am meisten aber danke ich dir, Leben, für das Gefühl eins mit dir zu sein. Und dafür, das mich das Wasser trug. Dank sei dir. Du Leben. Du Kraft. Du Eins mit Allem. Du meine Liebe.
Du hast mir einen wunderbaren Sommer gewährt. Viele Probleme auch, aber nichts hat überwogen.
Ich liebe dich, Leben, du sorgst so gut für mich, du umhüllst mich und nährst mich. Breite ich meine Arme aus und springe, fängst du mich auf.
Leben, ich danke dir. Ich danke dir für meinen dicken Lothar, meinem Lehrmeister der Langsamkeit und das, was wir zusammen geschafft haben. Ich danke dir für meine Piz, ihre Freude, Treue und Wärme im Zelt. Ich danke dir für jeden Finger, den du mir gereicht hast und für jeden Schutz, den du mir gewährt hast. Ich danke dir für die Natur, die wir durchwandern durften und für die netten Menschen, die wir trafen.
Am meisten aber danke ich dir, Leben, für das Gefühl eins mit dir zu sein. Und dafür, das mich das Wasser trug. Dank sei dir. Du Leben. Du Kraft. Du Eins mit Allem. Du meine Liebe.
Geplant ungeplant
Mit Lothar und Piz und Kutsche unterwegs sein. Grobe Richtung: Westen. Bis es uns zu kalt wird oder Lothar das Futter ausgeht oder uns die Lust verlässt. Das waren die "Ziele" und Vorgaben für unsere Tour.
Staunend steh ich jetzt vor der abgeschlossenen Tour und was sich jetzt alles ergeben hat, wo ich jetzt bin, Lothar und Piz und wo wir sein werden über den Winter. Alles hat sich irgendwie gefügt und ist an seinen Platz gerutscht. Von der Existenz der Menschen, wo Lothar jetzt im Winter steht, wusst ich im Frühjahr noch gar nicht. Und doch hätte es keinen besseren Platz für ihn gegeben, wenn ich ihn schon alleine lassen muss.
Begreiffen tue ich die Tatsache noch nicht, dass durch absolutes Loslassen total viel Reichtum entsteht. Nur erfahren durfte ich es jetzt schon zum zweiten mal.
Angst habe ich jetzt aber schon ein Bisserl vor der schnellen Welt und das sie mich wieder verschluckt und absorbiert und auch wieder schnell macht.
Abschied
Ab jetzt werd ich wohl nicht mehr viel veröffentlichen. Ab 1.11. starte ich meine Stelle in Davos. Lothar ist abgeliefert und verabschiedet.
Nächstes Jahr geht es weiter. Es fühlt sich noch nicht fertig gereist an. Ich freue mich schon! Dann werde ich gleich von Anfang an weiterschreiben.
Wer Bescheid bekommen möchte, ab wann der Blog wieder regelmässiger beschrieben werden wird, kann mir auch einfach eine Email (zyclotrop@gmx.de) zukommen lassen und wird dann von mir benachrichtigt.
Hier noch ein paar Abschiedsbilder vom Sommer:
Nächstes Jahr geht es weiter. Es fühlt sich noch nicht fertig gereist an. Ich freue mich schon! Dann werde ich gleich von Anfang an weiterschreiben.
Wer Bescheid bekommen möchte, ab wann der Blog wieder regelmässiger beschrieben werden wird, kann mir auch einfach eine Email (zyclotrop@gmx.de) zukommen lassen und wird dann von mir benachrichtigt.
Hier noch ein paar Abschiedsbilder vom Sommer:
![]() |
| im neuen Winterkleid |
![]() |
| Regencamp |
![]() |
| Die tägliche Auseinandersetzung mit wackelnden Klaueneisen |
![]() |
| Der Beweis! Sind doch nicht 2,5! |
Abschied von Lothar
Jetzt rückt der Tag des Abschieds näher. Und damit einher geht, dass ich es so richtig zu realisieren beginne, dass eine Trennung von mir und Lothar bevorsteht. Was ich als so tolle Lösung empfand, fühlte sich auf einmal nicht mehr so toll an. Woher weiss ich, dass Lothar, der sich ja wirklich so viel Mühe gegeben hat über den Sommer, sich nicht abgestellt und verlassen vorkommt? Mal wieder, sozusagen, nach dem Platzwechsel von Berlin nach Ungarn? 5 Monate, fühlt sich auf einmal sooooo lang an für eine Trennung. Wie kann ich wissen, wie er das ganze verdaut? Fehler? Schmerzen.
- zwei Tage später -
Jetzt bin ich die letzten Tage zusammen mit ihm an seinem Winterquartier. Und schon ist alles gar nicht mehr so schlimm. Vor 5 Stunden durfte er zum ersten Mal zusammen mit den Kalbinnen auf die Wiese. Was für ein Schnüffeln hier und dort. Aber alles ruhig. Kein rumgelaufe, kämpfen oder ähnliches. Die Drei machten sich hauptsächlich alles dadurch aus, wie sie sich zueinander positinierten, ihren Kopf und v.a. die Hörner hielten. Kaum Körperkontakt. Was für ein Lehrstück! Nach 10 Minuten haben sie schon als neue Herde gegrast. Über den Nachmittag verteilt schaute ich ihnen ein paar mal zu. Sah die Drei immer zusammen in einem Areal grasen. Als ich später mir kurz seine Füsse ansah und ihn anband, muhte er schon ein Herden-Muhen in Richtung seiner neuen Gefährtinnen, ein solches, welches ich nicht zu hören bekam während des Sommer. Als ich ihn losband ging er sofort wieder zu ihnen rüber, als wär es die normalste Sache von der Welt. Es braucht nur ein paar wenige Minuten, um aus Lothar nicht mehr ein Einzeltier zu machen, sondern ein Teil einer Herde. Da hat sich ganz schön was entspannt in mir. Diese Kühe können ihm soviel bieten, was ich ihm nie geben werden kann.
Trotzdem aber tuts weh die Trennung. Ziemlich. Zumindest für mich.
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| Lothars neues Zuhause und die neue Herde |
Schwieriges Thema
Ein für mich wirklich immer wieder schwieriges Thema meine Tour betreffend, muss ich auch noch am Schluss ansprechen.
Ich vermisste es so oft, dass so gut wie nie in Erwägung gezogen wurde, dass ich eine Privatperson bin, die vielleicht auch mal ihre Ruhe braucht und es nicht möchte, dass jeder ihrer Handgriffe aufs genaueste studiert wird. Allgemein galt der Satz "weil das sieht man ja so selten" als Freibrief für alles: von mich ungefragt zu fotgrafieren (nicht nur ein Foto, sondern auch gerne mal 10, Vorne, Hinten, Seite, Portrait...), mir bei allem zuzuschauen, mir unter die Plane der Kutsche zu schauen bis hin dazu, meine Bitte nicht zu fotografieren, oder meine Ruhe haben zu wollen, zu übergehen.
Vielleicht hilft es sich vorzustellen, wenn einem kontinuierlich und ungefragt die Leute im Wohnzimmer stehen würden (über Monate! Tagtäglich!) um sich das tolle Erbstück von Oma anzusschauen mit der scheints all ihr Hadeln rechtfertigenden Begründung: sowas sehe man ja sonst sie.
So oft kam ich mir vor wie im Zoo. Wenn die Leute alles ins Detail beobachteten was ich tat und auspackte und kochte, ohne zu fragen oder sich zu denken, dass das ja schon auch privat ist. Und wenn es dann mehr und mehr Menschen werden, weil da gibt es ja scheints was zu sehen!, dann wirds ganz schlimm. Körpersprache lesen? Fehlanzeige. Ich konnte mich wegdrehen, keinen Augenkontakt mehr halten und nur noch einsilbig antworten, die Leute bleiben weiter stehen und schauen, denn sowas werden sie ja nie wieder sehen. Selbst verbal zu äussern, dass man viel überrannt worden ist von Menschen und sich jetzt auf ein bisschen Ruhe freut (was scheints immer noch zu diplomatisch ausgedrückt ist) , hilft nichts .
Es ist was anderes, wenn Menschen mit einer Offenheit und Berührtheit an mich herantreten, wenn ich spüre dass sich in ihnen was bewegt. Dann kann auch für beide Seiten ein bereicherndes Gespräch entstehen. Doch viel zu oft kommen die Menschen ohne Offenheit und nur zum Nehmen: das Bild von uns, die Geschichte, die Neuigkeit, die Sensation.
Und so traurig stimmte es mich dann, wenn ich mich durch das viele Überrannt werden verschliessen musste, was ja die absolute Gegenbewegung zu dem ist, weshalb ich die Reise mache. Und schade war, dass ich manchmal dann schon so leergefragt und leerfotografiert worden bin, dass selbst wenn ich auf interessante oder offene Menschen traf, keine Kapazitäten mehr für ein Gespräch mit ihnen hatte.
Schwierig ist es auch deshalb, weil ich ja nur auf Grund bin, der nicht meiner ist und ich mich ja auffällig fortbewege. Das ist mir schon klar. In den ersten zwei Monaten war es auch weniger eine Probelmatik für mich als später. Da hatte ich noch genug Energie.
Für nächstes Jahr muss ich irgendwie lernen rechtzeitig die Bremse zu ziehen. Ich muss einen Weg finden im Positiven die Menschen ein bisschen mehr auf Abstand zu halten, BEVOR ich in ein Defizit mit meiner Energie komme. Wie das geht? Ich hab noch keine Ahnung.
Ich vermisste es so oft, dass so gut wie nie in Erwägung gezogen wurde, dass ich eine Privatperson bin, die vielleicht auch mal ihre Ruhe braucht und es nicht möchte, dass jeder ihrer Handgriffe aufs genaueste studiert wird. Allgemein galt der Satz "weil das sieht man ja so selten" als Freibrief für alles: von mich ungefragt zu fotgrafieren (nicht nur ein Foto, sondern auch gerne mal 10, Vorne, Hinten, Seite, Portrait...), mir bei allem zuzuschauen, mir unter die Plane der Kutsche zu schauen bis hin dazu, meine Bitte nicht zu fotografieren, oder meine Ruhe haben zu wollen, zu übergehen.
Vielleicht hilft es sich vorzustellen, wenn einem kontinuierlich und ungefragt die Leute im Wohnzimmer stehen würden (über Monate! Tagtäglich!) um sich das tolle Erbstück von Oma anzusschauen mit der scheints all ihr Hadeln rechtfertigenden Begründung: sowas sehe man ja sonst sie.
So oft kam ich mir vor wie im Zoo. Wenn die Leute alles ins Detail beobachteten was ich tat und auspackte und kochte, ohne zu fragen oder sich zu denken, dass das ja schon auch privat ist. Und wenn es dann mehr und mehr Menschen werden, weil da gibt es ja scheints was zu sehen!, dann wirds ganz schlimm. Körpersprache lesen? Fehlanzeige. Ich konnte mich wegdrehen, keinen Augenkontakt mehr halten und nur noch einsilbig antworten, die Leute bleiben weiter stehen und schauen, denn sowas werden sie ja nie wieder sehen. Selbst verbal zu äussern, dass man viel überrannt worden ist von Menschen und sich jetzt auf ein bisschen Ruhe freut (was scheints immer noch zu diplomatisch ausgedrückt ist) , hilft nichts .
Es ist was anderes, wenn Menschen mit einer Offenheit und Berührtheit an mich herantreten, wenn ich spüre dass sich in ihnen was bewegt. Dann kann auch für beide Seiten ein bereicherndes Gespräch entstehen. Doch viel zu oft kommen die Menschen ohne Offenheit und nur zum Nehmen: das Bild von uns, die Geschichte, die Neuigkeit, die Sensation.
Und so traurig stimmte es mich dann, wenn ich mich durch das viele Überrannt werden verschliessen musste, was ja die absolute Gegenbewegung zu dem ist, weshalb ich die Reise mache. Und schade war, dass ich manchmal dann schon so leergefragt und leerfotografiert worden bin, dass selbst wenn ich auf interessante oder offene Menschen traf, keine Kapazitäten mehr für ein Gespräch mit ihnen hatte.
Schwierig ist es auch deshalb, weil ich ja nur auf Grund bin, der nicht meiner ist und ich mich ja auffällig fortbewege. Das ist mir schon klar. In den ersten zwei Monaten war es auch weniger eine Probelmatik für mich als später. Da hatte ich noch genug Energie.
Für nächstes Jahr muss ich irgendwie lernen rechtzeitig die Bremse zu ziehen. Ich muss einen Weg finden im Positiven die Menschen ein bisschen mehr auf Abstand zu halten, BEVOR ich in ein Defizit mit meiner Energie komme. Wie das geht? Ich hab noch keine Ahnung.
Ausserhalb jeglicher Konkurenz
Heute waren wir Holzrücken. Zwei Noriker Pferde, drei Männern und wir.
Die Noriker waren beeindruckend. So schwere Lasten zogen sie mit viel Feuer zugwillig aus dem Wald. Da kann man nur Staunen. Schnell ging es zu. Die Pferde so kraftvoll und tänzelnd und energievoll schmissen sie sich in ihr Kummet. Viel Holz wurde da aus dem Wald geschafft. Lasten, die ich einem Vieh nicht zugetraut hätte. Die Männer kamen ganz schön ins Schwitzen mit jeweils Anhängen, Entasten und mit dem Pferd das Holz zum Platz führen.
Und Lothar und ich? Wir gingen auch Runde um Runde, mit kleineren Packen und mit langsameren Schritt. Mit Gewicht ging Lothar schon schneller, aber auf dem Rückweg wieder ganz ganz gemächlich. Nach jedem Holzabliefern wieder ganz ganz langsam die Wendung Richtung gefällte Bäume. Ins Schwitzen bin ich nicht gekommen.
Wir sind da wie rausgefallen neben dem Schwitzen, der Energie, den Gewichten, den Stämmen, der Schnelligkeit. Oder irgendwie wieder reingefallen in unsere ganz andere Welt der Langsamkeit, der Ruhe. Können zwei Welten nebeneinander existieren? Heute war es für mich wie greifbar.
Insgesamt war es eine schöne Zusammenarbeit zwischen den Menschen und den Tieren und den Tieren untereinander. Lothar hat viel mehr Stunden durchgehalten, weil er nicht das einzige Arbeitstier war. Das wirkte motivierend.
Die Noriker waren beeindruckend. So schwere Lasten zogen sie mit viel Feuer zugwillig aus dem Wald. Da kann man nur Staunen. Schnell ging es zu. Die Pferde so kraftvoll und tänzelnd und energievoll schmissen sie sich in ihr Kummet. Viel Holz wurde da aus dem Wald geschafft. Lasten, die ich einem Vieh nicht zugetraut hätte. Die Männer kamen ganz schön ins Schwitzen mit jeweils Anhängen, Entasten und mit dem Pferd das Holz zum Platz führen.
Und Lothar und ich? Wir gingen auch Runde um Runde, mit kleineren Packen und mit langsameren Schritt. Mit Gewicht ging Lothar schon schneller, aber auf dem Rückweg wieder ganz ganz gemächlich. Nach jedem Holzabliefern wieder ganz ganz langsam die Wendung Richtung gefällte Bäume. Ins Schwitzen bin ich nicht gekommen.
Wir sind da wie rausgefallen neben dem Schwitzen, der Energie, den Gewichten, den Stämmen, der Schnelligkeit. Oder irgendwie wieder reingefallen in unsere ganz andere Welt der Langsamkeit, der Ruhe. Können zwei Welten nebeneinander existieren? Heute war es für mich wie greifbar.
Insgesamt war es eine schöne Zusammenarbeit zwischen den Menschen und den Tieren und den Tieren untereinander. Lothar hat viel mehr Stunden durchgehalten, weil er nicht das einzige Arbeitstier war. Das wirkte motivierend.
Freitag, 11. Oktober 2013
Winterquartier!
Es hat geklappt!!! Lothar Piz und ich haben ein Winterquartier.
Ich bin so überrascht und dankbar, wie viele tolle Angebote ich bekommen habe. Nie hätte ich das zu träumen gewagt, mussten doch so viele Faktoren stimmen! Lothar muss mit können, oder einen Platz haben, wo ich ihn ausgezeichnet versorgt weiss, Piz muss bei der Arbeit mit dabei sein können und der Zeitraum ist darüberhinaus ja auch noch festgelegt und begrenzt. Und Geld verdienen wollte ich ja auch, damit es weiter gehen kann.
Doch gegen all meine Erwartungen bekam ich viele Anrufe. Und so verschieden und zahlreich waren schlussendlich die Angebote. Berührt haben mich solche, wo die Menschen auf kleinem Raum noch mehr zusammengerückt wären, nur damit ich über den Winter auch noch ins Haus passe. Gefreut haben mich solche, wo klar war, ich kann das, was ich gerne mache tun, nämlich mit Viechern arbeiten, und das in Eigenregie. Und wenn nicht nur mit Tieren, dann in Ergänzung mit Handwerk. Arbeitsplätze wurden extra für mich geschaffen. Nicht nur einer. Wie kann es sowas geben? So viel Dankbarkeit!!
Rausgelaufen ist es auf folgendes: Lothars und meine Wege werden sich für die nächsten Monate trennen. Das wird ganz schön schwer werden.
Denn ich werde auf den 1. November in die Schweiz gehen und in der Nähe von Davos 25 Stück Braunvieh und deren Nachzucht melken und versorgen, dazu noch 60 Hühner und 30 Schafe (Arbeit für Piz, die wird sich freuen). Möglich ist das nur daher, dass ich einen perfekten Platz für Lothar gefunden habe in Österreich. Er wird im Stall stehen mit zwei Murbodner Kalbinnen, die gerade in Ausbildung sind. Nebenan stehen noch vier Pferde, drei davon Kaltblüter zum arbeiten. D.h. Lothar darf sogar was tun über den Winter und hoffentlich die Kalbinnen lehren, was es heisst ein erfahrener Zugochse/kuh zu sein. Also nicht nur für mich ist diese Lösung gut, sondern auch für deren Besitzer. Denn so einfach lernt es sich für ein junges Pferd oder eine junge Kuh, wenn es neben einem erfahrenen Zugtier herlaufen kann. Ich glaube nicht, dass ich Lothar an einen anderen Platz geben hätte können. Lieber hätte ich für weniger Geld in Österreich gearbeitet, ihn aber bei mir gewusst.
Alles scheint also darauf hinzudeuten, dass es ab Anfang April 2014 weiter gehen wird mit unserer Tour. Ich hätte keinerlei Einwände.
Jetzt erst einmal heisst es die letzten zwei Tourwochen zu geniessen. Und die Gesellschaft meines dicken, lieben, mittlerweile sehr bewinterfellten, wiederkäuenden Freundes! Es ist kalt, aber auch soooo schön!
Es hat geklappt!!! Lothar Piz und ich haben ein Winterquartier.
Ich bin so überrascht und dankbar, wie viele tolle Angebote ich bekommen habe. Nie hätte ich das zu träumen gewagt, mussten doch so viele Faktoren stimmen! Lothar muss mit können, oder einen Platz haben, wo ich ihn ausgezeichnet versorgt weiss, Piz muss bei der Arbeit mit dabei sein können und der Zeitraum ist darüberhinaus ja auch noch festgelegt und begrenzt. Und Geld verdienen wollte ich ja auch, damit es weiter gehen kann.
Doch gegen all meine Erwartungen bekam ich viele Anrufe. Und so verschieden und zahlreich waren schlussendlich die Angebote. Berührt haben mich solche, wo die Menschen auf kleinem Raum noch mehr zusammengerückt wären, nur damit ich über den Winter auch noch ins Haus passe. Gefreut haben mich solche, wo klar war, ich kann das, was ich gerne mache tun, nämlich mit Viechern arbeiten, und das in Eigenregie. Und wenn nicht nur mit Tieren, dann in Ergänzung mit Handwerk. Arbeitsplätze wurden extra für mich geschaffen. Nicht nur einer. Wie kann es sowas geben? So viel Dankbarkeit!!
Rausgelaufen ist es auf folgendes: Lothars und meine Wege werden sich für die nächsten Monate trennen. Das wird ganz schön schwer werden.
Denn ich werde auf den 1. November in die Schweiz gehen und in der Nähe von Davos 25 Stück Braunvieh und deren Nachzucht melken und versorgen, dazu noch 60 Hühner und 30 Schafe (Arbeit für Piz, die wird sich freuen). Möglich ist das nur daher, dass ich einen perfekten Platz für Lothar gefunden habe in Österreich. Er wird im Stall stehen mit zwei Murbodner Kalbinnen, die gerade in Ausbildung sind. Nebenan stehen noch vier Pferde, drei davon Kaltblüter zum arbeiten. D.h. Lothar darf sogar was tun über den Winter und hoffentlich die Kalbinnen lehren, was es heisst ein erfahrener Zugochse/kuh zu sein. Also nicht nur für mich ist diese Lösung gut, sondern auch für deren Besitzer. Denn so einfach lernt es sich für ein junges Pferd oder eine junge Kuh, wenn es neben einem erfahrenen Zugtier herlaufen kann. Ich glaube nicht, dass ich Lothar an einen anderen Platz geben hätte können. Lieber hätte ich für weniger Geld in Österreich gearbeitet, ihn aber bei mir gewusst.
Alles scheint also darauf hinzudeuten, dass es ab Anfang April 2014 weiter gehen wird mit unserer Tour. Ich hätte keinerlei Einwände.
Jetzt erst einmal heisst es die letzten zwei Tourwochen zu geniessen. Und die Gesellschaft meines dicken, lieben, mittlerweile sehr bewinterfellten, wiederkäuenden Freundes! Es ist kalt, aber auch soooo schön!
Lothar macht sichs gemütlich
Gestern in der früh, ich wollt eigentlich ausschlafen mal, werde ich um 7 Uhr geweckt: "Lothar ist verschwunden"
Der Zaun liegt bei der Wasserstelle am Boden. Ich drehe mich im Kreis: wo kann er sein? Laufe um das Haus, überblicke die Lichtung, wo es steht, schaue zu dem Auslauf der Stallungen, schaue zum Heulager (Hunger?), zu den Pferden. Nichts. Verdammt.
Wohin mag er sich orientiert haben? Wohl eher bergab als bergauf. Bergab ist aber der Heuplatz der Pferde, dort aber keine Spur. Sowas lässt Lothar doch nicht ungekostet und leergefressen links liegen. Ist er da vorbeigelaufen ohne stehenzubleiben, Spuren zu hinterlassen? Egal, ich laufe weiter runter, weil das die gefährlichere Seite ist, dort wohnen mehr Menschen und es gibt grosse Strassen, laufe durch den Wald, vielleicht war ihm ja Lust auf Brombeeren und Buschwerk, ich sehe sehr grosse Fussabrücke von einem schweren Tier im Morast. Aber es ist so duster noch dort in der früh.
Weiter auf eine Wiese, den Hang runter, über den Bach zwecks besserer Aussicht, zu weissen Eseln (vielleicht hat er andere Gesellschaft gesucht?). Nichts. Weit und breit.
Was tun? Polizei anrufen, was ist wenn Lothar auf menschliche Idioten trifft? Wieder hoch zu den Spuren. Und immer das Unverständnis im Kopf, was ihn dazu veranlasst haben konnte seine Herde zu verlassen, nicht mal am Heu der Pferde zu fressen und deren nachbarschaftliche Gesellschaft zu verlassen, um durch den Wald zu spazieren?
Ja, aber es scheinen Lothars Abdrücke zu sein, da höre ich es von oben rufen: "Eva!". Ich laufe zum Haus zurück: "Lothar ist hier", wird mir entgegengerufen, "ich bin nur den Kuhfladen von ihm gefolgt, das macht er ja alle 50m, er steht in der leeren Pferdebox, da hab ich ihm jetzt Heu gegeben!" Ich marschiere zum Stall, verschwitzt vom Hoch und Runter und den vielen Sorgen (mein Ox hat mich verlassen!), sehe Lothar, als wär das sein Platz, in der Box stehen und Heu fressen. Absolute Ruhe ausstrahlend und zufrieden. Er ist so unglaublich süss! Tausend Steine rollen von meinem Herzen runter. Er hat doch nicht das Weite gesucht. Er hat sichs nur nach seinen Vorstellungen gemütlicher gemacht.
Der Zaun liegt bei der Wasserstelle am Boden. Ich drehe mich im Kreis: wo kann er sein? Laufe um das Haus, überblicke die Lichtung, wo es steht, schaue zu dem Auslauf der Stallungen, schaue zum Heulager (Hunger?), zu den Pferden. Nichts. Verdammt.
Wohin mag er sich orientiert haben? Wohl eher bergab als bergauf. Bergab ist aber der Heuplatz der Pferde, dort aber keine Spur. Sowas lässt Lothar doch nicht ungekostet und leergefressen links liegen. Ist er da vorbeigelaufen ohne stehenzubleiben, Spuren zu hinterlassen? Egal, ich laufe weiter runter, weil das die gefährlichere Seite ist, dort wohnen mehr Menschen und es gibt grosse Strassen, laufe durch den Wald, vielleicht war ihm ja Lust auf Brombeeren und Buschwerk, ich sehe sehr grosse Fussabrücke von einem schweren Tier im Morast. Aber es ist so duster noch dort in der früh.
Weiter auf eine Wiese, den Hang runter, über den Bach zwecks besserer Aussicht, zu weissen Eseln (vielleicht hat er andere Gesellschaft gesucht?). Nichts. Weit und breit.
Was tun? Polizei anrufen, was ist wenn Lothar auf menschliche Idioten trifft? Wieder hoch zu den Spuren. Und immer das Unverständnis im Kopf, was ihn dazu veranlasst haben konnte seine Herde zu verlassen, nicht mal am Heu der Pferde zu fressen und deren nachbarschaftliche Gesellschaft zu verlassen, um durch den Wald zu spazieren?
Ja, aber es scheinen Lothars Abdrücke zu sein, da höre ich es von oben rufen: "Eva!". Ich laufe zum Haus zurück: "Lothar ist hier", wird mir entgegengerufen, "ich bin nur den Kuhfladen von ihm gefolgt, das macht er ja alle 50m, er steht in der leeren Pferdebox, da hab ich ihm jetzt Heu gegeben!" Ich marschiere zum Stall, verschwitzt vom Hoch und Runter und den vielen Sorgen (mein Ox hat mich verlassen!), sehe Lothar, als wär das sein Platz, in der Box stehen und Heu fressen. Absolute Ruhe ausstrahlend und zufrieden. Er ist so unglaublich süss! Tausend Steine rollen von meinem Herzen runter. Er hat doch nicht das Weite gesucht. Er hat sichs nur nach seinen Vorstellungen gemütlicher gemacht.
Sonntag, 6. Oktober 2013
Nochmal mein Ochse
Lothar ist ein fünfjähriger dt. schwarzbuntes Niederungsrind - Ochse. Das ist die Großelternrasse zu dem heutigen Hochleistungs Milchvieh, dem Holstein-Frisian und noch ein Dreinutzungsrind, also für Milch, Fleisch und Arbeit. Gekauft habe ich ihn im März 2012 aus Berlin (mit U-Bahnanschluss :-) mit ca. 3 1/2 Jahren.
Die Grundausbildung, die er dort erhalten hat war zum ganz grossen Teil fantastisch. Wenn er stand blieb er stehen. Zog wenn er ziehen sollte und hatte keine Angst vor Autos oder Traktoren. Das ist ziemlich viel wert. Auch jetzt staune ich immer noch über seine Ruhe bei starkem Verkehr. Neulich mussten wir mal wieder 300m Bundesstrasse laufen bei strömendem Regen. Starker Verkehr mit grossen Sattelschleppern die an uns vorbeibretterten und uns mit noch mehr Wasser bedeckten. Und was macht Lothar? Er läuft einfach. Meine ganze Aufmerksamkeit kann und muss ich bei Verkehr auf meine Hündin Piz legen, damit sie an der richtigen Stelle bleibt, also geschützt direkt neben Lothar auf der von Autos abgewandten Seite. Denn sie ist nicht so verkehrsicher, läuft mal doch einfach kopflos nach Vorne, oder schreckt sich vor zu lautem Lärm, weshalb ich da sehr vorrausschauend sein muss. Und das kann ich tun, weil ich einfach weiss: auf Lothar ist in dieser Hinsicht absoluter Verlass! Ein Traum im Strassenverkehr sozusagen.
Er war aber auch traumatisiert, weshalb er ja bei mir gelandet ist. Lothar hat sich ein Horn angebrochen (tendenziell muss man sagen, dass er einfach ein Unglücksrabe ist. Gibt es die Möglichkeit sich zu verletzten ergreift er sie), welches dann vom Tierarzt abgeschnitten werden musste. Davor oder danach hat es sich auch noch entzündet. Sprich, er muss über eine lange Zeit ziemliche Schmerzen im Kopf gehabt haben und natürlich kam auch immer noch ein Mensch, der dann noch an ihm rumdocktort, was er ja nicht einordnen kann.
Seitdem ich ihn kenne würde ich ihn bezeichnen als einen Ochsen, der halt seine Arbeit macht, weil er daran gewöhnt ist und an sonsten vor Menschen eher Abstand nimmt und ihnen in erster Linie misstraut. Mit mir arbeitete er zwar, aber ich hatte eher den Eindruck aus Gewöhnung heraus und als sei das mir entgegebrachte Vertrauen eher auf sehr dünnem Eis gelagert.
Ein Jahr machten wir uns miteinander vertraut, bis es dann im Mai losging. Ein Jahr, in dem wir viel miteinander arbeiten. Bis auf meine Arbeits"pause" in Deutschland, 6 Tage die Woche 1-2h, der Schnitt! In der Zeit lernte er auch ganz langsam mir seine Füsse zu geben, die er sonst nur zwangsweise im Klauenstand hergegeben hat. Auch einen Ort den er absolut hasst und in dem er schlechte Erfahrungen gemacht hat. #
Die ersten Monate des unterwegs seins war er wie immer. Introvertiert, nicht interessiert an anderen Menschen, auch nicht gross an mir. Fassten fremde Menschen ihn an (ungefragt natürlich) schüttelte er kräftig den Kopf, schnaubt und schon hatte er wieder seine Ruhe. Das habe ich ihm aber auch zugestanden. Nicht ein jeder muss ja ein Streicheltier sein.
Nach zwei Monaten reisen begann Lothar sich zu verändern. Ganz langsam. Langsam begann er aus seinen Augen rauszukucken. Nahm seine Umgebung bewusster war, mich auch und andere Menschen. Nahm auch Kontakt zu ihnen auf. Dazu beigetragen hat das viele Fallobst, was er von den Menschen geschenkt und gefüttert bekommen hat. Dadurch war über einen langen Zeitraum der Mensch mit etwas sehr Positivem besetzt: APFEL. Und auf einmal lässt er sich auch wieder anfassen von andern Menschen, auch aus den unmöglichsten Richtungen kommend. So dass ich oft nur staunen kann. Staunen muss ich auch immer noch, wenn ich ihn jetzt mit offenen interessierten Augen über den Zaun schaun sehe, Menschen entgegen.
2 Jahre sind vergangen seid dem Unfall mit seinem Horn und so lange hat es für ihn gebraucht wieder aufzutauchen aus seinem Kopf. Zwei Jahre mit viel Arbeit, aber vor allem das gemeinsame Reisen hat ihm und natürlich auch uns, dabei wesentlich geholfen.
Die Grundausbildung, die er dort erhalten hat war zum ganz grossen Teil fantastisch. Wenn er stand blieb er stehen. Zog wenn er ziehen sollte und hatte keine Angst vor Autos oder Traktoren. Das ist ziemlich viel wert. Auch jetzt staune ich immer noch über seine Ruhe bei starkem Verkehr. Neulich mussten wir mal wieder 300m Bundesstrasse laufen bei strömendem Regen. Starker Verkehr mit grossen Sattelschleppern die an uns vorbeibretterten und uns mit noch mehr Wasser bedeckten. Und was macht Lothar? Er läuft einfach. Meine ganze Aufmerksamkeit kann und muss ich bei Verkehr auf meine Hündin Piz legen, damit sie an der richtigen Stelle bleibt, also geschützt direkt neben Lothar auf der von Autos abgewandten Seite. Denn sie ist nicht so verkehrsicher, läuft mal doch einfach kopflos nach Vorne, oder schreckt sich vor zu lautem Lärm, weshalb ich da sehr vorrausschauend sein muss. Und das kann ich tun, weil ich einfach weiss: auf Lothar ist in dieser Hinsicht absoluter Verlass! Ein Traum im Strassenverkehr sozusagen.
Er war aber auch traumatisiert, weshalb er ja bei mir gelandet ist. Lothar hat sich ein Horn angebrochen (tendenziell muss man sagen, dass er einfach ein Unglücksrabe ist. Gibt es die Möglichkeit sich zu verletzten ergreift er sie), welches dann vom Tierarzt abgeschnitten werden musste. Davor oder danach hat es sich auch noch entzündet. Sprich, er muss über eine lange Zeit ziemliche Schmerzen im Kopf gehabt haben und natürlich kam auch immer noch ein Mensch, der dann noch an ihm rumdocktort, was er ja nicht einordnen kann.
Seitdem ich ihn kenne würde ich ihn bezeichnen als einen Ochsen, der halt seine Arbeit macht, weil er daran gewöhnt ist und an sonsten vor Menschen eher Abstand nimmt und ihnen in erster Linie misstraut. Mit mir arbeitete er zwar, aber ich hatte eher den Eindruck aus Gewöhnung heraus und als sei das mir entgegebrachte Vertrauen eher auf sehr dünnem Eis gelagert.
Ein Jahr machten wir uns miteinander vertraut, bis es dann im Mai losging. Ein Jahr, in dem wir viel miteinander arbeiten. Bis auf meine Arbeits"pause" in Deutschland, 6 Tage die Woche 1-2h, der Schnitt! In der Zeit lernte er auch ganz langsam mir seine Füsse zu geben, die er sonst nur zwangsweise im Klauenstand hergegeben hat. Auch einen Ort den er absolut hasst und in dem er schlechte Erfahrungen gemacht hat. #
Die ersten Monate des unterwegs seins war er wie immer. Introvertiert, nicht interessiert an anderen Menschen, auch nicht gross an mir. Fassten fremde Menschen ihn an (ungefragt natürlich) schüttelte er kräftig den Kopf, schnaubt und schon hatte er wieder seine Ruhe. Das habe ich ihm aber auch zugestanden. Nicht ein jeder muss ja ein Streicheltier sein.
Nach zwei Monaten reisen begann Lothar sich zu verändern. Ganz langsam. Langsam begann er aus seinen Augen rauszukucken. Nahm seine Umgebung bewusster war, mich auch und andere Menschen. Nahm auch Kontakt zu ihnen auf. Dazu beigetragen hat das viele Fallobst, was er von den Menschen geschenkt und gefüttert bekommen hat. Dadurch war über einen langen Zeitraum der Mensch mit etwas sehr Positivem besetzt: APFEL. Und auf einmal lässt er sich auch wieder anfassen von andern Menschen, auch aus den unmöglichsten Richtungen kommend. So dass ich oft nur staunen kann. Staunen muss ich auch immer noch, wenn ich ihn jetzt mit offenen interessierten Augen über den Zaun schaun sehe, Menschen entgegen.
2 Jahre sind vergangen seid dem Unfall mit seinem Horn und so lange hat es für ihn gebraucht wieder aufzutauchen aus seinem Kopf. Zwei Jahre mit viel Arbeit, aber vor allem das gemeinsame Reisen hat ihm und natürlich auch uns, dabei wesentlich geholfen.
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| Wohlverdiente Ruhe! |
Montag, 30. September 2013
Lothar, wieder eine halbe Bergziege
Langsam, ganz langsam kann ich wieder Hügel mit Lothar laufen. Er scheint sein Verweigern vergessen zu haben, oder mehr Vertrauen in uns zu haben. Ich weiss es nicht. Stark und trainiert genug wäre er schon im Juni gewesen, als alles anfing (Lothar fand damals raus, dass, wenn er keine Lust mehr hat steil zu gehen und statt dessen mit Karacho rückwärts läuft, ich ihn nicht halten kann. Ganz schlecht). Südlich von Wels, wo wir gerade "schlendern", ist es tendenziell hügelig, also viel rauf und runter, aber keine langen Anstiege. Selbst sowas zu laufen wäre noch im Juli und August undenkbar gewesen, weshalb ich ja auch ins Donautal bin, alle Berge und Hügel umlaufend. Und jetzt schiebt sich Lothar ganz ganz langsam die Hügel hoch, ohne Kopf nach oben schmeissen, oder bis an Asfalt runter drücken, sich im Kopf wegschiessend, nein, er probiert aus, welche Geschwindigkeit der Asfalt für seinen doch immer gerne rutschenden linken Hinterfuss zulässt, und dann geht er hoch. Zum Teil, zum Grossteil, ist das ungefähr 1 1/2 km/h, also extrem langsam. Aber solang er hochgeht ist mir das egal. So glücklich bin ich darüber, dass wir überhaupt wieder Hügel gehen können, ohne unser aufgebautes Vertrauen und Gesundheit zu risikieren. Berge werd ich nicht machen, mann muss ja nichts riskieren. Aber für Lothars Verhältnisse ist er schon wieder eine richtige Bergziege
Und wenn wirs mal nicht schaffen auf einen Berg und unbedingt hochmüssen, dann kriegen wir auch Hilfe in Form von einem Traktor oder Pferdehänger für die Kutsche, wie gerade erst gestern:
Und wenn wirs mal nicht schaffen auf einen Berg und unbedingt hochmüssen, dann kriegen wir auch Hilfe in Form von einem Traktor oder Pferdehänger für die Kutsche, wie gerade erst gestern:
Wie ich zu meinem Namen, der Oxnfrau, kam
Ich finde diesen Namen sehr stark und für eine, die erst mit ihrem zweiten Ochsen arbeitet, bisschen früh gegeben.
Doch ich habe ihn geschenkt bekommen währen meiner Reise. In der ersten grossen Hitzewelle arbeitet ich bei dem einzigen österreichischen Wanderschäfer (der sich auch netterweise traute auf Lothar drei Tage aufzupassen), der zugleich auch Liedermacher ist. Er gab mir manchmal seine Arbeitsanweisung in Form einer Melodie z.B. "Oxnfrau, binds ja recht guat zua."
Es hat mich sehr berührt, so genannt zu werden.
Doch ich habe ihn geschenkt bekommen währen meiner Reise. In der ersten grossen Hitzewelle arbeitet ich bei dem einzigen österreichischen Wanderschäfer (der sich auch netterweise traute auf Lothar drei Tage aufzupassen), der zugleich auch Liedermacher ist. Er gab mir manchmal seine Arbeitsanweisung in Form einer Melodie z.B. "Oxnfrau, binds ja recht guat zua."
Es hat mich sehr berührt, so genannt zu werden.
Mit offenen Augen an den Feldern vorbei
Als ich loszog stand die Gerste schon anfangs hoch, wächst, macht Ähren, schiebt Fahnen, langsam färben sich die Halme, zuerst nur ein bisschen golden, bald nur noch ein bisschen grün. Noch recht früh erscheint mir das erste Feld geerntet
Bis im Juli die Getreidefelder in goldner Pracht dastehen. Golden, so weit das Auge reicht und schon - oh nein, die Getreideernte ist im vollen Gange, d.h Hochsomer ist, nicht mehr Frühsommer, schon gar kein Frühling mehr. So toll ist das Stroh, dass es fast überall gepresst wird zu goldenen Ballen voll Reichtum
Mais, zunächst ganz klein noch, vielleicht 10 cm. Als er Kniehoch ist war ich schon ne Weile unterwegs, dann schiebt er an und schon ist er höher als ich und jetzt verfärbt er sich schon herbstfarben, wird geerntet
Und die Gemüsegärten! Anfangs wächst alles schön, später brennt und trocknet die Sonne viel aus, wenig gesundes Kartoffelgrün und jetzt schon: alles wird leerer, die Gärten füllen sich nicht mehr mit Grün und Blättern, nein, leer liegt die abgeerntete Erde
Nach der Ernte wird gegruppert, erst einmal, dann nochmal, die Zwischensaat gesetzt und jetzt ist diese selbst schon gross. Und ein saftiges Grün, fast wie künstlich
Bis im Juli die Getreidefelder in goldner Pracht dastehen. Golden, so weit das Auge reicht und schon - oh nein, die Getreideernte ist im vollen Gange, d.h Hochsomer ist, nicht mehr Frühsommer, schon gar kein Frühling mehr. So toll ist das Stroh, dass es fast überall gepresst wird zu goldenen Ballen voll Reichtum
Mais, zunächst ganz klein noch, vielleicht 10 cm. Als er Kniehoch ist war ich schon ne Weile unterwegs, dann schiebt er an und schon ist er höher als ich und jetzt verfärbt er sich schon herbstfarben, wird geerntet
Und die Gemüsegärten! Anfangs wächst alles schön, später brennt und trocknet die Sonne viel aus, wenig gesundes Kartoffelgrün und jetzt schon: alles wird leerer, die Gärten füllen sich nicht mehr mit Grün und Blättern, nein, leer liegt die abgeerntete Erde
Nach der Ernte wird gegruppert, erst einmal, dann nochmal, die Zwischensaat gesetzt und jetzt ist diese selbst schon gross. Und ein saftiges Grün, fast wie künstlich
Sonntag, 22. September 2013
Kommentare abgeben
Die liebe Technik. Klar wussten einige Leute, dass Lothar auf einem der Fotos vor Stift Göttweig, oberhalb der Donau tronend, abgebildet war, nur liess es sich nicht kommentieren. Das habe ich jetzt geändert. Also einfach auf "Kommentar", dann unter "Kommentar schreiben als" auf "Anonym" klicken und dann lässt sich jetzt was schreiben. Hoffe ich mal.
Wohin einen das Leben so treibt.
Ich finde es so berührend und hoffnungsgebend, wieviele verschiedene Zukunftskonzepte, Impulse und Ideen ich bekommen habe seitdem ich unterwegs bin. Egal ob sie illusorisch erscheinen, oder am Ende des Tages als nicht umsetzbar, ihre blosse Existenz in meinem Leben ist schon viel Wert. Nicht, dass ich vorher keine Ideen gehabt hätte, doch habe ich jetzt noch MEHR und vor allem vielseitigere Ideen (Vielseitig aber nur dann, wenn man davon absieht, dass alle irgendwie mit Viechern zu tun haben). Ich bin meinem Leben so unglaublich Dankbar, dass es mich durch das viele zu Fuss Reisen um so vieles bereichert.
Nur keine Hemmungen, auch ich muss dabei schmunzeln...
Wie wäre es z.B. mit Schafen die ganzen Dämme zu beweiden, die entlang der Donau in so unzähligen Kilometern gibt und bis jetzt ausschliesslich mit Traktoren o.ä. gemäht werden. Wo doch Schafe so schön zur Bodenverdichtung beitragen würden. Lothar mit meiner Zigeunerkutsche oben auf dem Damm und abends die Schafe pferchen und ich heiz den Ofen ein? Sehr romantisch und Piz wäre überglücklich!
Oder in Petronell Carnuntum neben der Beweidung von Wiesen mit Schafen eine Ausbildungsstätte, sowohl für mich, als auch andere Menschen, als auch Ochsen (per Zufall vielleicht ungarische Grauviehochsen, mein Traumgespann?). Lothar, der Professor, nicht vergessend?
Oder doch irgendwann "ganz einfach" in Richtung Selbstversorger, zwei Ziegen, zwei Kühe, paar andere Viecher und grossem Garten. Feldarbeit mit Lothar? Und die Welt Welt sein lassen ("Um Himmels willen, Eva, du musst reich heiraten" "Jaja, vor allem ich...")
Einfach erstmal weiter mit Lothar und Kutsche, vielleicht gar so weit kommen mit Lothar und seinen Füssen, dass wir uns trauen auf die Zigeunerkutsche umzusteigen? Oder gar mal mit anderen Menschen (nur wenn mir jetzt die Fotos und die Aufmerksamkeit zu viel ist, wie wirds dann erst mit einem bunten "Bowtop Wagon")?
Einsteigen in die Naturschutzpflege mit Arbeitsochse und eventuell Arbeitskaltblut (schaut her, ich bin ja auch nicht von gestern!)? Mäharbeiten, Holzrücken und Ähnlichem?
In landwirtschaftliche Betriebe einsteigen, die zum Beispiel Nachfolgerprobleme haben?
Einfach nur ein paar Ideen, kann man sich ja alles mal merken und im Fall, dass ich des Herumziehens müde werde, wieder hervorholen. Schlecht klingen sie alle nicht. Find ich.
Jetzt bin ich gerade in Oftering, westlich von Linz, und durfte sowohl an einem Arbeitspferdelehrgang als auch Bodenpräparate Lehrgang teilnehmen. Mein Kopf ist voll neuer Infos zum platzen voll!
Tendenziell bin ich jetzt verstärkt auf der Winterquartiersuche. Nach den ersten empfindlich kalten und nassen Wochen wird ein beheizbarer Raum auf einmal wieder sehr sympathisch. Erstaunlicherweise kommen auch tatsächlich interessante Angebote, die einen für Lothar, die anderen für uns beide. Bin gespannt! Aber es geht schon erstmal noch weiter. Zuerst Richtung Scharnstein und danach wieder weiter gen Westen.
Ich finde es so berührend und hoffnungsgebend, wieviele verschiedene Zukunftskonzepte, Impulse und Ideen ich bekommen habe seitdem ich unterwegs bin. Egal ob sie illusorisch erscheinen, oder am Ende des Tages als nicht umsetzbar, ihre blosse Existenz in meinem Leben ist schon viel Wert. Nicht, dass ich vorher keine Ideen gehabt hätte, doch habe ich jetzt noch MEHR und vor allem vielseitigere Ideen (Vielseitig aber nur dann, wenn man davon absieht, dass alle irgendwie mit Viechern zu tun haben). Ich bin meinem Leben so unglaublich Dankbar, dass es mich durch das viele zu Fuss Reisen um so vieles bereichert.
Nur keine Hemmungen, auch ich muss dabei schmunzeln...
Wie wäre es z.B. mit Schafen die ganzen Dämme zu beweiden, die entlang der Donau in so unzähligen Kilometern gibt und bis jetzt ausschliesslich mit Traktoren o.ä. gemäht werden. Wo doch Schafe so schön zur Bodenverdichtung beitragen würden. Lothar mit meiner Zigeunerkutsche oben auf dem Damm und abends die Schafe pferchen und ich heiz den Ofen ein? Sehr romantisch und Piz wäre überglücklich!
Oder in Petronell Carnuntum neben der Beweidung von Wiesen mit Schafen eine Ausbildungsstätte, sowohl für mich, als auch andere Menschen, als auch Ochsen (per Zufall vielleicht ungarische Grauviehochsen, mein Traumgespann?). Lothar, der Professor, nicht vergessend?
Oder doch irgendwann "ganz einfach" in Richtung Selbstversorger, zwei Ziegen, zwei Kühe, paar andere Viecher und grossem Garten. Feldarbeit mit Lothar? Und die Welt Welt sein lassen ("Um Himmels willen, Eva, du musst reich heiraten" "Jaja, vor allem ich...")
Einfach erstmal weiter mit Lothar und Kutsche, vielleicht gar so weit kommen mit Lothar und seinen Füssen, dass wir uns trauen auf die Zigeunerkutsche umzusteigen? Oder gar mal mit anderen Menschen (nur wenn mir jetzt die Fotos und die Aufmerksamkeit zu viel ist, wie wirds dann erst mit einem bunten "Bowtop Wagon")?
Einsteigen in die Naturschutzpflege mit Arbeitsochse und eventuell Arbeitskaltblut (schaut her, ich bin ja auch nicht von gestern!)? Mäharbeiten, Holzrücken und Ähnlichem?
In landwirtschaftliche Betriebe einsteigen, die zum Beispiel Nachfolgerprobleme haben?
Einfach nur ein paar Ideen, kann man sich ja alles mal merken und im Fall, dass ich des Herumziehens müde werde, wieder hervorholen. Schlecht klingen sie alle nicht. Find ich.
Jetzt bin ich gerade in Oftering, westlich von Linz, und durfte sowohl an einem Arbeitspferdelehrgang als auch Bodenpräparate Lehrgang teilnehmen. Mein Kopf ist voll neuer Infos zum platzen voll!
Tendenziell bin ich jetzt verstärkt auf der Winterquartiersuche. Nach den ersten empfindlich kalten und nassen Wochen wird ein beheizbarer Raum auf einmal wieder sehr sympathisch. Erstaunlicherweise kommen auch tatsächlich interessante Angebote, die einen für Lothar, die anderen für uns beide. Bin gespannt! Aber es geht schon erstmal noch weiter. Zuerst Richtung Scharnstein und danach wieder weiter gen Westen.
Montag, 16. September 2013
Jetzt habe ich eigentlich alles
geschrieben, - wohl eher - die am Meisten gestellten Fragen beantwortet. Jetzt kann
ich anfangen auch aus dem Alltäglichen zu berichten, von meinen
Begegnungen, vom Wetter (wie interessant!), dem Wandel und allem anderen.
Lothar durfte heute ein Arbeitsochse
sein, einer wie aus dem Bilderbuch. Auf dem Feld mit der Egge und einer
Sternwalze. Hat mich meine Tour dankenswerter Weise bei einem demeter Betrieb
vorbeigeführt, wo sie noch das Wissen um das Arbeiten mit Norikerpferden haben
und darin auch Vorträge machen und Kurse geben. Ich habe zum ersten Mal eine
neuen Pferdepflug bestaunt und nachdem es heute weiter gehen sollte mit dem
Pflügen bot ich Lothars Arbeitskraft und die Meine mit an. Lothar hatte noch
auf seinem vorhergehenden Platz auf dem Feld gearbeitet, aber ich nicht!
Zumindest nicht mit einem Viech. Dieses eintönige hin und her ist eine ziemlich
gute Übung für einen selber und sein Tier. Musste ich auch dort erstmal
schauen, wie ich mit Lothar am besten komuniziere, damit es ohne viel Druck
geht. So wendig wie die dortigen Pferde, die ganz fein auf Stimme reagieren ist
Lothi natürlich nicht. Pah weit gefehlt. Da fehlt uns die Übung und mir die
Ausdauer. Aber es erstaunte mich doch, wie viel sich an Fläche
zusammensummiert, auch wenn man so langsam geht wie er. Eigentlich sollte mich
das ja gar nicht erstaunen, nachdem unsere 15km täglich uns auch immer ganz
schön weit bringen.
Am 12.9 waren wir zum allerersten Mal
nach Lothars langen Verweigerungsserie im Juni und Juli wieder auf einem Hügel
mit Aussicht auf die Alpen. Da geht mir immer gleich das Herz auf. Geplant war
dies nicht wirklich, bin ich doch im Donautal unterwegs um keine Hügel zu
laufen. Doch fuhr ich Tags zuvor mit einem Auto mal nach oben und sah, was mir
im Tal für eine Aussicht verwehrt war und was für Architektur (die wunderbaren
Vierkanthöfe! Einen sah ich, der war geschichtet, eine lage Ziegel, eine Lage
in eine Richtung ausgerichtete grosse Flusskiesel, wieder Ziegel usw.). Da kam
wieder die Sehnsucht nach Bergen! War aber Glück, denn es ging nur dreimal ganz
kurz steil und schwups waren wir oben, ich konnts kaum glauben. Aber
herausfordern wollte ich es auch nicht zuviel, am nächsten Tag gingen wir
gleich wieder runter.
"Oben" übernachteten wir auf
der Wiese bei einem 67jährigen Mann, der sowohl uralte 25 also auch blutjunge
95 sein könnte, er muss wahnsinnig viel in seinem Leben gearbeitet haben so wie
seine Beine stehen und seine Hände verformt sind. Seine Frau, auch eine ganz
eigene Gestalt. Die Augen und alles an diesen Menschen sah so aus, als hätten
sie schon zehn Jahre ihren Hof nicht mehr verlassen. Aber Unmengen an Feuerholz
hatten sie. Genug für Jahre. Das ist auch gut so. Denn:
Jetzt ists KALT. Danke für meinen Ofen.
War ich schon die ganze Zeit glücklich ihn zu haben, bekommt er jetzt erst so
richtig seine zentrale Stellung. Wieder eine neue Sache, die Umstellung fordert
in meinem Tagesablauf. Alle neuen Situationen (wie auch die Hitze in Sommer,
die Bremsen, das Verweigern von Lothar...) brauchen ihren eigenen Rhytmus und
wenn ich diesen gefunden habe ists gar nicht mehr so tragisch. Aber erstmal
wirds hoffentlich schon wieder wärmer.
Na, Wetter, wie wäre es mit einem schön
lauen farbenfrohen Herbst?
Wieder unten an der Donau bin ich durch
eine Region der Zerstörung gelaufen. War sonst meistens schon alle
Hochwasserschäden behoben, alles wieder sauber und hergerichtet, waren hier
überall noch die Schäden sichtbar. Donausand bis ein Meter über meinem Kopf in
den Bäumen, in Wälder gespülte Stege, zerbrochene Boote, Wasserränder an
Wohnhäusern und Hühnerfarmen, verlassene Häuser um verlassene Häuser, alle die
Fenster offen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Die Hühner aber noch
dort, oder die Katze, und immer Kisten und kaputtes Zeug, oder Sachen zum
trocken. Viel Sand.
Doch die Wiesen dort, in einem solchen
Grün als wäre es Frühling.
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