Freitag, 23. Juni 2017

Im Winter dachte ich, dass wenn ich diesen Sommer kein Camp auf und abzubauen habe, und das Laufen wegfällt, ich viel viel Zeit haben werde.
Ich dachte dann könne ich ganz viel angehen: alte Freundschaften auffrischen, mal wieder Kampfsport machen, meinen sich so oft ausrenkenden Rückenwirbel ein bisschen  Physiotherapie gönnen, meine Kutsche reparieren, zwei wichtige Bücher durcharbeiten und natürlich Erleuchtung erlangen. Und das natürlich ganz entspannt neben drei Tage Baustelle die Woche, Zäune ziehen, Wasser schleppen für die Ochsen und der Menge an Zeit, die ich brauche um einfach nur zu Sein um mich wohlzufühlen.

Irgendwie hab ich mich da ziemlich getäuscht.
Irgendwie birgt ein sesshaftes Leben genau das Gegenteil in sich. Denn es gibt immer was zu tun und wenn man nichts zu tun hat, dann kann man sich neue Sachen einfallen lassen die auch wichtig sind getan zu werden. Und schon ist sie weg: die Zeit. Hat sich einfach davon gestolen.

Im Unterwegs sein gibt es auch viel zu tun, doch sind diese Sachen einmal erledigt, gibt es darüber hinaus nicht noch mehr. Gäbe es schon, aber man hat einfach nicht die Möglichkeit sie zu tun und so muss man es einfach sein lassen.

Im Anbetracht dessen, dass ich es immer noch nicht geschafft habe die innerliche Angespanntheit abzulegen, die ich aus meinem Winter mitgebracht habe  und in meine Ruhe zu kommen, bin ich im Moment ganz radikal am Zusammenstreichen. Kampfsport: gestrichen. Physiotherapie: gestrichen. Freunde besuchen: reduziert. Kutsche reparieren: auf nächstes Jahr verschoben. (auch wenn das bedeutet, dass ich sie dieses Jahr gar nicht einsetzten kann, sondern an einem trockenen Ort einlagern muss. So schlafe ich wieder im Zelt) Und meine Bücher schauen mich auch schon ganz vorwurfsvoll an, von Erleuchtung gar nicht gesprochen.

Statt dessen verbringe ich viel Zeit in meinem Tälchen und bringe mir Akkordeon spielen bei. Und baue Zaun um Zaun für meine lieben Ochsen. Und schleppe in der Hitze Kübel um Kübel Wasser zu ihnen an die Weide. Das ist schon viel besser.

Dienstag, 6. Juni 2017

Gesund fühlt sich alles besser an. Nach 3 1/2 Wochen im Bett wars auf einmal vorbei und ich hab die Welt um mich herum angeschaut als hätt ich sie vorher noch nie gesehen. Hätte ich gewusst, dass meine Bakterien beim blossen Anblick einer Ärztin reisaus nehmen, wär ich wohl schon früher gegangen.
Jetzt endlich kann ich wieder die Tage anpacken und mich an ihnen und meinen Tieren erfreuen!
An den Tagen in der Woche, wo ich meinen Freunden auf der Baustelle helfe steh ich im Morgengrauen auf. Als erstes bürste ich Lothar, denn der Rentner wird den Tag über alleine bleiben müssen. Immer mit einem schönen Stück Wiese neu zugesteckt, um ihn darüber hinweg zu trösten. Nach meinem Frühstück hol ich Max und Milan von der Wiese, bürste auch sie und lass sie die Füss geben, damit auch das in den täglichen Rhytmus eingeht. Dann spann ich sie ins Übungsjoch vor die kleine Kutsche und los gehts.
Abwärts sind sie sehr sehr schnell, würden am liebsten alles rennen mit dem ungewohnt schiebenden Druck der Deichsel von hinten. Will ich den Berg aufwärts gehen, so muss ich sie hingegen erstmal überzeugen, dass ich es wirklich ernst meine mit der Richtung.
Im Schnitt sind sie aber fast doppelt so schnell als Lothar und so sind wir in 40 Minuten an der Baustelle. Angekommen ist ihre erste Aufgabe zu lernen, dass länger angebunden sein total ok ist. Bis zu 3 h lass ich so stehen, dann dürfen sie auf einem eingezäungten Areal frei laufen bis zum Feierabend. Je nachdem, wie viel frisches Gras sie tagsüber gefressen haben und wie heiss es twar, gehts mal schneller mal langsamer nach Hause zurück. Je dicker und runder die Ochsenbäuche, desto langsamer der Rückweg. Auf der kleinen Übungskutsche hab ich eine Holzkiste festgebunden, in der sie Baustellen- Restholzstücke oder Einkäufe zum Camp bringen und mir dadurch auch wirklich Hilfe sind. Auch wenn es nicht viel Gewicht ist.
Lothar freut sich dann immer riesig, wenn wir zurück sind. So ein bisschen hab ich schon den Eindruck, dass er auch gerne mitkäme, aber in der neuen Trainingskonstelation und Geschwindigkeit geht es einfach nicht mit Lothar .
In den paar Tagen, die wir jetzt schon zusammen diesen Rhytmus leben, hat sich schon so viel getan bei den Kleinen.
Max hat - Gott sei Dank - seine Trotzigkeit vom Herbst vergessen oder verwachsen. Das wäre eine ganz andere Herausvorderung an das Training gewesen. Er geht definitiv langsamer als Milan, bzw Milan ist oxenuntypisch schnell. So muss ich Max viel antreiben, aber selbst das funktionier mittlerweile zu 90% nur mit Stimme.
Das Stehen funktioniert auch immer besser. Für einen Ochsen macht es ja erstmal keinen Sinn an der Stelle wo er abgestellt wurde, wirklich auch länger stehen zu bleiben, wenn es links und rechts der Strasse frisches Gras gibt. Daher ist es anfangs gut sie in Situationen zu bringen, wo Stehen schön und gut ist. Z.B. wenn es sehr warm ist und ein Berg grad bezwungen ist. Denn da steht sichs gleich wie von allein. Und wenn sie das begriffen haben, gehts auch unterwegs besser, wenn ich - sesshaft wie ich bin- ja den Mist von der Strasse räume. Da müssen sie Führerlos vorne stehen bleiben. Auch das haben sie mittlerweile verstanden, auch wenn sies nicht immer tun. Eine grosse Leistung für kleine einjährige Rinder.
Auch wenn die Baustellentage sehr lange Tags sind bis ich wieder zuhause bin und alle versorgt habe, so ist das Training das Max und Milan dadurh bekommen Gold wert. Jeden Tag lernen die kleinen Ochsen so viel dazu auf ihrem Weg zu richtigen Zugochsen.
Die restlichen Tage der Woche werden im Moment noch damit gefüllt , die Sachen aufzuarbeiten die während des langen Krank seins liegen geblieben sind. Mein Camp hatte ich noch gar nicht wirklich eingerichtet, sondern alles nur schnell notdürftig versorgt bei unserer Übersiedlung ins Tälchen. Doch jetzt wirds! Unser neues sesshaftes Zuhause hat Formen angenommen. Ich hab auch rausgefunden, wie ich die doch etwas feuchte Wiese bewirtschaften muss, damit sie auch nach der Beweidung noch gut ausschaut. und freu mich jetzt richtig auf den Sommer!
auf dem Weg zur Arbeit
Max (links) und Milan (rechts) "bei" der Arbeit


Sonntag, 14. Mai 2017

Herausforderung: Sesshaftigkeit


Vier Jahre unterwegs haben ihre Spuren hinterlassen. Vier Jahre, in denen ich immer weiterzog. Von einem Fleck zum Nächsten. Von netten Menschen zu den Nächsten. Ganz schön viele Vorzüge bietet ein solches Leben. Immer nur die Schokoladenseiten der Menschen erleben zu dürfen z.Bsp, und nichts anhaften zu lassen. Eigentlich durfte ich dadurch hauptsächlich Positives erleben und so wurde Negativität ziemlich rar in meinem Leben und meinen Gedanken. Das schuf Platz im Kopf und Freiheit im Herzen sich mit anderem beschäftigen zu dürfen.

Und jetzt geht das auf diese Weise nicht mehr. Das Leben zeigt mir klipp und klar, dass es jetzt erstmal Pause ist mit Reisen. Es scheint mir eine neue Herausforderung für mich zu haben: Sesshaftigkeit.

Aber ganz ehrlich, diese neugewonnene Sesshaftigkeit lässt mich ziemlich ins Rudern kommen und meint für mich erstmal nichts Gutes.

Nicht einfach weiterziehen zu können, wenn einem was nicht passt ist nach so langer Zeit ganz schön schwierig. Zu wissen, dass ich den ganzen Sommer mit mehr oder weniger den selben Menschen klar kommen muss??? [Ich hör euch jetzt schon lachen «Ja, Eva, da kannst du nicht mehr davonrennen!» Aber war es wirklich ein Davonrennen gewesen? Oder eröffnet das Umgehen von einigen Konflikten nicht auch Türen?]
Zu wissen, dass ich an diesem Ort - mehr oder weniger - bleiben werde...Tag für Tag.

Aber irgendwie am Unangenehmsten finde ich den Gedanken, dass ich einfach nicht mehr jeden Tag zusammen mit meiner Herde durch die Wälder und Natur laufen werde und dadurch meinen Kopf frei halten kann. Ich bin kein Mensch der gross Spazieren geht, wenn es immer die selben Strecken sind. Dafür bin ich zu faul.

Umso mehr bin ich ein Mensch der sich zu gern ablenken lässt...obwohl ich weiss, dass es mir nicht gut tut. Und Ablenkungen stehen in einem sesshaften Leben ja Schlange. Weglaufen kann ich auch diese nicht mehr.
Kein Wunder also, dass ich jetzt schon fast drei Wochen krank bin und es nicht wegbekomme.
Aber im Krank sein habe ich auch keine Stärke zu Vertrauen, meine Gedanken zu kontrolliern und auf sie aufzupassen, dass sie mir nicht Blödsinn erzählen.
Zeit wirds, dass ich wieder gesund auf meinen Beinen stehe und mein Leben in der Sesshaftigkeit richtig angehen kann.

Und mich ihrer Vorzüge zu erfreuen! Wie zum Beispiel alle Familiengeburtstage wieder mit feiern zu können. Nach so langer Zeit wo ich ja nicht Lothar einfach auf einer Wiese hab abstellen können, um dann zum nächsten Bahnhof zu laufen! Darauf freu ich mich schon sehr. Und aufs Freunde besuchen und besucht werden.....

Samstag, 6. Mai 2017

Lothar nach dem Einrenken


Am 1. Oktober 16 wurde Lothar ja - wie ich berichtet habe - von einem Tierosteopathen besucht und eingerenkt. 13 von 26 Hals-  Brust und Lendenwirbel waren damals nicht in richtiger Position gewesen. Doch wie sich das weiter entwickelt hat, darüber habe ich nie geschrieben.

Ende November kam der Osteopath ein zweites Mal. Da Wirbel, die lange an falscher Position waren, sich gerne wieder in die alte Positon zurückbegeben brauchen sie 8 Wochen später noch einen Impuls. Zu diesem Termin nahm ich mir in der Schweiz frei und fuhr zurück. Ich wollte die Zeit bei meinen Ochsen auch zur Klauenpflege nutzen. 8 Wochen waren auch seid der letzten Klauenpflege vergangen, was für Lothar mit seiner Rollklaue ein viel zu grosser Abstand ist.

Was ist Rollklaue?
Rollklaue ist eine falsch wachsende Klaue, meist die hintere Aussenklaue bei Kühen und vererbbar. Bei einer Rollklaue wächst die Klaue an der Seite, kurz vorm Ballen, falsch. Sie wächst nicht wie sie sollte, nämlich in diesem Bereich in einem leichten Schwung nach unten, sondern rollt vorher ein. Die Klauenwand wird an dieser Stelle sehr instabil, da eine eingerollte Klauenwand nicht so viel Gewicht tragen kann als eine gerade. Das hat den Effekt dass sie sich unter dem Gewicht des Körpers zusammendrückt, d.h. dass der Abstand zwischen Kronenrand oben und Bodenfläche kleiner wird als sie sein sollte. Da der vordere Teil der Klaue dies aber nicht mitmacht, wird die gesamte Klaue nach vorne und die Klauenspitze nach oben weggedrückt. Je stärker eine Rollklaue ausgeprägt ist, und je grösser das Gewicht, was sie tragen sollte, umso schlechter für das Tier.

Dass Lothar mit seiner starken Rollklaue und seinem Gewicht überhaupt 5000 km die Kutsche ziehen konnte ist eigentlich eh ein Wunder. Diese Fehlstellung war Thema seid ich ihn hatte und so ausgeprägt, dass man sie sah, auch wenn gerade die Klauen frisch geschnitten waren. Nach 8 Wochen keine Klauenpflege war allein das Hinschauen ein Graus und der zeitliche und körperliche Aufwand der Korrektur nach so langer Zeit enorm. Als ich hingegen Lothar im November aus dem Stall nahm und überprüfte, was jetzt getan werden musst konnte ich meinen Augen nicht trauen: nichts, naja so gut wie gar nichts! Ich musste lediglich beide Klauenhälften gleichmässig in der Länge kürzen und war nach kurzem schon fertig.
Was war passiert? Die einzige Erklärung die ich habe ist die, dass sich durch das Einrenken die Beinstellung geändert hat und er jetzt mehr Gewicht auf die Innenklaue legt und weniger auf die Äussere, die Rollklaue. Dadurch, meine ich, hat sich diese nicht mehr so eingerollt und verbogen. Da Rollklaue ein genetischer Defekt ist, wird sie Lothar immer bleiben, aber so wies jetzt ausschaut, ist sie nach 8 Lothar-Lebenjahren kein Thema mehr. Ein ziemliches Wunder für mich!

Leider bin ich mit dem Einrenken 5 Jahre zu spät dran. Lothars Arthrose kann dadurch nicht mehr geheilt werden Doch wenn ich ihm damit seinen Lebensabend erleichtert habe, ist so viel dadurch gewonnen. Insgesamt war Lothar diesen Winter auch viel aktiver als das Jahr davor, wurde mir erzählt. Und als ich im Februar nochmal zur Klauenpflege kam und um Max und Milan einrenken zu lassen (denn bei denen will ich nicht erst zu spät dran sein), da lief er ohne Schuhe so gut wie schon mehr als ein Jahr nicht mehr.

Aber es gibt kein Wunder, dass wir weiterziehen können. Denn es ist ganz offensichtlich, dass sich das gute Laufen abwechselt mit dem schlechten Laufen. Bewegt er sich zu viel, z.B. wenn eine Kuh stierig ist, humpelt er wieder über Wochen. Und bewegt er sich zuwenig, weil er im Stall bleiben muss, wenn es so kalt ist, dass die Wasserleitungen Gefahr laufen einzufrieren, lahmt er binnen eines Tages.

Also hab ich jetzt einfach einen alten, berentnerten Arthroseochen an meiner Seite. Und mit dieser Einsicht verliert seine Krankheit  an Schrecken. Letztes Jahr war sie für mich wie ein Kampf um Leben und Tod auch wenn das übertrieben klingt. Für mich war es ein Ringen um ein Art von Leben, die ich mir so gewünscht hätte weiter zu führen. Jetzt, wo die Entscheidung getroffen und angenommen ist, dass es eben nicht so ist, darf Lothar einfach humpeln. Für ihn ist es sicher jetzt auch angenehmer. Denn keiner kann mir erzählen, mein Ochs hätt' meinen innerlichen Kampf nicht irgendwie mitbekommen.

Montag, 1. Mai 2017

Die Suche


Also mache ich mich wieder auf die Suche nach einer Wiese. Für 3 Ochsen, einen Hund und eine grosse Kutsche. Doch diesmal nicht für «eine Nacht», wie ich sonst die Bauern zu fragen pflegte, sonder für ein «paar Wochen,» gar «Monate», oder vielleicht «den Sommer» über. In der direkten Nachbarschaft meiner Freunde haben diese schon über den Winter nachgefragt. Leider erfolglos. Grund scheint sehr begehrt zu sein im Elztal.
Jetzt persönlich auf der Suche, meine ich anfangs noch mich zufuss auf den Weg machen zu können, nehm aber dann glücklicherweise doch das Auto. Denn die Distanzen von den Höfen, bei denen ich anfrage, zu dem Ort wo die Baustelle sein wird, werden immer länger.
Wieder klingel ich, erzähle meine Geschichte, treffe auf mir völlig unbekannte Menschen, Charaktere und Leben, mit denen ich sonst nie in Berührung gekommen wäre. Da bin ich dann schon irgendwie dem Leben auch dankbar, mich dazu zu zwingen. Denn müsste ich das nicht tun, käme ich wahrscheinlich nie in Kontakt mit so vielen Menschen und hätte mich mittlerweile total zurückgezogen. Aber das geht ja nicht, wenn es Wiese zu suchen gilt - ein schönes Zuhause für meine Herde über den Sommer. Schwieriger ist es jetzt schon zu fragen, da sichs ja nicht nur um eine Nacht handeln würde, leichter ists aber in der Einleitung. Da ich mittlerweile schon 2 Jahre im Schwarzwald bin, hat mittlerweile wohl schon fast jeder Bekanntschaft mit Lothar auf der Strasse gemacht. Und so bin ich schon mal in den Köpfen der Menschen gewesen.
Aber der Anfang ist trotzdem zäh. Anfangs gehe ich noch über Tips von Freunden zu Bauernhöfen, später dann klingel ich auf gut Glück. Je grösser der landwirtschaftliche Betrieb, desto schneller und rigoroser das «Nein». Doch am Ende des ersten Tages habe ich unsere erste kleine Wiese gefunden. Egal, dass sie so klein ist, dass es sich eigentlich nicht rendiert dort überhaupt hinzuziehen. Wichtig ist: ein «ja» haben wir gehört (wir, also Piz und ich und somit auch in Gedanken die ganze Herde). Am nächsten Tag geht die Suche weiter. Diesmal mit Johanna, der Schwester meines Patenkindes, die am Vormittag aus eigenem Impuls heraus noch einen Korb voll kleinen Drahtgeflechten gemacht hatte. «Für alle netten Menschen eines « Dieser Tag endet ähnlich wie der erste: wieder ein ganz kleines Stück Wiese dazu.
Vom vielen Reden und Erzählen und Erleutern müde und mit dem Wissen, dass diese ganzen Infos sich ja auch erst mal setzen müssen, zieh ich erstmal wieder zurück auf meinen Berg und zu meinen Ochsen.
Und tatsächlich, ein paar Tagen später fängt sich an was zu regen und mein zweiter Anlauf bringt gleich doppelten Erfolg. Zwei grosse Wiesen werden mir angeboten. Zwei Wiesen, die wahrscheinlich jede für sich allein, über den Sommer reichen müsste.
Und auf einer, auf einer steht gross EVA geschrieben, so passt sie auf alle was ich mir für diesen Sommer gewünscht habe: nah genug an der Baustelle und trotzdem allein, ein kleines Tälchen, fast ohne Nachbarn, mit einem Bach....soooo schön!

Montag, 24. April 2017

Alles in Bewegung


Am Anfang stand die Skulptur eines Bullen,

der noch noch während meines Studiums, also ca. 2004 oder 05 entstanden war. Statt ihn zu verkaufen tauschte ich ihn ja damals in zwei Yakbabys um. Das erste Ochsenprojekt war gestartet.


Jahre späterwiederum tauschte ich die mittlerweile ausgewachsene Yakkuh Almala
gegen meine zwei kleinen neuen Gefährten: Max und Milan, ein.

Und aus meinem eigentlichen Plan mit Yaks und Packsätteln zu reisen wurde dann der Wunsch , doch mit einer Kutsche unterwegs zu sein. Nach Originalplänen baute ich mir daher eine irische Zigeunerkutsche.


Doch als es soweit war loszuziehen, der Yakochse mich längst verlassen und Lothar hinzugekommen war, wollte ich nicht mehr mit dieser Kutsche reisen, sondern kleiner. Einfacher. Und so stand sie zwei Jahre in einem verlassenen Stall in Ungarn, bis auch sie sich aufmachte zu reisen. Aber nicht mit mir. Ich war irgendwo im Schwarzwald unterwegs als ich einen Anruf aus Ungarn bekam mit der Frage, ob ich meine neue Kutsche, gegen eine grössere Gebrauchte eintauschen würde. Ich sagte ja. Und wiederum stand diese dann zwei Jahre in einem Stall in Ungarn. Doch jetzt ist ihre Zeit gekommen, im Februar machte sie sich auf den Weg von Ungarn nach Deutschland.

Also ist eigentlich eine von mir gefertigte Skulptur der Grund dafür, dass ich jetzt meine drei Sterne Deluxe Unterkunft habe. Im Schwarzwald.


Es sind Welten, die mein Leben im Zelt von dem Leben in einer Wohnkutsche trennen. Ich habe PLATZ, und der ist sogar beheizbar. Ich habe RAUM um mich bei schlechtem Wetter aufzuhalten. Ich habe Regale, Stauraum, einen OFEN im Wohnraum um Dinge zu trocknen und es abends gemütlich zu haben. Ich werd noch richtig verweichlichen. Im Moment hab ich sogar Wlan in der Kutsche. Luxusleben. Ach ja: und eine Terasse hab ich auch. Unglaublich.

Aber ehrlichgesagt werd ich mir mein Zelt daneben noch aufstellen. Denn die Kutsche hat einen grossen Haken. Da sie isoliert ist spüre ich den Himmel nicht über dem Kopf wenn ich im Bett liege. Und die Geräusche kommen durchs Fenster oder durch die Tür rein und nicht von dort, wo sie eigentlich herkommen. Und das fehlt mir. Drei Sterne hin oder her.

Donnerstag, 13. April 2017

Mit Ochsen, Ich gehe
Meine Wege
Mit Tieren lebe ich in der Landschaft
Ich mag nichts lieber als meine Tiere und die Freiheit
Ich finde es schön unter Bäumen und unter freiem Himmel zu schlafen.

Dies ist der Anfang eines Gebets was ein 6jähriges Mädchen für mich geschrieben hat. 


Willkommen zurück in meinem Blog 2017!
Trommelwirbel aus dem Hintergrund...die Spannung steigt...die Entscheidung ist gefallen.

Lange hab ich hin und her überlegt über den Winter.
Ganz schön viele Möglichkeiten habe ich gehabt, die es durchzudenken galt und immer neuen Ideen kamen noch dazu. So liebäugelte ich auch noch mit einem Alpaufenthalt in der Schweiz zusammen mit Max und Milan (ohne Lothar, denn der würde sich da oben blos zu Tode stürzen). Oder damit, mir Ecco und Franz von meinem Chef auszuleihen, zwei über zwanzigjährige  Freibergerwallache mit Ochsengeschwindigkeit. Aber all das hat dann doch nicht lange getragen und als ich dann im Februar Lothar, Max und Milan besuchen fuhr, war die Entscheidung auf der Fahrt auf einmal da. Ganz ungezwungen.

Auf meine eigenen Ressourcen will ich zurückgreifen. Also das nutzen, was ich habe und mich damit dem hingeben, was das Leben wohl jetzt von mir will: Sesshaftigkeit.
Also werden Lothar, Max, Milan, Piz und ich unseren Sommer im Elztal oder in Freiamt verbringen, je nachdem, wo wir eine Wiese bekommen. Von dort aus werde ich, oder wir- wenn es nah genug ist- zur Baustelle von Freunden laufen um etwas über den Bau von Strohballen/Lehmhäusern zu lernen. Aber nicht den ganzen Tag, denn meine Hauptaufgabe wird das Training von meinen kleinen Jungs sein.

Ja, das wird es sein.

Und zwar ab jetzt! Denn vorbei ist der Winter!
Menschlich fand ich ihn ja sehr anstrengend. Das viel gezwungene Zusammensein mit Kollegen raubt mir mehr Energie, als das es mich bereichert. Tiere und ich passen gut zusammen. Aber dauerhaft Menschen?
ABER soviel beklage ich mich nicht, denn meine Reisekasse ist wieder gefüllt.

Und so glücklich bin ich jetzt wieder mit dem Gefühl des Himmels über meinem Kopf, der Stille und der Zeit an meiner Seite. Den Vogelgesang morgens,  und dem Schein des Mondes nachts. Ungemein glücklich.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

So. Unsere vierte Reisesaison ist jetzt offiziell vorbei. Es ist wieder ein Oktober, der sich dem Ende neigt.
Mittlerweile ist zu 90% sicher, dass Lothar eine 5. Saison als Zugtier nicht mehr mitmachen kann. Ein Wunder kann immer noch geschehen und dafür halt ich mich auch noch offen. Dafür stehn die 10%.

Und wie geht es  mit uns weiter? 

Mein erster Impuls war mich ziemlich zu stressen. Denn ich brauch ja dann gleich Arbeit... oder eine Ausbildung....Zeit effizient nutzen...gleich anfangen zu organisieren......

Gott sei Dank hab ich festgestellt, dass diese Gedanken ein Blödsinn waren. Wenn es bisher so mit uns geklappt hat, dann wird es auch in Zukunft weiter klappen. Ohne sich wieder in eine Mühle zu begeben.

Ideen hab ich mittlerweile eigentlich auch schon einige.
Die eine, die alles am Offensten lässt ist die, dass ich mir einfach zwischen der Winterarbeiten eine Wiese pachte, dort meine Wohnkutsche hinstelle, die im Moment noch in Ungarn steht (und Gott sie Dank keine amtlichen Papiere braucht um exportiert zu werden) und mit meinen Ochsen dort bin. Trianiere, lebe, bin.

Dies liese sich ja vielleicht kombinieren mit reinschnuppern in Tätigkeiten, die ich eh gerne mal besser lernen würde. In einer Sattlerei, oder Käserei, oder einem landwirtschaftlichen Betrieb arbeiten, der tatsächlich noch Pferdekraft einsetzt, oder irgendwas Handwerkliches.
Oder ich schau, ob es nicht einen bezahlbaren Transporter zu kaufen gibt, der drei Ochsen aufnimmt und mit dem ich dann innerhalb Deutschlands auch mal grössere Distanzen zurücklegen kann um dann an interessanten Orten ein paar Wochen zu bleiben.
Oder ich schau, ob es nicht in den schweizer Bergen schöne Wiesen für uns gibt.
Oder oder oder ?

Auf jeden Fall alles MIT Lothar, so lange er einigermassen ohne Schmerzen laufen kann, mit. Das hat er sich verdient.  


Falls ihr Ideen habt, was ich machen könnte im nächsten Jahr, oder eine schöne Wiese wisst auf der wir auch länger bleiben könnten, dann sagt es mir......ich lass mich sehr gerne inspirieren.

Je länger ich über diesen neuen Abschnitt nachdenke, desto wichtiger ist mir, dass ich weiterhin Zeit habe, um allem, jeder Tätigkeit, die Zeit geben zu können, die sie braucht. Dass ich einen Ort habe, wo ich möglichst allein mit meinen Ochsen bin und jegliche Ablenkung auf einem Minimum halte, wie bisher den Sommer über.

Jetzt, wo ich wieder näher an, oder gar in der «Zivilisation» lebe, fällt mir wieder auf, wie weit mein Leben sich von dem anderer unterscheidet. Im Sommer, unterwegs mit der Kutsche, realisiere ich das gar nicht so.
Doch jetzt, wenn ich in den Morgenstunden draussen bin und alle Leute wohin eilen sehe, dann spür ich es. Oder wenn sich auf mich ein Gefühl zu stülpen versucht jegliche Zeit effektiv zu verplanen und zu nutzen und das möglichst mehrfach.

Nein, nein, danke, da bin ich doch lieber einfach.






Ich weiss nicht, ob es nächstes Jahr einen Blog geben wird. Ich weiss eigentlich noch gar nichts über nächstes Jahr.
Lothar, Max und Milan sind jetzt im Schwarzwald und Piz und ich wieder auf dem Weg nach Davos. Zum alljährlichen Kühe melken und Berg bestaunen.

Ich danke euch wieder fürs Lesen, fürs Begleiten und fürs Mit-Fühlen über den Sommer. Für eure Gedanken und eure Zeit.

Und wie immer auch danke ich dem Leben dafür, dass es so unglaublich gut für mich sorgt, an meiner Seite steht und mich an der Hand nimmt. Dass es mir Weggefärten zur Seite stellt, die besser nicht sein könnten. Und mir zeigt, wie es möglich ist zu sein.

Noch ein paar schöne Bilder

Dieses Jahr hab ich die schönsten Bilder schon in den Blogeinträgen mit eingestellt. Ein paar habe ich aber trotzdem noch gefunden:
der Rauch aus meinem Ofenrohr








ein Kälbchen ganz frei, das andere an die Kutsche gebunden und Lothar sowieso frei laufend. So gehts auf den Waldwegen.




Ochsen werden gross

Mai



Juni









Juli





August

September





Oktober



Montag, 17. Oktober 2016

Max, Milan, Quinn und Johanna

Diese wunderbare Fotoserie mit Max und Milan entstand an unserem vorletzten richtigen Tag on Tour dieses Jahr beim Besuch meines Patenkindes und seiner Schwester.