Dienstag, 25. August 2020

Manche Fehler macht man nur einmal im Leben

Col de Pillon
Langsam neigt sich der Sommer wieder seinem Ende zu und so habe ich unsere zu laufende Himmelsrichtung tendenziell wieder Richtung Westen ausgerichtet. Richtung Tessin, wo wir wieder einen Winter bleiben dürfen. Aber so nah ist der Winter noch nicht, dass ich anfangen sollte geradlinig zu laufen. Deshalb laufen wir gerade einen für manche unsinnig wirkende Schwenk von Chateaux d'Oex, VD aus. Einen Halbkreis in südlicher Richtung über zwei kleine Pässe um dann wieder im Simmental zu landen, wo wir von Chateaux d'Oex aus auch ohne Pass hingekommen wären. Aber wir würden dadurch schöne Berge und Gletscher verpassen und das wäre doch schade.

Den Pass des Mosses laufen wir in zwei Tagen, da es einer der letzten heissen Tage ist.
Der Col de Pillon ist zwar nicht hoch (etwas über 1500, ich habe vergessen das Beweisfoto zu schiessen), aber anspruchsvoll für meine Jungs, da er ununterbrochen steigt, ohne mal kurz eben zu verlaufen um sie Kräfte sammeln zu lassen. Es ist nicht mehr heiss,  leicht wolkig. Leider verpassen wir dadurch die Sicht auf mindesten einen Gletscher, auf den ich mich sehr gefreut hatte. Aber besser so für die Jungs. Beim letzte Anstieg kommt dann aber doch noch die Sonne kräftig zum Vorschein und macht Max und Milan das letzte Stück sehr sehr schwer. Max fängt an zu pumpen, da ist dann mehr als Zeit aufzuhören. Da es aber wirklich nur noch ein paar Hundert Meter bis zur Passhöhe sind lass ich sie zweimal in einem Schatten auf der Strasse für ein paar Minuten rasten. Geht nicht anders. Entschuldigung liebe AutofaherInnen. So schaffen wir unseren 6. Pass dieser Saison schlussendlich aber noch! Oben angekommen binde ich die Ochse im Schatten an und mache mich ohne sie auf die Suche nach einer Wiese.
Nach einiger Zeit treffe ich auch auf einen Älpler und bekomme die Zusage für eine Wiese weiter unten. Diese ist wunder wunderschön, alleine gelegen, ein paar hundert Meter weg von der Strasse. Nur gibt es dahin noch einen geschotterten steilen Anstieg. Auch den schenken mir Max und Milan noch. An ihren Grenzen kommend. 

Danach ist aber nichts mehr von ihnen zu erwarten. Der Versuch, die Kutsche in eine gute Position zu manöverieren endet darin, dass sie mit aller Kraft gen Brunnen streben und sich gerade noch stoppen lassen, bevor sie den Brunnenhahn mit der Deichsel abrasieren. Da bleibt mir nichts anderes übrig als sie einfach auszuspannen und laufen zu lassen. Samt Geschirr und Schuhe. Aber das macht auch nichts, denn die Wiese ist grossflächig eingezäunt und so können sie erstmal fressen, saufen und ihr Hirn wieder finden, während ich ihren Zaun aufstelle.
Maximal 10 Minuten später hole ich die Jungs und stelle sie auf ihre Wiese zum abschirren. Ich bin verwundert über Milans nasse und schlammige Beine, ist doch hier alles trocken. Meinte ich zumindest.
Nass und schlammig ist nicht gut! Wer schon mal mit Gummistiefeln in einem Sumpf war, weiss, wie gerne dieser Schuhe frisst. Und tatsächlich: von Max und Milans acht Schuhen befinden sich nur noch 4 an ihren Beinen. Scheisse.
Auf den ersten Blick ist gar kein Sumpf zu erkennen. Doch nach genauerem Hinschauen entpuppt sich der Ablauf des Brunnens als verstopft irgendwo und so hat sich der Hang unterhalb in einen Sumpf verwandelt, der aber noch nicht so lange existiert, um dort andere Pflanzen wachsen zu lassen (sonst wäre es mir ja sofort aufgefallen).

Vier Schuhe weniger ist erstmal eine kleine Katastrophe. Ohne Schuhe geht nix mehr.

Max und Milan stehen ganz unschuldig da. Jedem fehlt ein voderer und ein hinterer Schuh. Wie sind sie nur auf die Idee gekommen in dieser kurzen Zeit sich von einer grossen Wiese genau den Sumpf zum Grasen auszusuchen? Sie haben ihn den Spuren nach ja nicht nur einmal, nein mehrmals durchquert. Vollidioten. 

Und Vollidiotin Eva, dass ich sie habe einfach laufen lassen mit Schuhen.
Mein restlicher Abend besteht darin, den Sumpf (immerhin 10 x 5 m) mehrmals zu durchlaufen. Zuerst nur mit einem Stock um in den Löcher bohren zu könen. Dabei finden wir zwei Schuhe, die mit dem blossen Auge aber noch zu sehen sind. Die andere zwei Stück müssen tiefer sitzen. Also gehe ich den kompletten Sumpf nocheinmal systematisch ab und wühle in jedem Loch mit dem Arm.
Spätestens beim beim zweiten Loch, in dem ich bis zum Ellenbogen in einer trüben, leicht müffigen, mir unbekannten Suppe herumwühle, weiss ich, dass ich diesen Fehler sicher NIE wieder begehen werden.
Leider bleibt aber auch das erfolglos.
Am nächsten Morgen gebe ich den Schuhen nochmal eine Chance. Diesmal wate ich den Sumpf nacktbeinig ab und hoffe mit den Füssen auf einen Schuh zu stossen. So komme ich noch tiefer wie mit dem Arm. Und ich lege sogar in jedes durchforstete Loch eine Blume, damit ich weiss, wo ich schon gewesen bin.
Aber auch das bringt keinen weiteren Schuh mehr zum Vorschein.
Ein vorderer Schuh von Milan und ein Hinterer von Max sind unwiederbringlich verloren.

Letztes Jahr hätte das das Aus bedeutet. Oder zumindest ein langes Warten bis ich neue organisiert habe, falls das möglich ist.
Dieses Jahr gibt es mehr Hoffnung, da ich von der letzten Saison vier alte Schuhe dabei habe. Für den Notfall. Für Max ist es deshalb kein Problem: sein hinterer Schuh von letztem Jahr ist genauso abgelaufen wie der diesjährige und kann problemlos ersetzt werden.
Doch bei Milans vorderem Schuh schaut das anders aus. Denn da habe ich dieses Jahr einen Ablaufschutz für die Klauenspitze dran und die von letztem Jahr haben gar keine Spitze mehr. Dh dass es zwei unterschiedliche Schuhe sind und somit unterschiedlich abrollen. 

Das kann doch nicht bequem sein auf langen Strecken. Und das bedeutet auch, dass Milans Klauenspitzen sich komplett ablaufen werden. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut geht. Wir haben ja noch eineinhalb Monate!
 

Aber das ganze spielt sich unter grandioser Alpenkulisse ab. Es könnte schlimmer sein! Wir sind guter Dinge!







Samstag, 22. August 2020

Dieses Jahr ist irgendwie das Krank- und Ablenkungsjahr.
Kaum eineR bleibt verschont, weder Mensch noch Tier.


Ich hatte dieses Frühjahr noch einmal einen Borelioseschub, was wieder eine 30tägige Antibiotikatherapie mit sich brachte und den damit verbundenen Nebenwirkungen. 


Von Pepe und seiner -glücklicherweise schnell kurierten - Darmentzündung im Juli habe ich ja schon berichtet. 


Kurz nach Pepe war dann Piz dran. An einem Tag hielt sie ihren Kopf nur mehr schief nach links. Dann machte das linke Ohr nicht mehr mit und hing reglos in einer Position. Einen Tag später kam ein vergrössertes linkes Auge dazu und eine immer mehr nach unten hängende Lefze, was schlussendlich zum Dauersabbern führte. Das Auge war nicht nur vergrössert, sondern das Lid bewegungsunfähig. Wenn ich mit meinem Finger auf dieses Auge zuging, hätte ich ihr ungebremst hinein fassen können.
Im Grunde sah Piz aus wie eine Schlaganfallpantientin.
Komischerweise war sie aber der gleiche ausgeglichene Hund wie vorher, rannte und spielte mit Pepe als würde sie das alles gar nicht merken. Das hat mich zumindest etwas erleichtert, wo wir gerade ziemlich ab vom Schuss von allem war.
Sowohl das zu Rate gezogene Internet als auch eine befreundete Tierärztin, die mir immer telefonischen Rat für all meine Vierbeiner gibt wenn wir unterwegs sind, sagte:
Fazialislähmung des Gesichts. Diese wird durch einen eingeklemmten Nerv verursacht. Wodurch dieser eingeklemmt wird, kann unterschiedliche Ursachen haben: eine Ohrenentzündung, Boreliose oder es liegt am fortgeschrittenen Alter des Hundes.
In den Tagen, die noch vergingen, bis ich persönlich bei einer Tierärztin war, besserte sich erfreulicherweise Piz Lefze zumindest soweit wieder, dass sie nicht mehr ständig sabberte.
Der Tierarztbesuch selbst war einerseits ernüchternd, weil die Ärztin nicht wusste was es war, aber andererseits auch beruhigend, weil sie die von mir erwähnte Krankheit in einem Buch nachschlagen und zumindest die Ohrenentzündung ausschliessen konnte. In dem Buch stand auch drin, dass es zu einer Spontanheilung im Laufe von Monaten kommen kann. Da es ja schon tatsächlich ein bisschen besser geworden war, glaubte ich dem Buch und besorgte Piz ein Feuchtigkeit spendendes Gel für das Auge.
Ca. eine Woche später hat sie ihr Auge dann auch tatsächlich wieder selber zugemacht und ihr Ohr drei Wochen später zum ersten mal wieder bewegt.
Mittlerweile sieht man es ihr nur noch an, wenn man sie sehr sehr gut kennt. Also betrachte ich diese Sache auch als Abgeschlossen. Glimpflich Abgeschlossen.
Als Ursache bleibt tatsächlich nur das fortgeschrittene Alter meiner Hündin. Piz wird neun im Herbst. Ich würde ihr körperliches Alter aber höher ansetzen, da sie ja so viele Unfälle gehabt hat. Wenn ich bedenke, dass sie 1,5 Jahe alt war, als wir losreisten...

Als nächstes war und ist dann ein Huhn dran mit krank sein, obwohl ich nicht mal weiss, was ihr fehlt. Ihr Kamm ist einfach nur mehr blass rot (wo ich ja noch so stolz war, wie toll rot die Kämme meiner Hühner im Vergleich zu denen der Eingesperrten waren) und ihr Gesicht scheint dicker. Vielleicht ist sie auch einfach alt, so wie meine arme Piz?

Aber auch damit ist sie nicht zu Ende, unsere Krankengeschichte:
Gerade um diese Zeit vor einem Jahr konnten wir von Altdorf am Zürichsee wieder aufbrechen, wo wir zu einer Pause gezwungen waren wegen Milans Rücken. Das habe ich nicht vergessen. In letzter Zeit habe ich öfter daran gedacht.
Und «Zack» schon hängen wir wieder fest. Wieder Milan.
Die zwei Wochen davor war ich nicht mit der Kutsche, sondern mit den Ochsen in den Bergen unterwegs, teils auf schlechten Pfaden. Das geht nur ohne Schuhe, denn sonst haben sie keinen guten Tritt. Auf einer dieser Touren muss er sich eine Verletzung im Klauenspalt zugezogen haben. Gar nichts Schlimmes, eine Wunde von gerade mal einem Zentimeter. Die hat sich auch nie bemerkbar gemacht, ich wusste gar nichts davon. Erst als wir wieder mit der Kutsche, also auch mit Schuhen und in der Hitze unterwegs waren, zeigte sich schon am zweiten Morgen, dass mit Milan etwas ncht stimmte. Auch da habe ich den Grund noch nicht gefunden. Erst am dritten Morgen war es dann offensichtlich. Milan wollte den Schuh nicht anziehen lassen und war oberhalb des Ballens geschwollen. Erst nach dem gründlichen Waschen des Zwischenklauenspalts stiess ich auf die alte Wunde aus der sich dann auch nach gründlichem Einweichen Eiter drücken liess. (Hatte ich ein Glück, dass es am Vorderbein war, denn den kann ich halten, auch wenn er versucht ihn mir zu entziehen. Denn ohne Schmerzen zu verursachen, läuft so eine Prozedur natürlich nicht ab. Mit dem Hinterfuss könnte er mich leicht und gefährlich weg treten)
Die Wunde hat sich also durch die Reibung der Klauen aneinander im Schuh und durch die Hitze entzündet. Erstaunlich, wie etwas so Kleines, eine so grosse Wirkung auf uns alle haben kann.
Ohne Schuhe wäre daraus nie eine grosse Sache geworden.
Naja, eine grosse Sache ist es so auch nicht, aber eine Umstellung, denn ein paar Tage Pause braucht es schon. Und so musste ich erstmal wieder Wiese finden, wo wir bleiben können. Und die Unsicherheit ertragen, bis ich weiss, was es genau das Problem ist und welche Ausmasse es hat. D.h täglich zweimal Wundreinigung nach vorhergehedem Einweichen der Klaue in Seifenwasser und versuchen herauszufinden, ob es noch einen Fremdkörper gibt, oder andere Ursachen.
Und dann ganz langsam wieder anfangen ohne Schuhe und ohne Kutsche zu laufen. Und dann ohne Schuhe und mit Kutsche, in die Ungweissheit hinein, dass es doch wieder anschwillt und uns zum Bleiben zwingt. Vielleicht nur zwei Kilometer später. Wissen kann ich das nie.

Das wars fürs erste, hoffe ich. Ich erzähl erst gar nicht, dass ich mir noch in den Finger gesäbelt habe und Milan gerade anfängt zu husten, sonst werde ich gar nicht mehr fertig.

Jetzt sind wir aber auch fast alle durch. Ein Huhn ohne Probleme gibt es noch und Max. Aber eigentlich reicht das auch für dieses Jahr.  

Doch ist es ja nicht nur ein von Krankheit geprägter Sommer, sondern auch von Ablenkung. Ich bin ja eigentlich im Sommer sehr strickt, was alles betrifft, was meine Aufmerksamkeit aus dem hier und jetzt zieht. Keine Bücher, kein Internet usw. Aber dieses Jahr klappt das nicht so gut. Seitdem ich in der Schweiz reise habe ich Zugriff auf meinen - eigentlich für den Winter gedachten - Internetzugang über mein Handy. Und das ist so fatal! Hier mal was schauen, dort mal was schauen....Und schon ist meine heilige Zeit weg. Darüber hinaus habe ich mir mal wieder erlaubt zu rauchen. Auch nicht gut.

Vor kurzem habe ich es jetzt endlich geschafft einen Schlussstrich zu ziehen. Kein Internet, ausser für Blog, Wetter und Karten. Kein Tabak. In der Hoffnung auf einen intensiven restlichen Reisesommer 2020.

Dienstag, 11. August 2020

Hühnergeschichten

Es reist sich sehr schön in Begleitung von Hühnern. Unkompliziert und nett.  

Und sie sind gar nicht dumm. Machen wir nur eine Frühstücks- oder Mittagspause auf Tour und sie sehen die Ochsen angebungen an einem Baum, bleiben sie immer in der Nähe und lassen sich ohne Schwierigkeiten wieder einpacken und verladen.
Sehen sie jedoch, dass die Ochsen auf einer Wiese grasen, machen sie sich vom Acker und ich sehe sie für 2 Stunden nicht mehr. Dann meinen sie die Welt gehört ihnen, alle Höfe gehören ihnen und alle Gärten. Gestern musste ich sogar mit Erschrecken feststellen, dass sie selbst befahrene Strassen überqueren um noch mehr Höfe besuchen zu können. Nicht, dass nicht auf unserer Strassenseite genug gewesen wären...
Da es in dieser Zeit sinnlos ist sie zu suchen, habe ich mittlerweile aufgehört ihnen hinterher zu spionieren.

Nur einmal bin ich dann doch los, als sie nach einer Stunde nicht zurück waren. Da habe ich beim Wasserholen beobachtet, dass sich eine Gruppe Mädchen daran erfreut hat, sie reihum im Arm zu halten. Das fand ich schön und habe sie machen lassen. Aber irgendwann kamen mir Zweifel, ob sie durch das viele Rumgetrage nicht doch eventuell die Orientierung verloren haben könnten und machte machte mich auf die Suche.

Aber selbst nach mehreren Rundgängen, war von ihnen keine Spur zu finden. Sie konnten sich eigentlich nur auf diesem einen Hof aufhalten, alles andere drumherum war zu weit weg (obwohl ich mittlerweile das auch schon besser weiss).
Auch das Nachfragen bei den im Stall ein und ausgehenden Menschen hat nichts gebracht. Niemand hat sie gesehen. 

Erst die letzte Person fragte mich, wie lange sie schon verschwunden seien und bestätigte mir nach der von mir genannten Zeitspanne, dass jemand sie gefunden und zu den andern Hühnern hinterm Stall gepackt hätte. 

Also los.
Die hinter dem Hof sich befindenen Hühner waren schon für den Abend eingesperrt und als ich durch die Tür blickte, war ich dann doch sprachlos. Drinnen befanden sich lauter braune Hühner, der selben Rasse wie meiner. Sie sahen erstmal ALLE aus wie meine! Wie sollte ich sie da herausfinden?
Beim genaueren hinsehen fiel mir aber ein kleiner Unterschied auf. Die Kämme der Hühner in diesem Stall waren nicht so schön rot, wie die der meinen. Immerhin ein Anhaltspunkt.
Also fing ich an zu rufen. «pieppieppiep», der Essensruf.
Sofort kam eines zur Tür geschossen, ich erkannte es auch als meines, weil es ein kleines bisschen heller ist und so zielgerichtet angeschossen kam. Ich öffnete die Tür und lies das sichtlich erleichterte Huhn raus.
Aber wo war das Andere?
Ich rief und rief. Nichts tat sich. Da mein Zweites auch noch die exakt selbe Farbe hat wie die anderen war es schwieriger. Sollte nur eines hergebracht worden sein? Wo steckt dann das andere?
Irgendwann viel mir auf, dass sich im Hühnerhaus eine Wand mit einem gekippten Fenster befand und ein Gang nach hinten in einen weiterern Raum führte. Dort könnte es also stecken, aber wieso kommt es nicht? Und im Gang in den hinteren Raum sass natürlich ein fetter Hahn. 

Nachdem ich vor 4 Jahren mal mehrmals von einem Hahn angegriffen worden bin, weiss ich, dass das nicht lustig ist. Und jetzt wieder einem in einem engen Gang begegnen? Nein danke!
Also weiter rufen.
Und auf einmal flog ein Huhn durch das gekippte Fenster zu mir. Ich packte es ohne zu überlegen und floh mehr oder weniger aus dem Hühnerhaus. 

Doch war es wirklich meines? Es hatte eben kein besonderes Merkmal, aber einen schönen roten Kamm. Also musste es es ja eigentlich sein. Ich klemmte es mir mit meinem anderen Huhn unter den Arm und machte einfach die Probe, ob es sich bei der Kutsche zuhause fühlt. Und das tat es fraglos! Also war ich richtig gelegen.
War ich glücklich, meine geliebten Hühner wieder zu haben!
Und sie waren auch glücklich, wieder in Freiheit zu sein.

Die zwei sind mittlerweile nach einem Jahr Entlassung aus ihrem Legebetrieb und drei Monaten auf Reisen so freiheitsliebend, dass sie total unglücklich sind, mal in einem Zaun bleiben zu müssen. Mein neulicher Versuch das auszuprobieren endete in unglücklichen Hühnern, die wie Tiger im Zoo stetig die Zaungrenzen abschreiten und bald darauf glücklichen Hühner, als sie gemerkt haben, dass sie Zäune überfliegen können.

Mit ruhigem Essenkochen und Essen ist es jetzt vorbei, da sie immer mitmischen und mitessen wollen. Auch meinen Vorratskisten werden regelmässig inspiziert, ob nicht doch was ausgelaufen ist. Aber so egal. Das ist auch nett.


Freitag, 31. Juli 2020

Im Jura


Seid eineinhalb Wochen bin ich jetzt im Jura, besser gesagt in einem kleinen Teil vom Jura, weil ich mich kaum fort bewege. Es scheint mir wie ein anderes Land zu sein. Ein eigenes. Nicht Schweiz, nicht Frankreich. Eigen eben. 
Nach den Alpenpässen erweist sich der Col de Maicheruz selbst auf den Nebenstraßen sanft und nett zu uns. Obwohl wir doch auch !800m! hoch laufen an einem Tag, fällt das gar nicht auf. Natürlich sind die Jungs müde, aber nicht platt.




Viele neue, bisher unbekannte Herausforderungen hat das Jura für uns in der Tasche. Mal abgesehen davon, dass ich Französisch sprechen muss (wie die drei Tage davor auch schon und sich mein Schulfranzösisch endlich mal als sinnvoll heraus stellt) und mal abgesehen davon, dass ich keinen Handyempfang habe, gibt es einen für Max und Milan interessanten neuen Aspekt: öffentliche Straßen gehen direkt durch Kuhweiden hindurch.

Das birgt mehrere Schwierigkeiten: 1. sind in den Boden quer über die Straße Gitter eingelassen, die Kühe (also auch wir) nicht passieren können und 2. geraten alle Weidenbewohnerinnen in helle Aufregung bei unseren Anblick („Kommt!! Was für eine tolle Abwechslung!!! Seht ihr diese zwei hübschen Kerle da vor der Kutsche gespannt? Lasst die uns mal genauer anschauen und beschnüffeln. Auf, schnell im Galopp, sonst sind sie noch weg! Aber Huch! Die Kutsche bellt ja, oje, da weiß ich jetzt gar nicht was ich davon halten soll! Lieber weg? Oder doch wieder hin? Egal! Hauptsache Spaß!!“) 
Und 3. können Punkt 1. und Punkt 2. auch noch zusammen fallen. 

Neben die in den Boden eingelassenen Gittern gibt es Tore, die mal mehr, mal weniger kompliziert zu öffnen sind um Vieh durch treiben zu können. Da passen wir meistens auch durch. Max und Milan verstehen schnell das System: anhalten warten bis das Tor geöffnet ist, durchfahren warten bis es wieder zu ist und weiter. 
Aber was, wenn wir gerade von einer Herde verfolgt werden, oder uns eine schon freudig erwartet? 
Spannende Momente sind das für mich. Adrenalingeladene Momente. Zum einen weiß ich am Anfang noch nicht, ob Max und Milan den Impuls verspüren samt Kutsche das schöne Galopp mit zu machen, und zum anderen darf ja keines der anderen Tiere mit uns durchs Tor witschen, oder gar vor Aufregung die ganze Herde… Auch habe ich bei dem ganzen Rumgehopse und Geschiebe und Galoppieren der Tiere Angst, dass sich eines wegen uns verletzen könnte.
 
Max und Milan erweisen sich aber als Profis, die etwas in Aufregung sind. Sie laufen temperamentvoll, bleiben aber Zugochsen. Das Bellen von Pepe aus der Kutsche heraus erweist sich als Segen und hält die Tiere am ersten Tag etwas auf Distanz. Leider bellt er am zweiten Tag nicht mehr und dadurch sind die Ochsen wieder viel interessanter für die Rinder. Auf einem langen Wiesenweg, auf dem die neue Kutsche ganz schön einer Belastungsprobe unterzogen wird was Stabilität und Kippverhalten betrifft, laufen uns ca 40 Stück Vieh nach. Glücklicherweise hilft eine Mountainbikerin beim Verlassen der Wiese. Aber auch alleine schaffen wir alle anderen Tore, manchmal sofort, manchmal nach etwas Einfallsvermögen meinerseits etwas später.




Ein großes Durcheinander gab es bis jetzt nur einmal, da war aber die Hirtin mit dabei, weil wir auf ihrer Wiese übernachten durften. Da sind 20 Tiere ausgebrochen auf zwei unterschiedliche Weiden auch noch. Allein wäre ich da nahezu machtlos gewesen. Aber zu zweit haben wir sie bald wieder unter Kontrolle gehabt. Und Max und Milan? 
Nach den guten vorhergehenden Erfahrungen habe ich die zwei einfach unangebunden auf der Wiese samt Kutsche stehen lassen, während ich den Rindern hinterher bin. Und die zwei sind auch stehen geblieben! Trotz ihrer Freiheit und der Aufregung um sie herum. Dabei sind sie doch erst vier Jahre alt!!!!

Und hier noch ein paar andere Eindrücke aus dem Jura:



Freitag, 24. Juli 2020

Geschenk des Himmels


Ich bin zu Besuch bei einer Freundin auf einer Alp im Jura. Sozusagen in Ferien.
Die letzten heißen Wochen haben mich immer dazu gezwungen meinen Wecker auf drei Uhr zu stellen, damit wir kurz nach fünf auf der Straße sind um die kühlen Morgenstunden laufen zu können. Da genieße ich hier va erstmal das Ausschlafen und Schlaf nachholen.
Doch ich kontrolliere auch einmal am Tag die Rinder auf der oberen Alp. Zur Freude von mir, aber auch von Piz und Pepe.

Die Aufgabe der Hunde, bzw va Pepe’s Aufgabe ist es zu lernen, dass nicht jedes Rind gehütet werden muss. Damit meine Hunde keine Aufregung in die Herden bringen, lasse ich sie, kurz bevor die Rinder in Sicht kommen, unter einem Baum sitzen und warten, bis ich sie wieder rufe um die nächste Gruppe zu suchen. Das funktioniert erstaunlich gut. Pepe verlässt nie seinen Platz um selbständig zu hüten.

Nach ein paar Tagen kann ich auch mit ihm durch eine Herde durch laufen, ohne dass er blöd macht. Ein großer Erfolg für meinen sturköpfigen Bergamasker.

Bei der Kontrolle am Samstag Vormittag fällt mir auf, dass Pepe irgendwie langsamer ist und am Abend, bei der zweiten Kontrolle läuft er weit hinter mir. Auch sonst ist der nicht mehr präsent und schläft. Nachts zittert er manchmal.

Morgens ist er zu nichts mehr zu motivieren, sein fressen verweigert er uns
das will was heißen bei Pepe Vielfraß. Dann bekommt er auch noch Fieber. Was könnte es sein?

Und va was will ich dagegen tun, an einem Sonntag auf einer Alp im Jura?

Ich denke an die Babesiose, einer Zeckenkrankheit, an der Piz im selben Alter fast gestorben wäre.
Oder ist es Staupe? Drei Tage vorher ist er einen Fuchs nach.
Oder hat er zu viel Horn gefressen? Bei den Kaltblütern meiner Freundin wurden zwei Tage vorher die Hufe geschnitten. Da kam ziemlich Material zusammen, was Hunde ja gerne fressen.

So verläuft der morgen sorgenvoll.

Am Ende unseres immer sehr spät stattfindenden Frühstücks, also gegen Mittag, biegt ein Auto in die Einfahrt zum Alpgebäude. Es ist der Tierarzt der Region, aber was macht er hier? Aussteigen tut auch nicht irgendein Tierarzt, sondern der Kleintiertierarzt der Region, der Wochenenddienst zum Besamen hat und auf der Nachbaralp war. Auf den Rückweg wollte er meiner Freundin kurz Hallo sagen.

Da steht also ein Kleintiertierarzt am Sonntag Mittag wie bestellt in unserer Einfahrt!?? Auf unserer Bitte hin sieht er sich Pepe an, diagnostiziert tatsächlich eine Darmentzündung und spritzt eine Arznei dagegen.
Wie geplättet stehen wir alle da. Was war das jetzt?! Ein Wunder?

Zwei Stunden später geht es Pepe schon ein klein wenig besser und dieser Prozess hält auch immer noch an.

Sonntag, 19. Juli 2020

Etwas ist anders dieses Jahr. Und den Grund kann ich mir nicht wirklich erklären. Seid diesem Jahr, werde ich gar nicht mehr gefragt, ob es in Ordnung ist, wenn ein Foto gemacht wird. Es waren ja noch nie viele Menschen, aber immerhin im Schnitt würde ich sagen 30%, anfangs in der Schweiz sogar bis zu 60%. D
Jahr sind es noch 2%.

Ich sehe kein Lächeln mehr, kein Blitzen in den Augen. Ich bekomme kein „Hallo“ mehr. 
Was ich hauptsächlich nur mehr sehe, sind Smartphones zwischen mir und einem anderen Menschen. Augen nicht auf mich gerichtet, sondern auf den Bildschirm blickend. Auch werden viele Videos gemacht. Dann geht das minutenlang so. Ich sehe nur den Menschen sich leicht mit uns drehen. 
Genau so schaut das für mich aus:


Dadurch sehe ich aber auch nicht mehr, dass der Anblick der Ochsen berührt, freut und ins Herz geht. Wir gehen nicht mehr ins Herz, nur mehr ins Smartphone. Das echte Bild von uns verpufft im nirgendwo, scheint mir. 
Das finde ich sehr traurig. Es schafft keinen Kontakt mehr zu den Menschen. 
Was hat sich verändert innerhalb eines Jahres?

 Es kann nicht die Region sein, denn mittlerweile sind wir zu viele durchlaufen.
Was ist passiert mit euch Menschen? Könnt ihr mir das erklären? Falls diesen Blogeintrag jemand liest, der nicht gefragt hat beim Foto machen, würde mich das wieso wirklich interessieren.

Freitag, 3. Juli 2020

Pässe

Nach dem Nufenen sind wir jetzt noch zwei Pässe gelaufen. Das Wallis hat mich nur kurz beherbergt und schon sind wir über den Grimsel wieder raus in den Kanton Bern. Diesmal mussten die Jungs nur auf etwas über 2100 Meter hoch, von 1400 startend in Oberwald. 











Auch das haben wir in zwei Etappen gemacht und so war es kein Problem. Ich habe gemerkt, dass die großen Passstraßen so gut ausgebaut sind, sich so flach den Berg hoch ziehen, dass sie kein Problem für uns darstellen. Wenn wir uns Zeit lassen (und das tu ich ja gerne) und es nicht zu warm ist. Das ist extrem wichtig!! 

Viel stärkere Steigungen finden sich oft auf den kleinen Nebenstraßen und wenn ich da nicht aufpasse, kann es für Max und Milan grenzwertig werden. So wie gestern. Ich wollte weg von der Bundesstraße auf eine kleine Straße wechseln und finde mich plötzlich in einem krass steilen Stück wieder, aus dem es kein zurück mehr gibt. Dazu ist es schon warm. Das Auto, welches uns entgegen kommt kann noch auf einen Parkplatz ausweichen, doch dann bleiben Max und Milan stehen und laufen nicht weiter. Gerade als wir genau neben dem Auto sind. Gefährlich gefährlich. Wenn Milan den Rückwärtsgang einlegt, schiebt er die Kutsche in das Auto. Mit all meiner kleinen menschlichen Kraft stemme ich mich in die Seile der Halfter, um sie am zurück gehen zu hindern. Die eingesetzte Peitsche bringt nichts mehr. Sie stehen. Und Pumpen mit den Lungen. 
Ich kann nicht die Bremse anziehen und sie rasten lassen, weil zum einen das Auto eingeparkt ist und zum anderen es so steil ist, dass sie mir nach dem Lösen der Bremse sicher ein paar Schritte zurück gehen würden. 
Da brauche ich Max. Ich weiß, nur er kann uns aus dieser Situation heraus helfen. Und tatsächlich zieht er irgendwann wieder an und motiviert damit Milan. 
Oben angekommen gibt es erstmal eine Pause, in der uns eine vorbei fahrende Frau erzählt, dass das die alte Handelsroute war und bei genau diesem Stück früher zusätzlich Tiere vorgespannt wurden. Max und Milan haben es mit Mühe -und sicher Missfallen- selber geschafft. Die Tiere früher hatten aber auch schwerere Kutschen hinter sich als wir. 

Max, mein guter Max. Die ersten drei Jahre seines Lebens hat er alles Milan machen lassen und war gar nicht motiviert. Doch seid letztem Jahr macht er sich zu meinen besten Zugochsen, auf den ich am Berg zählen kann. Nie hätte ich das für möglich gehalten. Mein vormals fauler Max!!

Heute sind wir unseren dritten Pass gelaufen. Einen Kleinen, der von 840m „nur“ auf 1508m hoch geht. Da es in letzter Zeit sehr heiß war und Bremsen hatte, war aber klar, dass ich ihn nur noch bei schlechtem Wetter gehen kann. Und ich schaffe es- aber mal gerade- es so zu timen, dass wir am einzigen schlechten Wetter Tag unten am Pass bereit stehen.
Und wieder laufen meine geliebten Ochsen den Berg. Langsam, aber verlässlich. Schritt für Schritt. 

Mir scheint, dir ganze Welt steht uns offen (zumindest bei schlechtem Wetter 😆). Mit so tollen Zugtieren, die jung sind und – insofern man dies bei Ochsen sagen kann: willig.

Ich spüre so viel Liebe für diese Tiere! Für meine tollen, wunder wunderschönem Ochsen, die Hunde und die Hühner. So viel Liebe für die Berge und diese wunderschöne Natur. So viel Liebe für das Leben. Unermässlich viel Liebe für dich, Leben!

Mittwoch, 24. Juni 2020


Ich war vor einiger Zeit eingeladen bei einem Tessiner Bauern. Keiner spricht wirklich Deutsch und ich ja gar kein Italienisch. Aber es geht auch irgendwie so. Google steht hilfreich zur Seite, versagt aber im Detail.
Das Haus ist voller Jagdtrophäen, war doch der verstorbene Vater schon Jäger und der jetzige Bauer auch. An den Wänden überall ausgestopfte Gemsen, Hirschen, Auerhuhn… Hirschgeweihe und Pokale.
Wir sitzen in der Küche. Auch Piz und Pepe dürfen ins Haus und uns Gesellschaft leisten.
Nach einiger Zeit knurpselt es unterm Tisch. Ich denke mir nichts dabei, außer dass Pepe wohl einen Knochen oder eine trockene Nudel unter der Eckbank gefunden hat. Doch der Bauer wird hellhörig und schaut nach.
Und dann sagt er: lepre. Das Wort habe ich schon gelernt, heißt:Hase, aber was macht das für einen Sinn? Den Gestiken folgend werde ich erst bleich und dann rot. Auf dem Treppenabsatz steht ein ausgestopfte Uhu der auf einem ausgestopften Hasen steht und diesem Hasen: fehlt ein Ohr. Darunter schaut die Strohfüllung heraus.
Wie unangenehm! Ich gehe zurück und entschuldige mich. Die Leute nehmen es gelassen und lachen mit den Worten: der sei eh alt. Aber trotzdem. Sehr sehr unangenehm!

Samstag, 13. Juni 2020

Der Pass


 Nach vielen Tagen mit Regen im Bedretto und Neuschnee auf dem Nufenen, zeigt der Wetterbericht einen durchwachsenen und einen trockenen Tag für den Pass an. Danach folgen wohl wieder Tage mit Regen. Also habe ich keine Wahl, wenn ich ihn endlich angehen möchte.

Zwei Tage ist schon riskant, weil zwei brauche ich auf alle Fälle. Da muss aber alles klappen und für den dritten Tag werden Gewitter angezeigt, bei denen ich sicherlich nicht auf den Pass sein möchte. Der Nufenen hat wettertechnisch keinen guten Ruf. Wind sowieso immer und viel wüstes Wetter weil aus unterschiedlichen Richtungen Strömungen zusammen kommen.

Das, zusammen mit der Tatsache, daß Max und Milan zwar schon viel in den Bergen waren, aber noch wenig vor der Kutsche macht mir schon ein mulmiges Gefühl. Knapp 2480 Meter Passhöhe tragen dazu auch ihren Teil bei.

Die vorhergehenden Regentage habe ich aber ausgiebig genutzt um Nufenen und Gotthard mit dem Auto zu erkunden und eventuelle Rastplätze auszukundschaften, wo es auch schon Gras gibt (ab 1800m wirds knapp und ab 2000 ist eigentlich noch gar nichts da). Dafür habe ich aber zwei Kleinballen Heu auf der Kutsche. Dh ein Tag ohne Gras kann überbrückt werden.

Schlussendlich ist mir dann aber egal, dass der Gotthard niedriger ist und mehr Gras hat, mich zieht es einfach auf den Nufenen.

Das Wetter scheint uns zuzulächeln, als ich zusammenpacke. Alles wird trocken verstaut. Und selbst die Sonne lässt sich blicken es als wir los laufen. Noch einmal rede ich mit meinen Ochsen und erkläre ihnen, was vor ihnen liegt und dass ich zwei starke Tiere brauche die nächsten zwei Tage.

Und wie sie ziehen, die zwei.
Sie steigern sich manchmal sogar auf ein schnelleres Sehrlangsam. 600 Höhenmeter, mehr als die Hälfte, ist mein Etappenziel heute mit vororganisierter Wiese. Aber ist es auch Max und Milans Ziel?

Leider ziehen in der Mittagspause Wolken auf und gerade als ich essen will, fängt es an zu regnen und wird kalt. Das kann ich auch nicht ändern durch weiter laufen, denn die Jungs haben ihre Pause verdient nach den ersten 350 Höhenmetern. Leider bessert sich das Wetter nicht besonders, aber beim Laufen ist es warm genug und die kühlen Temperaturen für die Ochsen zum Laufen besser.


Und wie schaffen es tatsächlich auf die Wiese auf knapp über 2000 Höhenmetern. Das ist eine immense Erleichterung. Mehr als die Hälfte geschafft.
Es regnet immer wieder. Mal stärker mal schwächer. Dazu Wind. Da wird es sehr schnell kalt. Um uns herum Altschneefelder.


 Schon an diesem Abend zeigt nur noch ein Wetterbericht gutes Wetter für den nächsten Tag. Der andere hat schon leichten Regen drin. Sorgen machen mir dabei die tiefen Wolken, die uns auf der Straße unsichtbar machen.

Der nächste morgen beginnt ähnlich ungemütlich, wie mich der vorhergehende Abend ins Zelt gejagt hat. Eine kurze Regenpause gibt es aber zum Zelt einpacken.
Mit zwei Paar Hosen, Hemd, Weste, Wolljacke, Regenjacke und Regenmantel bekleidet machen wir uns auf den Weg. Noch sind die Wolken ein Stück über uns. Nach den ersten paar sehr motivierten hundert Meter von Max und Milan verfallen sie in ihr sehr sehr langsam. Sind wohl doch müde von dem vorhergehenden Tag. Solange keine Menschen um uns sind, die uns begaffen und ungefragt Fotos schießen, ist mir das egal. Hauptursache sie laufen. Aber trotz schlechtem Wetter ist mehr los auf der Passstraße als am Tag zuvor. Klick. Klick. Klick. Klick, höre ich nur.


Solange ich laufen kann ist's mir warm, aber an eine Pause ist nicht zu denken. Auch nicht daran, kurz vor dem Pass unser Lager aufzustellen. Da sind wir alle krank, wenn ich uns der Kälte mit dem Wind aussetzte. Also Schritt für Schritt für Schritt, Höhenmeter um Höhenmeter weiter. Milan ist überhaupt nicht motiviert. Max, dessen selbst gewählte Aufgabe ja das bergauf ziehen ist ( Milan zieht dafür die Gerade), läuft aber einigermaßen. Wenn auch nicht so gut wie gestern.

Bald holen uns die Wolken ein und die Sicht nimmt dramatisch ab.
Eigentlich ist das zu gefährlich. So langsam wie wir sind. Trotz Beleuchtung. Als die Sicht unter 50m geht halte ich an einem Parkplatz und warte. Da ist der Wind auch mal für was gut, weil er die Wolken schnell wieder vertreibt (aber natürlich auch schnell wieder bringt). Umkehren? Nach so vielen Höhenmetern und nur der Aussicht auf weitere Regentage? Dann lieber weiter im Vertrauen, dass schon alles gut kommt und Lothar auf uns aufpasst.

Altschneewände säumen die Straße.


Mir erscheinen sie riesig, obwohl mit gesagt wurde, das es dieses Jahr wenig ist. Trotzdem eindrücklich, Max und Milan in einer solchen Umgebung zu sehen. Und irgendwann, in der dicksten Nebelsuppe sind wir dann oben. Stehen vor dem Schild: Passo del Novena 2478m. Max und Milan sind tatsächlich auf fast 2500m!
Unglaublich. Wäre es nicht so saukalt und ungemütlich wäre ich jetzt sentimentaler. Ich muss mich sogar zwingen den Fotoapparat auszupacken. Eigentlich will ich nur raus aus dem Wetter. Denn dieses Wetter hat etwas existenziell bedrohliches. Es geht nicht, einfach abzubrechen und ein Camp aufzubauen. Es geht nicht anzuhalten und die Tiere rasten zu lassen. Es ist kein Spaß hier oben zu sein.

Steil ist das erste Stück nach dem Pass, das weiß ich von abfahren mit dem Auto. Deshalb ziehe ich beide Bremsen so fest an, dass die Ochsen selber gar nichts mehr Bremsen müssen. Das finden sie zwei aber toll! Leider werden die Bremsen dadurch auch ziemlich heiß, weshalb ich ihnen diesen Luxus nur am Anfang gönnen kann. Und so werden wir bald ziemlich schnell und winden uns Kurve um Kurve ins Wallis hinunter. Bis wir sie endlich über uns zurück lassen. Die Wolken. Nicht den Regen.




Wir sind alle ziemlich fertig. Bis auf Pepe, der mir zweimal abhaut um seinen geliebten Murmeltieren nachzustellen und mich zunächst Tugend, dann brüllend an der Straße stehen lässt. Da werde ich ganz schön böse.
Von oben sehe ich die erste Alp und sogar ein Auto am Alpgebäude. Bitte bitte lass es noch da sein, bis wir dort ankommen! Und wir schaffen es! Gerade will das Auto auf die Straße heraus fahren als wie ankommen. Der Bauer gibt uns das OK für ein Bleiben. Besser kann es gar nicht sein nach 5 ½ Stunden durch marschieren. Vor dem Zaun aufbauen brauche tatsächlich ich auch erstmal eine Pause. S
anders dieser Pass als letztes Jahr der Lukmanier. Da hatten wir gutes Wetter und er war auch 500 Höhenmeter tiefer. Aber wir haben es geschafft. Max und Milan haben es geschafft!! Aber ein Spaß war es nicht.
Danke an alle, die auf uns aufgepasst haben.




Sonntag, 7. Juni 2020

Nufenenpass, du bist wirklich frech. Jetzt warte ich schon so lange darauf dass du endlich aufmachst, arbeite mich seid zwei Wochen Stück für Stück zu deiner Schranke vor. Im Moment trennen Ochsen und Schranke noch vier Kilometer. Heute hast du sie geöffnet, aber heißt das, dass ich gehen darf? Nein! Du schleuderst mir schlechtes Wetter entgegen. Schnee, nicht viel, aber täglich, sammelst du auch noch in den nächsten fünf Tagen auf deinem Haupte und lässt mich dadurch ziemlich unschlüssig zurück.

Eigentlich ist es zu gefährlich zu laufen. Nein, sicher ist es zu gefährlich zu laufen. Max und Milan haben keine Winterreifen. Auch sind sie sicher nicht begeistert auch ihr Futter unter Schnee zu suchen. Dazu kommt noch die damit verbundene Rutschgefahr.

Anderseits könnte auch alles gut gehen, der Schnee schmilzt oder kommt erst gar nicht oder nicht so tief wie angekündigt. Die Straßen frei. Doch wenn nicht?

Nur will ich GEHEN! Jetzt habe ich genug im Bedretto rumgedümpelt und auf vier Tage im Zelt bei Regen habe ich hier auch keine Lust. Ich kann im Moment nicht mal im Computer schreiben, da dessen Akku am sterben ist und zuviel Strom braucht, welcher bei Regenwetter nicht unendlich lieferbar ist. Jetzt gerade tippe ich ins Smartphone, aber das ist mühsam.
Gemein von dir mich entweder hier zu behalten oder auf Risiko zu gehen. Aus jedem Scheiss kommt was Gutes, was ist es diesmal??

Mittwoch, 27. Mai 2020

Neu im Team

Bevor ich jetzt irgendwas anderes erzähle, muss ich euch erstmal jemanden vorstellen. Denn ich reise seid diesem Jahr sogar in zweibeiniger Gesellschaft. Unsere Truppe hat sich um zwei Hühner erweitert.

Letzten Herbst, als ich angefangen habe zu arbeiten, hat mir mein Chef seine drei Hühner da gelassen mit den Worten, ich könne mit ihnen machen was ich will.
Ich mag zwar Eier, aber keine Hühner. Sie stinken. (Willst du mich quälen, lass mich einen Hühnerstall misten)
Deshalb habe ich auch zu ihm gesagt, ich würde sie dann eben schlachten. In den ersten zwei Wochen bin ich aber nicht dazu gekommen und dann haben sie angefangen jeden Tag ihre drei Eier zu legen und ich habe angefangen jeden Tag diese drei Eier zu essen. Und, in dem wie sie ihr freies Leben um und im Stall geführt haben, haben sie es wirklich geschafft sich in mein Herz rein zu gackern.
Da war ich selber von mir überrascht und noch mehr, als ich mir anfing Gedanken darüber zu machen, wie ich diese Hühner mit auf der Kutsche transportieren könnte. Irgendwann habe ich mich aber ganz bewusst dagegen entschieden, weil ich ja letztes Jahr durchaus öfter sehr stark an meine Grenzen des Multitaskings gekommen bin mit zwei Ochsen und zwei Hunden alleine.

Aber irgendwie ich hab den Absprung doch nicht ohne sie geschafft.
Und das Leben mit ihnen ist:
unkompliziert!
Sie haben sich wie selbstverständlich eingegliedert und machen einfach ruhig in unserem Rhytmus mit. Auf der Kutsche und Nachts sind sie in einer Hundebox untergebracht.
Erste Mittagspause on Tour
Aber am meisten Überrascht bin ich davon, wie heimelig es sich anfühlt, wenn da noch ein paar Hühner umher laufen und picken. Für alle Kinder, die zu Besuch kommen, sind sie die neuen Stars, picken mir mein Essen aus dem Topf und putzen sich auf meinem Bein sitzend.

Natürlich müssen sie jetzt auch auf unseren Bergtouren mit. Das war der Deal, den sie eingehen mussten für ihr freies Wanderleben. Denn so lange wie wir an so einem Tag unterwegs sind, will ich sie weder eingesperrt, noch frei herum laufen und sich fressen lassen ohne Hunde.
Da sind sie dann schon etwas arm. Für sie sind die Touren ein einziges Geschüttel auf dem Packsattel in einer Kiste!
Milan darf sie tragen. Er läuft ruhiger.

Aber auch das machen sie mit und freuen sich dann über junge Bergkräuter und frisches Bachwasser während der Pause.


Trotzdem: das gelegte Ei nach der ersten Bergtour war ganz schön verdellt.
Aber die darauf folgenden sind schon wieder ansehnlich.

Eines ist leider schon ziemlich bald verschwunden. Morgens um 7, obwohl beide Hund da waren. Nicht mal eine Feder hat es hinterlassen. Das war nicht so schön, weil ich nicht wusste, ob es nicht nur irgendwo ein Ei legen gegangen oder angegriffen und weggelaufen ist. Doch nach zwei Stunden warten war immer noch kein Huhn in Sicht. Dann sind wir aufgebrochen.

Ich hoffe, die anderen zwei teilen nicht auch bald ihr Schicksal. Aber egal wie alt sie werden, sie sind jetzt schon älter als all ihre anderen Kolleginnen aus dem Bio Legehennenbetrieb, aus dem sie aussortiert worden sind.