Freitag, 31. Mai 2019
Mein Becher besorgt mir eine Wiese
Stark habe ich abgespeckt mit meinem Gepäck um den Jungs einen so einfach wie möglichen Start zu ermöglichen. (Aber auch nicht stark, wie ich noch im Winter dachte, haben mir die zwei Jungs doch gezeigt, was für Energien sie haben)
Trotzdem reise ich jetzt mit nur einem Set Besteck, ohne Teller (die Pfanne tuts auch), aber zwei Bechern. Einen für mich, und einen für einen Gast (oder mehrere, dann müssen sie sich den halt teilen).
Und dieser eine Gästebecher hat aus unerfindlichen Gründen auf meiner Wiese in Sulzburg beschlossen dort zu bleiben. Zuerst dachte ich noch, er würde sich zwischen den Kisten auf der Kutsche verstecken, doch nach ein paar Tagen bekam ich eine SMS mit der Nachricht, ein Becher sei gefunden worden und ob ich noch in der Nähe sei. Da ich aber nun schon zu weit weg bin, hielt ich den Becher der Anfahrt nicht wert und schrieb zurück, dass er auch dort auf mich warten könne oder eineN neue BesitzerIn finden da ich eben schon im Raum Lörrach sei.
Wieder ein Paar Tage später, ich beginne gerade mich auf die Suche nach einer Wiese zu machen, bekomme ich eine SMS, die Arbeitskollegin der Finderin hätte ihr Pferd in Brombach in der Nähe von Lörrach stehen und könne ihn mir vielleicht vorbeibringen und mir eventuell sogar dazu noch eine Wiese organisieren.
Ich staunte nicht schlecht, denn ich hatte Brombach gerade um ca genau 200m hinter mir gelassen. Deshalb rief ich die Finderin gleich an und erzählte ihr davon, weniger aus Interesse an meinem Becher, als an einer Wiese. Auf die Frage, wo ich denn genau in Brombach sei, nannte ich die Strasse und....so stellte sich heraus: genau in dieser Strasse stand auch das Pferd der Arbeitkollegin, ca 50 Höhenmeter über dem Punkt, wo ich gerade stand und telefonierte.
Ich hatte die Abzweigung gesehen, den Hof beim Vorbeilaufen aber als zu abgelegen empfunden um nach einem eventuellen «Nein» für eine Wiese wieder alles zurücklaufen zu müssen.
Und so bekam ich wie auf dem Serviertablett geliefert, eine wunderschöne Wiese, weil ich im richtigen Moment mal mein Telefon gehört und meinen Becher vergessen hatte.
Vielen Dank dafür, Becher.
Freitag, 24. Mai 2019
Dritter Reisetag
Wir umlaufen Freiburg im Breisgau auf kleinen Strässchen. Spargel wird hier angebaut, Mais und langsam auch Wein. Der Spargel ist bereit gestochen zu werden und so sehe ich immer wieder Gruppen rumänischer oder bulgarischer WanderarbeiterInnen bei der Arbeit auf dem Feld.
Charakteristisch hier für die kleinen Strässchen sind die immer wieder vorkommenden Gitter, die quer verlaufen um Wasser abzuleiten. Milan hatte letztes Jahr grosse Angst vor ihnen, egal wie breit sie waren. Schwer hat er es gelernt, dass sie nichts fürchterliches sind, doch gegen Ende des Sommers lief er souverän darüber. Glücklich bin ich in den ersten Tagen zu sehen, dass er zumindest das über den Winter nicht verlernt hat.
Doch als wir eben wieder an einem Trupp SpargelstecherInnen vorbei laufen, teilt vor uns ein Gitter die Strasse, welches einen Meter breit ist und darunter einen halben Meter tief. Da steht auch Max stock steiff und geht keinen Schritt mehr weiter. Gott sei Dank ist es ein kleines Strässchen, welches nur für den landwirtschaftlichen Verkehr genutzt wird, denn jetzt geht gar nichts mehr mit den Ochsen. Ich rede ihnen gut zu, gebe ihnen Zeit, lass sie riechen. Ich ziehe und ziehe und treibe und treibe, aber nichts kann sie davon überzeugen einen Schritt auf das Gitter zu setzten. Die SpargelstecherInnen bekommen das langsam mit und kommen näher. Na Zuschauer haben mir eigentlich gerade noch gefehlt!
Meine nächste Idee ist Milan auszuspannen, da er ohne Kutsche eher darüber laufen sollte, und Max dann die Kutsche alleine darüber ziehen zu lassen, wenn er sieht dass Milan es gewagt hat.
Aber auch das fruchtet gar nicht, zu suspekt ist das Gitter. So froh bin ich, dass immer noch kein Auto kommt! Doch wer stattdessen kommt, sind die SpargelstecherInnen. Sie fackeln nicht lange, einige schieben sofort die Kutsche von hinten an um Max drüber zu schieben, ein anderer tritt resolut hinter Milan und versucht ihn nach vorne zu schieben. In mir zieht sich alles zusammen. So nett und mutig die Geste des Anpackens, bewundert ein Teil meines Gehirns, doch vor meinem inneren Auge sehe ich die Situation eskalieren, weil die Ochsen nun Druck von vorne durch das Gitter und Druck von hinten durch unbekannte Menschen haben. Ich sag nur: «Nein, nein, bitte nicht», mehr kann ich nicht erklären, weil eh niemand deutsch spricht.
Dann schweift mein Blick über die Kutsche und ich sehe meine blaue Sitzdecke. Schnell hole ich sie und lege sie über das Gitter. Mit nur ein bisschen gut Zureden tritt Milan darauf und auf die andere Seite. Max folgt nur wenig später und so kann ich Milan wieder an seinen Platz an der Deichsel amschirren und durchatmen. Geschafft.
Die GastarbeiterInnen lachen und winken und machen sich wieder auf zurück zur Arbeit.
Zwei Stunden später laufen wir auf unsere Wiese zu als wieder so ein breites Gitter über die Strasse liegt. Mittlerweile sind Max und Milan so müde, dass sie es erst registrieren, als Milan sogar schon mit einem Fuss drauf steht. Leider können sie sich immer noch nicht überwinden, sondern gehen wieder zurück. Auch mit der blauen Decke laufen sie nicht im Gespann, sondern nur einzeln darüber. Das geht jetzt aber schnell, wissen wir doch alle was wir zu tun haben um die Situation zu bestehen. Aber ich kann mir vorstellen, hätten wir an diesem Tag zum dritten mal ein Gitter getroffen, wären beide einfach drüber gelaufen.
Montag, 20. Mai 2019
Wieder unterwegs!
Am 15. Mai 2019, fast auf den Tag genau 6 Jahre nachdem ich mit Lothar und Piz aus Szalafö gestartet bin, habe ich den Absprung geschafft und bin wieder auf Reisen.
Und jetzt die gute Nachricht: wir leben noch! Und haben keine Verkehrsunfälle verursacht!
Nicht lachen, denn so wirklich versprechen konnte ich es nicht. Ich wusste, dass es in den ersten Tage blöde Situationen geben wird und konnte nur hoffen, dass uns in genau diesen Momenten kein Auto entgegen kommen wird.
5 Reisetage haben wir jetzt hinter uns und ich bin so stolz! Vor allem auf die Jungs, aber auch auf meinen Hunde und mich.
Schwierige Situationen gab es viele, aber entweder sie wurden mit Bravour gemeistert, oder es kam uns eben gerade KEIN Auto entgegen.
Natürlich habe ich für die ersten Tage, v.a. für die schwierigen Gefällestrecken, Waldwege gewählt und nicht die Autostrassen. Und ich bin ausschliesslich Wege gelaufen die ich kannte und somit im Vorraus die Gefahren absehen konnte. Nicht dass hier ein falsches Bild entsteht...
Aber man kann nicht alles Gefahrensituationen im Vorfeld trainieren, dafür sind sie zu vielseitig.
Doch ich wusste, dass mit jedem Tag mehr auf der Strasse, mit jeder durchlebten Situation, mit jedem gezogenen Kilometern mehr, Max und Milan erfahrener, vertrauensvoller auf mich und eben auch müder und somit zu faul werden sich vor etwas zu fürchten. Und Gott sei Dank war es auch so.
Und so bin auch ich mit jedem Tag ruhiger und freudiger geworden.
Im Magen lag mir ja v.a. die erste Etappe, vom Schillingerberg 200 Höhenmeter nach unten. Mit voller Kutsche. Wo auch noch an der ersten steilen Strecke eine Rinderherde wartete.
Und am zweiten Tag unsere erste Ortschaft, aber auf Nebenstrassen und am dritten Tag Gottenheim auf der Haupstrasse. Mit viel überholendem Autoverkehr links und Radfahrern rechts.
Doch ich hätte mir gar keine Sorgen machen brauchen, alles ist gut gegangen!
Am ersten Tag hatten wir auch unsere erste Gefahrensituation, als, natürlich gerade als es schön bergab ging, eine Windböe die Plane meiner Kutsche erfasst, im ganzen hochhob und daneben nieder legte. Das ist mir in all den Jahren noch nicht passiert.
Zuerst ist Max in die Luft gesprungen und dann nach 2m vorne, kurz danach Milan und das wars auch schon gewesen. In solchen Situationen bin ich immer froh keine Rösser zu haben.
Und ich liebe meine im letzten Jahr neu installierte Kurbelbremse! Lothar musste ja alles selber bremsen, doch von Max und Milan kann ich das noch nicht erwarten. Durch sie kann ich je nach Situation hilfreich eingreiffen. Geht es steiler bergab und wir sind im Strassenverkehr, bremse ich so stark zu, dass die Jungs gar nichts mehr bremsen müssen, sind wir ohne Verkehr, lasse ich sie einen Teil mitbremsen, weil sie es ja könne müssen und geht es nur leicht bergab lass ich sie es selber machen. So haben wir uns eigentlich gut eingearbeitet.
Mit jedem Tag muss ich in weniger Situationen die Ochsen vorsorglich streng am Halfter nehmen, weil ich weiss, dass sie auch hier entspannt weiter laufen werden. Am fünften Tag konnte ich ihnen in der früh die Schuhe anziehen und ihr Geschirr anlegen ohne sie im Vorfeld aufgehalftert und angebunden zu haben.
Wir haben LKWs, schreiende Kinder, breite Gitter und Metallplatten quer über die Strasse, viel Verkehr, Ortschaften, Baustellen, Wendemanöver und fliegende Planen erlebt.
Nach all dem kann ich zum ersten mal mit wirklicher Sicherheit sagen: Schweiz wir kommen!
Samstag, 11. Mai 2019
Frau Ungeduldig
Frau Ungeduldig, könnte man mich in den letzten Wochen fast konstant nennen.
Denn das bin ich und darüber hinaus setzte ich mich unter Druck, bekomme kalte Füsse. Es ist halt doch eine andere Nummer allein mit zwei - auch noch jungen - Ochsen loszuziehen. Und zwei Hunden, wovon einer das Reisen auch erst lernen muss.
Und die Ochsen sind nicht Lothar, auf den ich mich so verlassen konnte.
Dabei vergesse ich gerne, dass Lothar erst durch das Reisen so verlässlich wurde. Vor dem Start 2013 konnte ich genauso wenig sagen, dass es klappen wird. So wie jetzt. Lothar konnte zwar einige Sachen besser wie Max und Milan heute, doch einige auch weniger gut.
Aber diese Unsicherheit ob alles klappen wird, ist schon zermürbend. Meine Freundin sagte neulich: «Eva, was ist denn mit dir los! Sonst bist du vor dem Losreisen immer fast geschwebt vor Freude und jetzt?»
Aber sie hat mich halt auch nur erlebt nach zwei Reisejahren, wo ich einfach wusste, wie Lothar in allen Situationen reagiert und mich so uneingeschränkt freuen konnte.
Helfen tut mir meine innere Anspannung gar nicht. Im Gegenteil. Max und Milan brauchen noch meine Ruhe um selber ruhig zu sein.
Nachdem es vor ein paar Tagen noch geschneit hat, habe ich das schlechte Wetter zum weiteren Training genutzt, und für eine Probetour und bin nicht losgereist. Das haben die zwei auch noch gebraucht. Nächste Woche hingegen soll es langsam wärmer werden und dann ziehe ich los.
Eigentlich ist es dem Leben gegenüber nicht fair, dass ich angespannt bin, denn äusserlich klappt eigentlich alles. Da fühle ich mich so, als lächelt das Leben konstant auf mich herunter. Allein die Einreisegenehmigung für die Schweiz ist so ein tolles, für mich so wichtiges Wunder.
Und dann bekomme ich auch noch ein neues Zelt zum halben Preis als Unterstützung für meine Reise. Ich brauche halt doch einfach ein 100% verlässliches Zelt und die sind normalerweise gigantisch teuer.
Und Max und Milan machen so viele Sachen soo gut für ihr Alter.
Also versuche ich mich einfach selber nicht so ernst zu nehmen in meinem Rumgebrodel. Und nicht so wichtig.
Und versuche einfach in das Leben zu vertrauen, dass alles klappen wird.
Eigentlich, tief in mir drin, wenn ich da mal zuhöre, ist das auch mein Gefühl.
Und in meiner Probetour letzte Woche konnte ich ich wieder einen Hauch der Freude atmen, die ich sonst immer gespürt habe.
Denn das bin ich und darüber hinaus setzte ich mich unter Druck, bekomme kalte Füsse. Es ist halt doch eine andere Nummer allein mit zwei - auch noch jungen - Ochsen loszuziehen. Und zwei Hunden, wovon einer das Reisen auch erst lernen muss.
Und die Ochsen sind nicht Lothar, auf den ich mich so verlassen konnte.
Dabei vergesse ich gerne, dass Lothar erst durch das Reisen so verlässlich wurde. Vor dem Start 2013 konnte ich genauso wenig sagen, dass es klappen wird. So wie jetzt. Lothar konnte zwar einige Sachen besser wie Max und Milan heute, doch einige auch weniger gut.
Aber diese Unsicherheit ob alles klappen wird, ist schon zermürbend. Meine Freundin sagte neulich: «Eva, was ist denn mit dir los! Sonst bist du vor dem Losreisen immer fast geschwebt vor Freude und jetzt?»
Aber sie hat mich halt auch nur erlebt nach zwei Reisejahren, wo ich einfach wusste, wie Lothar in allen Situationen reagiert und mich so uneingeschränkt freuen konnte.
Helfen tut mir meine innere Anspannung gar nicht. Im Gegenteil. Max und Milan brauchen noch meine Ruhe um selber ruhig zu sein.
Nachdem es vor ein paar Tagen noch geschneit hat, habe ich das schlechte Wetter zum weiteren Training genutzt, und für eine Probetour und bin nicht losgereist. Das haben die zwei auch noch gebraucht. Nächste Woche hingegen soll es langsam wärmer werden und dann ziehe ich los.
Eigentlich ist es dem Leben gegenüber nicht fair, dass ich angespannt bin, denn äusserlich klappt eigentlich alles. Da fühle ich mich so, als lächelt das Leben konstant auf mich herunter. Allein die Einreisegenehmigung für die Schweiz ist so ein tolles, für mich so wichtiges Wunder.
Und dann bekomme ich auch noch ein neues Zelt zum halben Preis als Unterstützung für meine Reise. Ich brauche halt doch einfach ein 100% verlässliches Zelt und die sind normalerweise gigantisch teuer.
Und Max und Milan machen so viele Sachen soo gut für ihr Alter.
Also versuche ich mich einfach selber nicht so ernst zu nehmen in meinem Rumgebrodel. Und nicht so wichtig.
Und versuche einfach in das Leben zu vertrauen, dass alles klappen wird.
Eigentlich, tief in mir drin, wenn ich da mal zuhöre, ist das auch mein Gefühl.
Und in meiner Probetour letzte Woche konnte ich ich wieder einen Hauch der Freude atmen, die ich sonst immer gespürt habe.
Freitag, 3. Mai 2019
Max trifft seine Entscheidung
Es ist Winter.
Max und Milan kommen wieder ins selbe Winterquartier wie die letzten zwei Jahre. Sie kennen den Platz und die anderen zwei mittlerweile erwachsenen Rinder, Lotte und Britta. Nur Lothar, der unumstrittene Chef und ruhige Herdenmittelpunkt, fehlt dieses mal. .
Anfang November lasse ich Max und Milan also zu den beiden Damen auf die Wiese. Es dauert keine 5 Minuten und Max und Lotte gehen auf einander los. Nicht nur ein bisschen Rangelei, sondern mit richtigem Ernst versuchen sie einander in und durch den Zaun zu schmeissen. Da trete ich dazwischen und mache doch wieder die ganz grosse Wiese auf. Sollen sie es draussen austragen mit viel Platz.
Draussen geht es weiter. Max gegen Lotte, dann wird Milan von der viel mächtigeren Britta den Hang hinunter gedrückt. Gut, denke ich mir, Britta du musst jetzt als Älteste und Kräftigste Lothars Funktion der Herdenleitung übernehmen.
Alle Zäune bleiben erstaunlicherweise heil. Es wird viel gekämpft und dann in Grüppchen geruht. Es ist nicht ruhig, aber es funktioniert.
Nur kommt ja auch der Winter und irgendwann dürfen die Kühe nicht mehr auf der Weide sein, sonst gäbe es nächstes Jahr kein Gras sondern nur von Klauen umgepflügten Acker. So kommen die vier Herrschaften in den Offenstall mit angrenzendem Paddock. Immer noch luxeriös viel Platz für vier Rinder, doch jetzt nicht für diese Streithähne, wenn es um Futter geht.
Es wird wieder gerangelt, geschubbst und mit den Hörner gepieckst. Mal sind Lotte und Britta die Chefs und bekommen die «guten» Fressplätze, dann wieder umgekehrt. Genauso mit den favorisierten Liegeplätzen. Eimal schieben Max und Milan Britta und Lotte durch den Zaun und so finden die beiden Damen den Weg zum Stall Nachbarn. Britta hat Verletzungen davongetragen.
Bei Lotte sieht man auch immer wieder Kratzer von den Hörnern auf der Haut.
Für solche Rangkämpfe ist das Areal nicht gedacht, zu schmal der Fressgang, zu wenig Ausweichmöglichkeiten.
Und so findet sich keine Ruhe. In den ersten zwei Monaten denken wir noch irgendwann MUSS sich doch die Rangfolge geklärt haben. Aber sie wird nicht gekärt.
Im Februar dann, nachdem Lotte wieder verletzt war, reicht es, und Max und Milan kommen auf ein gesondertes Areal draussen, aber mit einer angrenzender Seite zu Lotte und Britta.
Max und Milan werden völlig verrückt als sie merken, dass sie nicht mehr zu den Rindern dürfen. Sie kämpfen wild untereinander. Reissen auch einmal den Zaun ein.
Und dann wird es richtig blöd als Britta auf einmal noch stierig wird. Daraufhin reissen Max und Milan nochmal den Zaun ein und trennen Lotte brutal von Britta. Bei dem Versuch die beiden Gruppen wieder zu trennen kommt es zu einigen unschönen Momenten.
Max ist nicht mehr normal im Kopf. Er macht komplett auf Bulle. Wenn er jemanden sieht, scharrt er in der Erde mit den Vorderfüssen, dann mit den Hörnern. Da fliegen Erdbrocken durch die Gegend. Dann schabt er seinen Hals auf der Erde und lässt ein ganz wildes Bullenbrüllen los. Ausgerichtet auf den Menschen! Seine Augen sind auch nicht mehr normal. Sie sind nur mehr weit aufgerissen und man sieht viel weiss.
Am schlimmsten ist das um die Zeit der Brünftigkeit des anderen Rindes. Dazwischen beruhigt sich die Lage immer wieder, aber entspannt würde ich es nicht nennen.
Und das höre ich alles durchs Telefon, während ich in der Schweiz arbeite. Wo ich nichts anderes tun kann als zuhören und beten dass nichts passiert. Schlimm genug die Situation so wie sie ist. Noch schlimmer, der Gedanke es passiert einem Menschen was. An erster Stelle macht mich verrückt, dass nicht ich die sein kann, die sich in Gefahr begibt, wenn es mal sein muss.
Und dann habe ich noch eine Regel: greifft mein Ochse einen Menschen böswillig an, muss er sterben. Denn hat er es einmal gemacht, kann er es immer wieder tun.
Meine Reise steht dadurch auch wieder auf dem Spiel. Ich hatte vor 8 Jahren schon mal so eine Situation mit meinem ersten - falsch kastrierten - Ochsen, der mich nach 1 1/2 Jahren Training von jetzt auf plötzlich auf die Hörner nahm. Ich weiss noch genau wie sich das anfühlt.
Solle es jetzt wieder so sein?
Noch sind es vier Wochen, die ich nicht weg kann aus der Schweiz.
Ich spüre die Angst in mir, dass was passiert, spüre was die Angst mit mir macht, dass sie mich klein macht und mich innerlich aussaugt. Tagtäglich.
So geht das nicht! Das ist kein Weg für mich! Ich muss in mir was ändern.
In meiner Not fange ich an vor dem Schlafengehen, oder auch mal dazwischen, wenn ich Zeit habe und alles ruhig ist, mich auf Max zu konzentrieren und in den Raum vor mir Worte ganz klar auszusprechen. Mehr oder weniger so:
«Max, ich möchte diesen Sommer mit dir und Milan losreisen. Das geht nur mit einem verlässlichen und ruhigen Zugochsen. Du hast die Wahl. Kommst du runter, bist nett und ruhig, darfst du mit. Bist du weiter der Bulle, dann darfst du «nach Hause gehen». Es ist deine Entscheidung! »
Und tatsächlich verändert sich in mir was mit der Zeit. Ich kann etwas tun und fühle mich wieder stärker, nicht mehr so verletzlich und schwach. Habe auch wieder mehr Vertrauen.
Und höre immer weniger über Max›s Fehlverhalten.
Ich merke, dass viel von unserem ersten Zusammentreffen abhängt. Wird der erste Kontakt gut, wird es gut und er wird durchs tägliche Training wieder runterkommen. Macht er da auf krassen Bulle...ja dann.
Es ist ein sehr eindrückliches Bild, wenn ein Tier mit so riesigen Hörnern vor dir den Bullen spielt. Ich kann nicht einschätzen, ob ich mich dann überhaupt auf ihn zutraue.
Als ich dann am 8. April endlich wieder selber vor ihm stehen kann, macht er es mir leicht. Augen weit aufgerissen lässt er sich aufhalftern (das ging im März zu einer tierärztlichen Untersuchung schon nicht mehr von einer anderen Person), kraulen und ein paar Meter führen. Das reicht mir für den ersten Abend.
Die nächsten Tage im Training sind schon spannend, weil Max und Milan einfach so viel Energie haben und aus einem Winter kommen, wo sie tagtäglich Rangkämpfen ausgesetzt waren. Das merke ich total in ihren Köpfen.
Doch Max ist nicht gefährlich. Macht er sein Bullenbrüllen, ist es nicht mehr aggressiv, klingt sogar manchmal wie ein Kälbchen wenn er mich sieht. Natürlich bekomme ich hin und wieder ein Horn ab, doch dann ist es aus Übermut, nie aus Böswilligkeit.
Und ganz langsam werden die Augen wieder kleiner und schauen wieder so aus wie von Zugochsen.
Jetzt, nach knapp vier Wochen Training ist er wieder ganz der Alte. Selbst, wenn wir mit der Kutsche an Rindern vorbei gehen, zeigt er nur die übliche Aufregung für andere Rinder, aber keinen Bullen.
Dass Britta wieder brünftig ist merke ich nur mehr an seiner Körperspannung beim Putzen, weniger Konzentration auf mich im Training und mehr Bullenbrüllen auf dem Paddock. Aber das ist es auch schon.
Er hat seine Entscheidung getroffen. Und ich bin sehr froh über seine Wahl.
Es ist so viel auf dem Spiel gestanden.
Max und Milan kommen wieder ins selbe Winterquartier wie die letzten zwei Jahre. Sie kennen den Platz und die anderen zwei mittlerweile erwachsenen Rinder, Lotte und Britta. Nur Lothar, der unumstrittene Chef und ruhige Herdenmittelpunkt, fehlt dieses mal. .
Anfang November lasse ich Max und Milan also zu den beiden Damen auf die Wiese. Es dauert keine 5 Minuten und Max und Lotte gehen auf einander los. Nicht nur ein bisschen Rangelei, sondern mit richtigem Ernst versuchen sie einander in und durch den Zaun zu schmeissen. Da trete ich dazwischen und mache doch wieder die ganz grosse Wiese auf. Sollen sie es draussen austragen mit viel Platz.
Draussen geht es weiter. Max gegen Lotte, dann wird Milan von der viel mächtigeren Britta den Hang hinunter gedrückt. Gut, denke ich mir, Britta du musst jetzt als Älteste und Kräftigste Lothars Funktion der Herdenleitung übernehmen.
Alle Zäune bleiben erstaunlicherweise heil. Es wird viel gekämpft und dann in Grüppchen geruht. Es ist nicht ruhig, aber es funktioniert.
Nur kommt ja auch der Winter und irgendwann dürfen die Kühe nicht mehr auf der Weide sein, sonst gäbe es nächstes Jahr kein Gras sondern nur von Klauen umgepflügten Acker. So kommen die vier Herrschaften in den Offenstall mit angrenzendem Paddock. Immer noch luxeriös viel Platz für vier Rinder, doch jetzt nicht für diese Streithähne, wenn es um Futter geht.
Es wird wieder gerangelt, geschubbst und mit den Hörner gepieckst. Mal sind Lotte und Britta die Chefs und bekommen die «guten» Fressplätze, dann wieder umgekehrt. Genauso mit den favorisierten Liegeplätzen. Eimal schieben Max und Milan Britta und Lotte durch den Zaun und so finden die beiden Damen den Weg zum Stall Nachbarn. Britta hat Verletzungen davongetragen.
Bei Lotte sieht man auch immer wieder Kratzer von den Hörnern auf der Haut.
Für solche Rangkämpfe ist das Areal nicht gedacht, zu schmal der Fressgang, zu wenig Ausweichmöglichkeiten.
Und so findet sich keine Ruhe. In den ersten zwei Monaten denken wir noch irgendwann MUSS sich doch die Rangfolge geklärt haben. Aber sie wird nicht gekärt.
Im Februar dann, nachdem Lotte wieder verletzt war, reicht es, und Max und Milan kommen auf ein gesondertes Areal draussen, aber mit einer angrenzender Seite zu Lotte und Britta.
Max und Milan werden völlig verrückt als sie merken, dass sie nicht mehr zu den Rindern dürfen. Sie kämpfen wild untereinander. Reissen auch einmal den Zaun ein.
Und dann wird es richtig blöd als Britta auf einmal noch stierig wird. Daraufhin reissen Max und Milan nochmal den Zaun ein und trennen Lotte brutal von Britta. Bei dem Versuch die beiden Gruppen wieder zu trennen kommt es zu einigen unschönen Momenten.
Max ist nicht mehr normal im Kopf. Er macht komplett auf Bulle. Wenn er jemanden sieht, scharrt er in der Erde mit den Vorderfüssen, dann mit den Hörnern. Da fliegen Erdbrocken durch die Gegend. Dann schabt er seinen Hals auf der Erde und lässt ein ganz wildes Bullenbrüllen los. Ausgerichtet auf den Menschen! Seine Augen sind auch nicht mehr normal. Sie sind nur mehr weit aufgerissen und man sieht viel weiss.
Am schlimmsten ist das um die Zeit der Brünftigkeit des anderen Rindes. Dazwischen beruhigt sich die Lage immer wieder, aber entspannt würde ich es nicht nennen.
Und das höre ich alles durchs Telefon, während ich in der Schweiz arbeite. Wo ich nichts anderes tun kann als zuhören und beten dass nichts passiert. Schlimm genug die Situation so wie sie ist. Noch schlimmer, der Gedanke es passiert einem Menschen was. An erster Stelle macht mich verrückt, dass nicht ich die sein kann, die sich in Gefahr begibt, wenn es mal sein muss.
Und dann habe ich noch eine Regel: greifft mein Ochse einen Menschen böswillig an, muss er sterben. Denn hat er es einmal gemacht, kann er es immer wieder tun.
Meine Reise steht dadurch auch wieder auf dem Spiel. Ich hatte vor 8 Jahren schon mal so eine Situation mit meinem ersten - falsch kastrierten - Ochsen, der mich nach 1 1/2 Jahren Training von jetzt auf plötzlich auf die Hörner nahm. Ich weiss noch genau wie sich das anfühlt.
Solle es jetzt wieder so sein?
Noch sind es vier Wochen, die ich nicht weg kann aus der Schweiz.
Ich spüre die Angst in mir, dass was passiert, spüre was die Angst mit mir macht, dass sie mich klein macht und mich innerlich aussaugt. Tagtäglich.
So geht das nicht! Das ist kein Weg für mich! Ich muss in mir was ändern.
In meiner Not fange ich an vor dem Schlafengehen, oder auch mal dazwischen, wenn ich Zeit habe und alles ruhig ist, mich auf Max zu konzentrieren und in den Raum vor mir Worte ganz klar auszusprechen. Mehr oder weniger so:
«Max, ich möchte diesen Sommer mit dir und Milan losreisen. Das geht nur mit einem verlässlichen und ruhigen Zugochsen. Du hast die Wahl. Kommst du runter, bist nett und ruhig, darfst du mit. Bist du weiter der Bulle, dann darfst du «nach Hause gehen». Es ist deine Entscheidung! »
Und tatsächlich verändert sich in mir was mit der Zeit. Ich kann etwas tun und fühle mich wieder stärker, nicht mehr so verletzlich und schwach. Habe auch wieder mehr Vertrauen.
Und höre immer weniger über Max›s Fehlverhalten.
Ich merke, dass viel von unserem ersten Zusammentreffen abhängt. Wird der erste Kontakt gut, wird es gut und er wird durchs tägliche Training wieder runterkommen. Macht er da auf krassen Bulle...ja dann.
Es ist ein sehr eindrückliches Bild, wenn ein Tier mit so riesigen Hörnern vor dir den Bullen spielt. Ich kann nicht einschätzen, ob ich mich dann überhaupt auf ihn zutraue.
Als ich dann am 8. April endlich wieder selber vor ihm stehen kann, macht er es mir leicht. Augen weit aufgerissen lässt er sich aufhalftern (das ging im März zu einer tierärztlichen Untersuchung schon nicht mehr von einer anderen Person), kraulen und ein paar Meter führen. Das reicht mir für den ersten Abend.
Die nächsten Tage im Training sind schon spannend, weil Max und Milan einfach so viel Energie haben und aus einem Winter kommen, wo sie tagtäglich Rangkämpfen ausgesetzt waren. Das merke ich total in ihren Köpfen.
Doch Max ist nicht gefährlich. Macht er sein Bullenbrüllen, ist es nicht mehr aggressiv, klingt sogar manchmal wie ein Kälbchen wenn er mich sieht. Natürlich bekomme ich hin und wieder ein Horn ab, doch dann ist es aus Übermut, nie aus Böswilligkeit.
Und ganz langsam werden die Augen wieder kleiner und schauen wieder so aus wie von Zugochsen.
Jetzt, nach knapp vier Wochen Training ist er wieder ganz der Alte. Selbst, wenn wir mit der Kutsche an Rindern vorbei gehen, zeigt er nur die übliche Aufregung für andere Rinder, aber keinen Bullen.
Dass Britta wieder brünftig ist merke ich nur mehr an seiner Körperspannung beim Putzen, weniger Konzentration auf mich im Training und mehr Bullenbrüllen auf dem Paddock. Aber das ist es auch schon.
Er hat seine Entscheidung getroffen. Und ich bin sehr froh über seine Wahl.
Es ist so viel auf dem Spiel gestanden.
Mittwoch, 1. Mai 2019
Lothar es tut mir leid. Ich habe heute das Titelbild geändert und damit auch den Text.
Zwei Ochsen, zwei Hunde, ein Mensch. Eine Reise.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dich dadurch rausgeschmissen zu haben aus unserem Projekt.
Doch das hab nicht. Du bist noch da. Heute war Quinn zu Besuch, der dich so liebt, und ist zum ersten mal mit Max und Milan mit Kutsche gefahren. Auf einmal sagte er: «Und der Lothar schwebt jetzt über uns drüber.»
Du bist noch dabei. In anderer Funktion. Als Aufpasser, Beschützer, fürs Herz. Nur im Blogtitel konnte ich das nicht würdigen. Bitte entschuldige.
Zwei Ochsen, zwei Hunde, ein Mensch. Eine Reise.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dich dadurch rausgeschmissen zu haben aus unserem Projekt.
Doch das hab nicht. Du bist noch da. Heute war Quinn zu Besuch, der dich so liebt, und ist zum ersten mal mit Max und Milan mit Kutsche gefahren. Auf einmal sagte er: «Und der Lothar schwebt jetzt über uns drüber.»
Du bist noch dabei. In anderer Funktion. Als Aufpasser, Beschützer, fürs Herz. Nur im Blogtitel konnte ich das nicht würdigen. Bitte entschuldige.
Sonntag, 28. April 2019
Wohin geht die Reise?
Nach meinen vielen Kreisen im Schwarzwald möchte ich jetzt erstmal eines: aus ihm RAUS! Seid Herbst 2014 sind meine ganzen Versuche ihn zu verlassen gescheitert. Ich hoffe diesmal klappt es, sonst werd ich hier noch alt und das möchte ich dann doch nicht. So sehr er mir auch ans Herz gewachsen ist.
Wenn ich jetzt zwei Ochsen habe, dann kann ich ja versuchen meinen lang gehegten Wunsch umzusetzen die Schweiz zu bereisen.
Schon mit Lothar wollte ich in die Berge. Nur Lothar hat mehr als deutlich klar gemacht, dass wenn ich in die Alpen möchte, ich die Kutsche selber ziehen darf. Seine eingesetzten Argumente und Druckmittel waren sehr ...naja ... überzeugend. Darüber habe ich ja geschrieben.
Und so musste ich ihn jetzt all die Jahre begraben, den Traum von den Alpen. Nicht, dass ich nicht glücklich war mit unserem Kompromiss, aber vergessen hab ich ihn nie.
Aber jetzt beginnt ja ein völlig neuer Abschnitt. Mit zwei Zugtieren und gleichbleibendem - jetzt im ersten Jahr sogar leichterem - Gewicht der Kutsche (ich trenne mich wieder von einigen meiner Luxusartikel), sollte es kein Problem mehr darstellen. Hoffe ich. (Und ich hoffe, dass Max und Milan nie Lothars Argumentation herausfinden)
Es gibt da nur eine grosse Hürde: die Grenze.
Grenzübertritte mit Rindern (also potentiellen Seuchtenträgern) sind immer heikel, selbst innerhalb der EU und jetzt geht es ja zum ersten mal aus ihr raus. Und da ich mit meinem Projekt ja auch nicht in ein Formular passe, braucht es immer viel viel Zeit und Geduld, bis ich mit meinem Anliegen auf dem Tisch einer Person lande, die es wagt zu sagen: wir machen es so und so und so.
Bis dahin gilt es aber durchzuhalten und all die Bemerkungen zu ignorieren, die sagen es könne ja nicht funktionieren aus diesen und jenen Gründen und mir Geschichten erzählen, die irgendwann realer sind als alles, was ich von den Behörden selber höre: nämlich erstmal über Wochen nix.
Der erste reale Kontakt lässt mich diesmal aber auch gleich schlucken. Mein Glück, dass dieser Mensch gar nicht für mich zuständig ist, denn er erklärt mir, ich könne ja nicht als Zirkus einreisen, da ich ja kein Zirkus sei, sondern ich müsse die Ochsen offiziell importieren (das geht nur durch ein offiziell anerkanntes Transportunternehmen für länderübgreifenden Tiertransport), dann in der Schweiz einstallen und dort die Bewilligung als reisender Zoo einholen.
Da klingeln mir dann doch die Ohren! Wie kann ich kein reisender Zirkus sein, dafür aber ein reisender Zoo?
Doch werde ich -Gott sei Dank - weitergeleitet und nehme mit dem Veterinärwesen des Kanton Aargau Kontakt auf, der von mir als Kanton zum Grenzübertritt ausgewählt worden ist und somit nach schweizer Recht die Bedingung für den Übertritt und das Reisen festlegt. Daraufhin heisst es dann erstmal wieder warten.
Irgendwo verliere ich in der ganzen Zeit den Glauben daran, dass es funktionieren kann. Schweiz ist halt doch Schweiz, wie mir immer gesagt wird und über die Monate fange ich an es zu glauben. Und so lasse ich langsam los von meinem Alpentraum und fange an mich mit Alternativen anzufreunden: Frankreich z.B. Die Vogesen hoch, dann Richtung Ardeche....Auch schön.
Doch stellt euch vor, auf einmal klappt es doch und das Veterinäramt stellt sich als nett und kooperativ heraus als es endlich Zeit findet mich zu bearbeiten und gibt mir die Bewilligung! Nach mehr als vier Monaten hat es also endlich geklappt und das auch noch zu wirklich fairen Bedingungen.
Die Schweiz also. Wahnsinn.
Samstag, 20. April 2019
Neues Herdenmitglied
Pepe schaut aus und ist ein Bergamasker Hirtenhund, genetisch aber nur zur Hälfte. Bergamasker gehören zu einer ganz alte Hirtenhundrasse, die ursprünglich mal im ganzen Alpenraum vertreten war.
Pepes andere Blutlinie bleibt ziemlich verborgen und so ist schwer zu glauben wer seine Mutter ist: nämlich Piz höchstpersönlich.
Winter letzten Jahres hat mich eine Kutscherin in Davos angesprochen, ob ich nicht Lust hätte Piz decken zu lassen mit ihrem Bergamasker Rüden.
Sie kenne die Mischung als sehr gute Arbeiter am Vieh und hätte gerne wieder Nachwuchs.
Wäre ich auf Reisen gewesen, wären Welpen nie zur Diskussion gestanden, doch mit meiner Sesshaftigkeit stand es zumindest zur Option. Mir wurde so oft gesagt, dass für die lange Gesundheit einer Hündin ein Wurf wichtig sei und so habe ich schon öfter mit dem Gedanken gespielt, war aber immer - naja- zu faul. Doch jetzt mit so einem Angebot und dadurch schon einem vergebenen Welpen habe ich mich dafür entschieden. Ich wollte mir keinen behalten, sondern erstmal schauen, wie diese Mischung wird, um sie dann eventuell in zwei Jahren nochmal decken zu lassen.
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| Das ist Vito, der Papa. |
Leider ist die Geburt nicht reibungslos verlaufen und Piz konnte aus eigener Kraft nur nur die ersten 5 zur Welt bringen. Die anderen drei wurden dann in der Tierklinik per Kaiserschnitt geholt.
Dabei habe ich Piz auch gleich kastrieren lassen. Nach den Erfahrungen der vergangen schwierigen, gefährlichen und nervenaufreibenden 36 h wollte ich eine weitere Trächtigkeit vermeiden.
Dadurch war aber auch klar, dass ich mir keinen weiteren Arbeitshundenachwuchs mehr selber züchten konnte und dass das Leben von Piz einfach nur in diesen Welpen steckt und dann zu Ende ist.
Daraufhin habe ich mich also doch entschlossen einen zu behalten und es gab für mich auch keine Wahl, es musste das einzige Weibchen sein.
Denn ich mag keine Rüden. Diese ewige Rumpisserei hatte ich noch von meinem ersten Border in schlechter Erinnerung. Dann lieber zweimal im Jahr Läufigkeit als 365 Tag Pieselei.
Doch ab dem Zeitpunkt wo die Welpen angefangen haben die Augen zu öffnen und ein bisschen aktiver zu werden, sass einfach immer dieser kleine braune, eher unscheinbare, Welpe neben mir und sagte: ich bin dein Hund.
Dabei war er sehr unaufdringlich, ruhig und beständig.
Hingegen das Weibchen hat keinen sonderlichen Kontakt zu mir aufgenommen.
Also keine leichte Entscheidung. Wen behalten? Das Mädel oder tatsächlich nen Rüden?
Nebenher ging die Suche nach guten Plätzen für die anderen los. Da viele von ihnen doch eine sehr modische Färbung hatte, also grau mit schwarzen Punkten und blau in den Augen, war die Nachfrage gross. Doch wurde meine Bedingung: sie sollen später eine Aufgabe haben, also am Tier arbeiten dürfen, so wie es in ihrer Genetik von beiden Elternseiten festgeschrieben ist, meist leider überlesen. Anfragen für Agiltiy usw waren da wie Sand am Meer, aber kaum andere.
Manchmal war ich schon versucht, dann doch ja zu sagen. V.a. mit fortschreitender Zeit und der herannahenden Winterarbeit, doch es hat geklappt, wenn auch auf die letzte Minute! Alle bis auf einen haben spätere Arbeiten. Z.B.wird einer ein Behindertenbegleithund, auch eine Aufgabe. Ein anderer wird mit walliser Schwarznasenschafen arbeiten, ein anderer hier im Schwarzwald mit Kühen und Schafen..
Was ich in der ganzen Vermittlungszeit gelernt habe ist, dass sich nicht der Mensch seinen Hund aussucht, sonder der Hund seinen Menschen.
Ich kannte ja jeden Charakter der Welpen durch unser 24h Beisammensein sehr gut, doch wenn ein Mensch kam um sich einen auszusuchen, waren sie immer unterschiedlich. Der eine, der sonst immer an vorderster Stelle war, konnte sich zurückziehen und war unscheinbar. Hingegen ein sonst Unscheinbarer ist vorne, zeigt Präsenz und schläft dann direkt vor den Füssen der Menschen ein. Natürlich wird man durch sowas beinflusst.
Genauso wie in meinem Fall. Pepe hat mich die ganze Zeit unaufdringlich umgarnt, bis ich ja gesagt habe. Natürlich habe ich dann auch noch ander Argumente versucht zu finden, die sein Bleiben bei mir rechtfertigen, aber im Grunde hat er es erarbeitet von Anfang an. Er, der Rüde.
Jetzt gilt es nicht nur Max und Milan zu trainieren, sondern auch Pepe in die Abläufe und Regeln des Reisens einzugliedern.
Er ist unser fünftes Herdenmitglied. Max, Milan, Piz, Pepe und ich ziehen dieses Frühjahr los. Zusammen.
Und das sind sie alle. Damals und z.T. heute:
Leo:
Nebia:
Pirat:
Bellmann:
Juri:
Gimmli:
Pelmot:
und Pepe:
Samstag, 13. April 2019
Willkommen in meinem Blog 2019!
Ich habe lange nichts mehr geschrieben, doch die Pause hat mir gut getan. Jetzt weiss ich es wieder zu schätzen, das Schreiben!
Denn so habe ich meine Reise, mein Leben, zumindest ein bisschen festgehalten und dadurch mit der Zeit einen detaillierteren Erinnerungsschatz als mit meinem Verräterhirn!
Ohne Blog bin einfach ein zu faules Wesen, wenn es darum geht, etwas auf Papier festzuhalten. Stattdessen denke mir: daran werde ich mich eh IMMER erinnern! Pustekuchen.
Es gibt einen sehr schönen Grund, weshalb ich wieder weiter schreibe. Denn wenn nichts mehr dazwischen kommt, werde ich noch diesen Frühling mit Max und Milan losreisen.
Es ist also soweit.
Glauben tu ich›s erst, wenn wir wirklich starten. Nach so langer Pause ist allein die Vorstellung schwierig. Unvorstellbar eine Reise ohne den kräftigen, verlässlichen, Sicherheit spendenden Lothar.
Die Entscheidung ist noch gar nicht so alt. Mein Wunsch war es ja schon immer gewesen nur zwei Jahre Pause zu machen, doch waren Max und Milan letzten Sommer immer noch so schmächtig trotz ihrer 2 1/2 Lebensjahre, dass ich mir auch über einen Aufschub Gedanken machen musste.
Alternativ hätte ich den Sommer 2019 mit Max und Milan arbeitend auf einer schweizer Alp verbringen können. Am Simplon im Wallis. Da das in den Bergen sein ja fast genauso nährend für mich ist wie das Reisen, war das Angebot im Anbetracht der Situation sehr sehr verlockend.
Andererseits hatte ich auch Bedenken.
Ich fürchtete mich davor, von einer angenehmen Sache in die Nächste zu schlittern und eines Tages aufzuwachen und zu merken, dass ich nie mehr weiter gereist bin. Dass mich schöne Gelegenheiten, Komfort, soziale Bindungen und die überall präsenten Ängste so eingelullt haben, dass ich währenddessen das Wesentliche vergessen habe.
Der Tod meines Freundes, über den ich berichtet habe, hat dann den entscheidenden Ausschlag gegeben, mich umzuentscheiden.
So kurz ist das Leben. So wertvoll zu Nutzen.
Und auf einmal hatten meine Ochsen einen Wachstumsschub, nicht nur in den Hörnern wie sonst, sondern auch mal ausnahmsweise im Körper und der hat sogar über den ganzen Winter angehalten (Kein Wunder, dass die Rasse fast ausgestorben ist, wenn sie erst mit 2 1/2 anfangen sich zu entwickeln)
Dadurch habe jetzt zwei rechte stattliche Ochsen vor mir stehen, die es gilt alleine im Griff zu haben. Und das habe ich eben- bis sich ihr Charakter gefestigt hat - am besten wenn ich reise. Wenn sie hineinwachsen in ihre Aufgaben und gleichzeitig jeden Tag pupertäre Energien in Laufen umwandeln und nicht in Blödsinn.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich ein Jahr später,gar nicht mehr getraut hätte mit ihnen alleine auf Reisen zu gehen. Die zwei sind jetzt schon ein beeindruckendes Bild!
Also passt schlussendlich doch wieder alles zusammen. So schön.
Vor der Kutsche sind Max und Milan letzten Herbst schon viel gelaufen. Unbepackt natürlich, weil sie auch noch keine Schuhe hatten. Selbst die Hauptstrasse in Ehrenkirchen mit überholenden Bussen haben sie mit Bravour gemeistert.
Also ihr lieben Menschen, ich freue mich auf meinen Sommer und darauf ihn mit euch zu teilen. Einmal die Woche werde ich wieder schreiben.
Alles Liebe!!
Eva, Piz, Max, Milan und.....
Donnerstag, 27. September 2018
Und wohin schau ich jetzt?
Zweiter Verlust
Ich kenne genau einen Menschen, der sein Leben so führt wie ich. Mit Ochsen auf der Strasse. Nein, nicht so wie ich. Immer noch konsequenter. Immer ein paar verdammte Schritte konsequenter. Es gibt noch Pferdeleute, kennen tu ich da aber auch nicht viele.
Hab ich über eine Entscheidung weg von dem, was immer so in der Luft hängt, was man tun sollte und unbedingt braucht, gehadert und gezweifelt, hab ich zu Bo geschaut. Nur um zu sehen wie er lacht und schon viel weiter gegangen ist. Mir schien es immer ohne zu zweifeln.
Es war nicht wichtig bei ihm zu sein, oder mit ihm zu reisen. Es war einfach nur wichtig dass es ihn gab und er mir dadurch in meinem Handeln eine Sicherheit gab. Dieser «junge Spund» mit grad mal 32 Jahren.
Am Sonntag morgen ist er in Frankreich vor seiner Kutsche laufend von einem Autofahrer übersehen worden und überfahren worden. Er starb noch an der Unfallstelle, alle seine Tiere blieben so gut wie unverletzt.
Sein Tod auch irgendwie wieder passend für ihn: wenn er was macht, dann ganz und gar.
14 Jahre seines Lebens, also alle Zeit nach der Schule, hat er auf der Strasse in seiner Kutsche lebend verbracht. 12 davon mit seinem Ochsen Bürök. Später kam dann noch ein Ochse und 2 Kühe dazu. Und zwei Hunde. Immer wieder mit anderen Menschen, aber dann auch immer lange Strecken allein.
12 Jahre war er nur in Ungarn unterwegs, bis er sich im letzten Jahr tatsächlich aufmachte gen Westen. Slowenien, Italien und eben jetzt gerade erst: Frankreich.
Schon irgendwie komisch. In diesem Jahr gibt es einen Zugochsen, der seine Arbeit über alles liebte und einen Ochsenmenschen, der sein Leben über alles liebte dort, woimmer man auch hinkommt.
Auch dir eine gute Reise, mein geliebter Bo.
Doch wohin schau ich jetzt wenn ich zweifel?
Zweiter Verlust
Ich kenne genau einen Menschen, der sein Leben so führt wie ich. Mit Ochsen auf der Strasse. Nein, nicht so wie ich. Immer noch konsequenter. Immer ein paar verdammte Schritte konsequenter. Es gibt noch Pferdeleute, kennen tu ich da aber auch nicht viele.
Hab ich über eine Entscheidung weg von dem, was immer so in der Luft hängt, was man tun sollte und unbedingt braucht, gehadert und gezweifelt, hab ich zu Bo geschaut. Nur um zu sehen wie er lacht und schon viel weiter gegangen ist. Mir schien es immer ohne zu zweifeln.
Es war nicht wichtig bei ihm zu sein, oder mit ihm zu reisen. Es war einfach nur wichtig dass es ihn gab und er mir dadurch in meinem Handeln eine Sicherheit gab. Dieser «junge Spund» mit grad mal 32 Jahren.
Am Sonntag morgen ist er in Frankreich vor seiner Kutsche laufend von einem Autofahrer übersehen worden und überfahren worden. Er starb noch an der Unfallstelle, alle seine Tiere blieben so gut wie unverletzt.
Sein Tod auch irgendwie wieder passend für ihn: wenn er was macht, dann ganz und gar.
14 Jahre seines Lebens, also alle Zeit nach der Schule, hat er auf der Strasse in seiner Kutsche lebend verbracht. 12 davon mit seinem Ochsen Bürök. Später kam dann noch ein Ochse und 2 Kühe dazu. Und zwei Hunde. Immer wieder mit anderen Menschen, aber dann auch immer lange Strecken allein.
12 Jahre war er nur in Ungarn unterwegs, bis er sich im letzten Jahr tatsächlich aufmachte gen Westen. Slowenien, Italien und eben jetzt gerade erst: Frankreich.
Schon irgendwie komisch. In diesem Jahr gibt es einen Zugochsen, der seine Arbeit über alles liebte und einen Ochsenmenschen, der sein Leben über alles liebte dort, woimmer man auch hinkommt.
Auch dir eine gute Reise, mein geliebter Bo.
Doch wohin schau ich jetzt wenn ich zweifel?
![]() |
| So haben wir uns kennengelertn. Ein Ochse, ein Hund und damals noch zwei Ziegen im Anhänger. |
Freitag, 25. Mai 2018
Donnerstag, 17. Mai 2018
Lieber Lothar
An den letzten 5 Tagen deines Lebens sind wir immer früh aufgestanden und langsam an den Platz gelaufen, wo du sterben wirst. Damit du alles kennst. Die Uhrzeit, den Platz, das dort angebunden Sein und die verbundenen Augen. Zumindest diese Faktoren sollten dich nicht in Unruhe versetzten.
An deinem letzten Tag bin ich dann ja ganz früh aufgestanden und hab uns ein Feuer gemacht. Gerade da ist der Mond langsam über dem Berg aufgegangen. Wir haben noch zugeschaut. Dann hab ich dich ans Halfter genommen, ganz ruhig und behutsam, und wir sind ganz ganz langsam nach vorne gegangen. Jeden einzelnen Schritt zusammen im Mondlicht geniessend als unsere letzten Schritte zusammen, als Gefährten. So ruhig war alles, wir hatten ja noch Zeit. Und das Gewahrsein füreinander.
Nachdem ich dich dann am langen Strick an den Baum gebunden habe, kam auch schon der Traktor und dadurch die Präsenz anderer Menschen.
Wir haben den Hänger für dich parat gemacht mit der Plane. Danach hab ich dich gleich ganz fest, doppelt und kurz an den Baum gebunden, damit das in keinem Zusammenhang mit der Ankunft eines Autos steht und dir noch ein paar Bananen gefüttert. Und da kam auch schon der Mensch der dich in den Himmel schicken sollte.
Wir haben nicht viel geredet. Nur ein paar Worte gewechselt und schon hast du das Schussgerät an der Stirn gehabt. Und was machst du? Du zitterst nicht mal, du rührst dich nicht, du hilfst ihm gut zu zielen Einen Moment später fällst du auf die Seite mit aller Mächtigkeit deiner verbliebenen paar hundert Kilo. Da verlier ich die Fassung ob dem was ich dir antue, kann dir nur ein paar Danke auf den Weg geben. Und schon rinnt das Blut vermischt sich mit dem Wasser um keine Verunreinigung zu unterlassen. Um dir noch ein bisschen Würde zrückzugeben löse ich mit all meiner Kraft die Knoten, die deinen Kopf noch nach oben mit dem Baum verbinden. und nehme das Hemd weg, das über deinen Augen liegt.
Es ist vorbei.
Und grad mal 5 Uhr durch.
Das Verladen ist dann ein Funktionieren, obwohl ich eh mehr nur daneben steh. Schau, dass deine Beine an den Frontlader gehängt werden und nicht noch die Dachrinne verletzt wird beim hochheben. Zuschauen. So ein schwerer Körper. Dass man das jetzt alles machen kann mit dir, Lothar?!
Dann liegst du auch schon auf dem Hänger, gut platziert gleich aufs erste Mal. Schief hängt dein Maul. Du wirst eingepackt in die Plane und fest verschnürt. Auch das lässt «du» mit dir machen. Und schon gehts los die Fahrt in den Schlachtbetrieb. Ich zeige mit dem Auto den Weg, fahre mit 20km/h dem Traktor vorran. So langsam wird es hell im Schwarzwald.
Kein Auto unterwegs.
Es ist geschafft.
Ohne Panik.
Ohne Stress.
Später dann, viel später, nachdem erstmal alles erledigt ist gehe ich zum Zelt in der Hoffnung etwas Schlaf nachzuholen. Ein Bussard fliegt tief über meinen Kopf. Sitzt du auf seinem Rücken und geniesst die neue Freihet?
Du scheinst noch so nah.
Nach den letzten immer bewölkten Tagen ist es heute nur schön. Keine Wolke. Ich will gar nicht mehr schlafen.
Die Zeit steht still.
Es gibt nur noch das Licht das durch die frühlingsgrünen Blätter scheint.
Und mich und die Weite. Und dich.
.
Es hätte nicht besser laufen können. Es hätte keinen besseren Abschied geben können.
Eine gute Reise dir, Lothar.
An den letzten 5 Tagen deines Lebens sind wir immer früh aufgestanden und langsam an den Platz gelaufen, wo du sterben wirst. Damit du alles kennst. Die Uhrzeit, den Platz, das dort angebunden Sein und die verbundenen Augen. Zumindest diese Faktoren sollten dich nicht in Unruhe versetzten.
An deinem letzten Tag bin ich dann ja ganz früh aufgestanden und hab uns ein Feuer gemacht. Gerade da ist der Mond langsam über dem Berg aufgegangen. Wir haben noch zugeschaut. Dann hab ich dich ans Halfter genommen, ganz ruhig und behutsam, und wir sind ganz ganz langsam nach vorne gegangen. Jeden einzelnen Schritt zusammen im Mondlicht geniessend als unsere letzten Schritte zusammen, als Gefährten. So ruhig war alles, wir hatten ja noch Zeit. Und das Gewahrsein füreinander.
Nachdem ich dich dann am langen Strick an den Baum gebunden habe, kam auch schon der Traktor und dadurch die Präsenz anderer Menschen.
Wir haben den Hänger für dich parat gemacht mit der Plane. Danach hab ich dich gleich ganz fest, doppelt und kurz an den Baum gebunden, damit das in keinem Zusammenhang mit der Ankunft eines Autos steht und dir noch ein paar Bananen gefüttert. Und da kam auch schon der Mensch der dich in den Himmel schicken sollte.
Wir haben nicht viel geredet. Nur ein paar Worte gewechselt und schon hast du das Schussgerät an der Stirn gehabt. Und was machst du? Du zitterst nicht mal, du rührst dich nicht, du hilfst ihm gut zu zielen Einen Moment später fällst du auf die Seite mit aller Mächtigkeit deiner verbliebenen paar hundert Kilo. Da verlier ich die Fassung ob dem was ich dir antue, kann dir nur ein paar Danke auf den Weg geben. Und schon rinnt das Blut vermischt sich mit dem Wasser um keine Verunreinigung zu unterlassen. Um dir noch ein bisschen Würde zrückzugeben löse ich mit all meiner Kraft die Knoten, die deinen Kopf noch nach oben mit dem Baum verbinden. und nehme das Hemd weg, das über deinen Augen liegt.
Es ist vorbei.
Und grad mal 5 Uhr durch.
Das Verladen ist dann ein Funktionieren, obwohl ich eh mehr nur daneben steh. Schau, dass deine Beine an den Frontlader gehängt werden und nicht noch die Dachrinne verletzt wird beim hochheben. Zuschauen. So ein schwerer Körper. Dass man das jetzt alles machen kann mit dir, Lothar?!
Dann liegst du auch schon auf dem Hänger, gut platziert gleich aufs erste Mal. Schief hängt dein Maul. Du wirst eingepackt in die Plane und fest verschnürt. Auch das lässt «du» mit dir machen. Und schon gehts los die Fahrt in den Schlachtbetrieb. Ich zeige mit dem Auto den Weg, fahre mit 20km/h dem Traktor vorran. So langsam wird es hell im Schwarzwald.
Kein Auto unterwegs.
Es ist geschafft.
Ohne Panik.
Ohne Stress.
Später dann, viel später, nachdem erstmal alles erledigt ist gehe ich zum Zelt in der Hoffnung etwas Schlaf nachzuholen. Ein Bussard fliegt tief über meinen Kopf. Sitzt du auf seinem Rücken und geniesst die neue Freihet?
Du scheinst noch so nah.
Nach den letzten immer bewölkten Tagen ist es heute nur schön. Keine Wolke. Ich will gar nicht mehr schlafen.
Die Zeit steht still.
Es gibt nur noch das Licht das durch die frühlingsgrünen Blätter scheint.
Und mich und die Weite. Und dich.
.
Es hätte nicht besser laufen können. Es hätte keinen besseren Abschied geben können.
Eine gute Reise dir, Lothar.
Donnerstag, 3. Mai 2018
Ein anderer Abschied.
Ich werde nicht mit Lothar zum Schlachthof laufen. Der Metzger schlug vor ihn hier am Hof zu schiessen. Für Lothar ist es so natürlich viel viel stressfreier und besser für die Beine. Er hätte die Strecke nicht mehr geschafft. Schade ist es aber um die gemeinsamen Tage unterwegs. Ich hatte mir so gewünscht nochmal unser Reise-Zusammensein spüren zu dürfen wenn auch nur für kurze Zeit.
Dafür ziehe ich mich zurück auf eine Wiese. Wieder einmal nur Lothar, Piz, ich, das Zelt und die Natur.
Auch um wegzukommen von allem was die Organisation mit sich brachte. Weg zu kommen vom Denken von Lothar als Ware wieder hin zu Lothar als Tier.
An einem Tag kommen drei Kinder zu Besuch. Es wird ein Lothar-Kinderabschiedsnachmittag sozusagen. Mit Lothar reiten, vielen Karotten, Äpfeln und Bananen, Steicheleinheiten und Dankesworten: «Danke Lothar, dass du mich so oft auf deinem Rücken getragen hast»
Da konnte auch Lothar nicht anders als seine müden Beine zu vergessen und nocheinmal dazusstehen wie ein junger Ochse
Doch ich schaffe es in all den Tagen nicht so bei ihm zu sein wie ich es mir eigentlich wünschen würde. Ich würde gerne unsere gemeinsame Zeit gut abrunden mit einem tiefen Beisammensein.
Doch es geht nicht.
Mit dem Ende unserer gemeinsamen Reise vor 1 1/2 Jahren sind wir schon den ersten Tod gestorben. Seid dem gab es noch viel Wertschätzung, Liebe und Respekt zwischen uns doch diese Innigkeit wie beim unterwegs sein war gewichen. Als Schutz auch, weil der entgültige Tod sich dadurch ja schon leise ankündigt hat. Diese Innigkeit jetzt in seinen letzten Tagen aufleben zu lassen ist wohl eine Illusion. Jegliches Hingehen in diese Richtung tut so weh.
Und dann sind auch noch seine beiden Kuhkolleginnen jeweils 1 1/2 Tage brünftig - versetzt natürlich- und so hat auch er nichts mehr anderes im Kopf als seine Hormone.
So kommen wir nie zusammen mit unserem Abschied!
Dann soll es also so sein. Anders als erhofft.
Ich möchte den morgigen Tag auch als einen Guten sehen.
Denn danach gibt es keine Beinschmerzen und keinen Sommer mehr mit Fliegen und Bremsen die ihn plagen. Und dafür ist es wirklich Zeit.
Ein Freudentag also auch!
Morgen also. Lass ich Lothar weiterziehen. Ohne mich.
Denkt an uns!
Ich werde nicht mit Lothar zum Schlachthof laufen. Der Metzger schlug vor ihn hier am Hof zu schiessen. Für Lothar ist es so natürlich viel viel stressfreier und besser für die Beine. Er hätte die Strecke nicht mehr geschafft. Schade ist es aber um die gemeinsamen Tage unterwegs. Ich hatte mir so gewünscht nochmal unser Reise-Zusammensein spüren zu dürfen wenn auch nur für kurze Zeit.
Dafür ziehe ich mich zurück auf eine Wiese. Wieder einmal nur Lothar, Piz, ich, das Zelt und die Natur.
Auch um wegzukommen von allem was die Organisation mit sich brachte. Weg zu kommen vom Denken von Lothar als Ware wieder hin zu Lothar als Tier.
An einem Tag kommen drei Kinder zu Besuch. Es wird ein Lothar-Kinderabschiedsnachmittag sozusagen. Mit Lothar reiten, vielen Karotten, Äpfeln und Bananen, Steicheleinheiten und Dankesworten: «Danke Lothar, dass du mich so oft auf deinem Rücken getragen hast»
Da konnte auch Lothar nicht anders als seine müden Beine zu vergessen und nocheinmal dazusstehen wie ein junger Ochse
Doch ich schaffe es in all den Tagen nicht so bei ihm zu sein wie ich es mir eigentlich wünschen würde. Ich würde gerne unsere gemeinsame Zeit gut abrunden mit einem tiefen Beisammensein.
Doch es geht nicht.
Mit dem Ende unserer gemeinsamen Reise vor 1 1/2 Jahren sind wir schon den ersten Tod gestorben. Seid dem gab es noch viel Wertschätzung, Liebe und Respekt zwischen uns doch diese Innigkeit wie beim unterwegs sein war gewichen. Als Schutz auch, weil der entgültige Tod sich dadurch ja schon leise ankündigt hat. Diese Innigkeit jetzt in seinen letzten Tagen aufleben zu lassen ist wohl eine Illusion. Jegliches Hingehen in diese Richtung tut so weh.
Und dann sind auch noch seine beiden Kuhkolleginnen jeweils 1 1/2 Tage brünftig - versetzt natürlich- und so hat auch er nichts mehr anderes im Kopf als seine Hormone.
So kommen wir nie zusammen mit unserem Abschied!
Dann soll es also so sein. Anders als erhofft.
Ich möchte den morgigen Tag auch als einen Guten sehen.
Denn danach gibt es keine Beinschmerzen und keinen Sommer mehr mit Fliegen und Bremsen die ihn plagen. Und dafür ist es wirklich Zeit.
Ein Freudentag also auch!
Morgen also. Lass ich Lothar weiterziehen. Ohne mich.
Denkt an uns!
Donnerstag, 12. April 2018
Jetzt mal alle Gefühle beiseite und ganz praktisch gedacht.
Was macht man mit 450 kg Fleisch?
Organisieren. Ich brauche einen Metzger möglichst nah vom Winterquartier, also wohl Freiamt, damit ich mit ihm hinlaufen kann. Ich brauche idealerweise jemanden, der sagt er nimmt die Hälfte vom Lothar. Denn dadurch bekäme ich einen Teil der Schlacht- und Weiterverarbeitungskosten wieder rein und es würde die Menge des mir verbleibenden Fleisches auf überschaubare 225kg reduzieren.
Gibt es noch Gerbereien in Deutschland für das Fell? Und kann mir jemand den Schädel präparieren? Und will ich das alles überhaupt?
Im Februar also, als ich eh zum jährlichen Klauenschneiden im Schwarzwald bin, fahre ich auch gleich beim ersten Metzger vorbei. Klingeln. Sprechen. Über Lothar, der eine Ware wird..
Interesse am Fleisch von Lothar ist keines Vorhanden. Auch bei drei anderen Metzgern nicht mit denen ich noch spreche. «Zu alt» heisst es überall. Irgendwas mache ich falsch. Mir geht es nicht um einen bestimmten Preis für sein Fleisch sondern um die Wertschätzung der Qualität. Ochsenfleisch welches sich über Kilometer und Kilometer geformt, gebildet, gestärkt hat.
Aber das interessiert nicht. Nur das Alter und das ist eben «zu alt».
Irgendwie würde es auch ohne einen Abnehmer gehen. Dann wird die ganze Aktion halt kostspielig. Ein Kilo Fleisch zu Salami verarbeiten kostet über 3 Euro. Das ganze mal 450...Aber andererseits wofür arbeite ich im Winter? Da kann ich mein Geld auch so einsetzten. Sinnvoll.
Die fertige Wurst, anderes als eine ganze Lothar Hälfte, kann ich nicht verkaufen. Die kann ich nur verschenken.
Aber dann findet sich doch noch jemanden. Mal wieder über den Freund, der mir eh bei so vielem zur Seite steht. Mit Traktor, Wiese und Gesprächen.
Eine Erleichterung.
So bin ich jetzt erst mal zufrieden mit dem Stand der Dinge. Gefühllos lässt es sich gut organisieren. Nur manchmal, wenn ich nicht aufpasse, will eine grosse Welle an Taurigkeit in mir aufsteigen. Doch das lass ich nicht zu und drücke dagegen. Noch ist nicht Zeit dafür.
Und wenn dann alles verarbeitet und gefertigt ist, das Fleisch, das Fell, der Schädel, ja dann geh ich wieder auf Tour. Mit dem Auto und Lothar im Kofferraum. Und besuche auf ein Neues einige Orte unserer vergangenen 6 Jahre. Und so wie Lothar mit der Kutsche Begegnung geschaffen hat, so wird nun noch einmal durch ihn Begegnung stattfinden.
Was macht man mit 450 kg Fleisch?
Organisieren. Ich brauche einen Metzger möglichst nah vom Winterquartier, also wohl Freiamt, damit ich mit ihm hinlaufen kann. Ich brauche idealerweise jemanden, der sagt er nimmt die Hälfte vom Lothar. Denn dadurch bekäme ich einen Teil der Schlacht- und Weiterverarbeitungskosten wieder rein und es würde die Menge des mir verbleibenden Fleisches auf überschaubare 225kg reduzieren.
Gibt es noch Gerbereien in Deutschland für das Fell? Und kann mir jemand den Schädel präparieren? Und will ich das alles überhaupt?
Im Februar also, als ich eh zum jährlichen Klauenschneiden im Schwarzwald bin, fahre ich auch gleich beim ersten Metzger vorbei. Klingeln. Sprechen. Über Lothar, der eine Ware wird..
Interesse am Fleisch von Lothar ist keines Vorhanden. Auch bei drei anderen Metzgern nicht mit denen ich noch spreche. «Zu alt» heisst es überall. Irgendwas mache ich falsch. Mir geht es nicht um einen bestimmten Preis für sein Fleisch sondern um die Wertschätzung der Qualität. Ochsenfleisch welches sich über Kilometer und Kilometer geformt, gebildet, gestärkt hat.
Aber das interessiert nicht. Nur das Alter und das ist eben «zu alt».
Irgendwie würde es auch ohne einen Abnehmer gehen. Dann wird die ganze Aktion halt kostspielig. Ein Kilo Fleisch zu Salami verarbeiten kostet über 3 Euro. Das ganze mal 450...Aber andererseits wofür arbeite ich im Winter? Da kann ich mein Geld auch so einsetzten. Sinnvoll.
Die fertige Wurst, anderes als eine ganze Lothar Hälfte, kann ich nicht verkaufen. Die kann ich nur verschenken.
Aber dann findet sich doch noch jemanden. Mal wieder über den Freund, der mir eh bei so vielem zur Seite steht. Mit Traktor, Wiese und Gesprächen.
Eine Erleichterung.
So bin ich jetzt erst mal zufrieden mit dem Stand der Dinge. Gefühllos lässt es sich gut organisieren. Nur manchmal, wenn ich nicht aufpasse, will eine grosse Welle an Taurigkeit in mir aufsteigen. Doch das lass ich nicht zu und drücke dagegen. Noch ist nicht Zeit dafür.
Und wenn dann alles verarbeitet und gefertigt ist, das Fleisch, das Fell, der Schädel, ja dann geh ich wieder auf Tour. Mit dem Auto und Lothar im Kofferraum. Und besuche auf ein Neues einige Orte unserer vergangenen 6 Jahre. Und so wie Lothar mit der Kutsche Begegnung geschaffen hat, so wird nun noch einmal durch ihn Begegnung stattfinden.
Sonntag, 11. März 2018
Ich habe traurige Neuigkeiten.
Lothar ging es über den Winter nicht gut. Die Kälte hat seinem kranken Bein so zugesetzt, dass er immer wieder schmerzhafte Entzündungsschübe bekommen hat, die ihm das Laufen zur Qual gemacht haben.
Dünn ist er geworden über die letzten Monate. Auch die Lebensfreude und das Interesse an seinem Umfeld sind zeitenweise aus seinen Augen gewichen.
So habe ich beschlossen, dass es diesen Frühling Zeit ist mich zu verabschieden von meinem grossen treuen Freund.
Ich könnte ihm auch noch diesen Sommer geben, wo es sicher wieder weniger schmerzhaft ist wegen der Wärme. Aber die Anzeichen deuten darauf hin, dass es dann vielleicht auf einmal sehr schnell gehen muss. Und das möchte ich nicht. Lieber auf unsere Art und Weise. Langsam, mit Ruhe und Zeit.
Es gibt keinen Friedhof für Ochsen, gar nicht zu sprechen von einem Ort, wo er begraben werden kann und ich mich irgendwann zu ihm geselle. Deshalb werde ich ihn schlachten lassen. Und ihn essen und das übrige Fleisch verschenken an all die Leute, die Teil genommen haben an seinem Lebensweg.
Vielleicht ist es auch mein letzter verzweifelter Versuch mich nocheinmal mit ihm verbunden zu fühlen.
Alles was ich mit Lothar machen werde wird in absoluter Dankbarkeit, mit Respekt und Würde für ihn und mit ihm geschehen.
Aber es wird nichts aan der Tatsache ändern, dass unser gemeinsamer Weg zu Ende ist.
Egal wie mein Weg weiter geht mit Max und Milan, die Verbindung und das Erlebte mit Lothar wird einzigartig bleiben und mich auf ewig mit tiefer Dankbarkeit und Erstaunen erfüllen. Und ich hoffe, dass ich das, was er mich gelehrt hat in den gemeinsamen sechs Jahren, weitertragen kann und ausbauen.
Lothar ging es über den Winter nicht gut. Die Kälte hat seinem kranken Bein so zugesetzt, dass er immer wieder schmerzhafte Entzündungsschübe bekommen hat, die ihm das Laufen zur Qual gemacht haben.
Dünn ist er geworden über die letzten Monate. Auch die Lebensfreude und das Interesse an seinem Umfeld sind zeitenweise aus seinen Augen gewichen.
So habe ich beschlossen, dass es diesen Frühling Zeit ist mich zu verabschieden von meinem grossen treuen Freund.
Ich könnte ihm auch noch diesen Sommer geben, wo es sicher wieder weniger schmerzhaft ist wegen der Wärme. Aber die Anzeichen deuten darauf hin, dass es dann vielleicht auf einmal sehr schnell gehen muss. Und das möchte ich nicht. Lieber auf unsere Art und Weise. Langsam, mit Ruhe und Zeit.
Es gibt keinen Friedhof für Ochsen, gar nicht zu sprechen von einem Ort, wo er begraben werden kann und ich mich irgendwann zu ihm geselle. Deshalb werde ich ihn schlachten lassen. Und ihn essen und das übrige Fleisch verschenken an all die Leute, die Teil genommen haben an seinem Lebensweg.
Vielleicht ist es auch mein letzter verzweifelter Versuch mich nocheinmal mit ihm verbunden zu fühlen.
Alles was ich mit Lothar machen werde wird in absoluter Dankbarkeit, mit Respekt und Würde für ihn und mit ihm geschehen.
Aber es wird nichts aan der Tatsache ändern, dass unser gemeinsamer Weg zu Ende ist.
Egal wie mein Weg weiter geht mit Max und Milan, die Verbindung und das Erlebte mit Lothar wird einzigartig bleiben und mich auf ewig mit tiefer Dankbarkeit und Erstaunen erfüllen. Und ich hoffe, dass ich das, was er mich gelehrt hat in den gemeinsamen sechs Jahren, weitertragen kann und ausbauen.
Schön, dass es am Himmel das Sternbild des grossen Wagens gibt. Er wird für mich eine Verbindung sein. Vielleicht gibt es ich darin ja bald einen neuen Stern.
Freitag, 27. Oktober 2017
Jetzt sind wir wieder soweit. Meine erste sesshafte Saison mit Ochsen ist zu Ende. Ich hab mich eingelassen und alles gemacht, was ich sonst die letzten Sommer nicht machen konnte und vermisst habe.
Doch so sehr ich es tatsächlich genossen habe, hat dieses Leben mich nicht so getragen und genährt wie das Leben unterwegs.
Das ist ja erstmal nicht schlecht.
Denn so weiss ich nur noch besser, was ich will und brauche und was mir auch tief drinnen gut tut.
Noch zwei Winter und einen Sommer, dann dürften Max und Milan gross genug sein, zumindest mit einer kleinen leichten Kutsche unterwegs sein zu können. Für meine jetzige Kutsche bräuchte es wohl noch ein Jahr mehr. Aber es geht ja auch mit weniger Hab und Gut.
Zu denken gibt mir meine Krankheits- und Unfallserie diesen Sommer, welche leider immer noch andauert. Jetzt Mitte Oktober hat sich der Zeh nochmal entzündet von innen heraus und mich dadurch wieder einen Monat in der Heilung zurückgeworfen.
Ich glaube nicht, dass mir das Schicksal böses will, aber ich seh noch nicht so recht, wo es mich hinführt damit.
Es bringt mich ins Nachdenken und die Gedanken gehen dann manchmal in die Richtung: ob es nicht Zeit wäre noch einen Schritt weiter zu gehen mit dieser Art zu leben. Nein, eigentlich nicht weiter, sondern nochmal zurück an den Anfang.
Wo ich mich ohne Sicherheiten auf dieses Leben eingelassen habe ohne Geld in der Hinterhand und ohne zu wissen, wo ich nächsten Winter sein werde.
Denn das hat sich schon geändert. Jetzt weiss ich wo meine Ochsen sein werden, jetzt weiss ich, wo ich sein werde. So toll das ist, weil es mir ja den Sommer um mehr als einen Monat verlängert, da die Suche wegfällt, so hat es mich auch weggeführt von der Intensität des absoluten unbedingten Einlassens.
Im ersten Jahr war es ja wirklich wie der Versuch auf Wasser zu laufen.
Aber ob ich es schaffe mich nochmal von allen Sicherheiten zu lösen, sprich auch eventuell mal auf meine tollen schweizer Franken im Winter zu verzichten?
Manchmal kann ich die Menschen verstehen, die früher, oder gar heute, sich nur mit einer Schicht Kleidung auf dem Leib auf den Weg gemacht haben. Weil mit jedem Weniger an Besitz, ein Mehr an Intensität und Begegnung mit Menschen, der Natur und dem Leben entsteht.
Aber so weit werd ich dann doch nicht gehen. Denn ohne Ochsen.....
Am Sonntag gehts wieder nach Davos. 18 Kühe und deren Nachzucht melken und versorgen. Darauf freue ich mich.
Und ich kenne eine, die sich wahrscheinlich noch mehr freut: die Piz, die dieses Jahr sehr darunter gelitten hat, dass es weder Arbeit noch Reisen gab. Sie wird mir wieder helfen im Stall. Sie wird sich wieder aufs frische Fleisch stürzen, was die Bäuerin so oft für sie bereit hält. Und sie wird wieder stundenlang vor der Pferdekutsche laufen auf dem Weg ins wunderbare Sertigtal. Und somit sowohl geistig als auch körperlich endlich wieder ausgelastet sein.
Und ich trete dadurch in mein zweites Leben ein, welches geprägt ist von Struktur und dem Wissen was morgen ist.
Mein Blog wird nächstes Jahr wohl pausieren. Mir gefällt es nicht, wenn ich nur mittelprächtige Texte online stelle. Da stell ich lieber keine und warte bis wir wieder unterwegs sind und ich wieder Muse habe.
Ich wünsche euch allen eine ganz gute Zeit!
Doch so sehr ich es tatsächlich genossen habe, hat dieses Leben mich nicht so getragen und genährt wie das Leben unterwegs.
Das ist ja erstmal nicht schlecht.
Denn so weiss ich nur noch besser, was ich will und brauche und was mir auch tief drinnen gut tut.
Noch zwei Winter und einen Sommer, dann dürften Max und Milan gross genug sein, zumindest mit einer kleinen leichten Kutsche unterwegs sein zu können. Für meine jetzige Kutsche bräuchte es wohl noch ein Jahr mehr. Aber es geht ja auch mit weniger Hab und Gut.
Zu denken gibt mir meine Krankheits- und Unfallserie diesen Sommer, welche leider immer noch andauert. Jetzt Mitte Oktober hat sich der Zeh nochmal entzündet von innen heraus und mich dadurch wieder einen Monat in der Heilung zurückgeworfen.
Ich glaube nicht, dass mir das Schicksal böses will, aber ich seh noch nicht so recht, wo es mich hinführt damit.
Es bringt mich ins Nachdenken und die Gedanken gehen dann manchmal in die Richtung: ob es nicht Zeit wäre noch einen Schritt weiter zu gehen mit dieser Art zu leben. Nein, eigentlich nicht weiter, sondern nochmal zurück an den Anfang.
Wo ich mich ohne Sicherheiten auf dieses Leben eingelassen habe ohne Geld in der Hinterhand und ohne zu wissen, wo ich nächsten Winter sein werde.
Denn das hat sich schon geändert. Jetzt weiss ich wo meine Ochsen sein werden, jetzt weiss ich, wo ich sein werde. So toll das ist, weil es mir ja den Sommer um mehr als einen Monat verlängert, da die Suche wegfällt, so hat es mich auch weggeführt von der Intensität des absoluten unbedingten Einlassens.
Im ersten Jahr war es ja wirklich wie der Versuch auf Wasser zu laufen.
Aber ob ich es schaffe mich nochmal von allen Sicherheiten zu lösen, sprich auch eventuell mal auf meine tollen schweizer Franken im Winter zu verzichten?
Manchmal kann ich die Menschen verstehen, die früher, oder gar heute, sich nur mit einer Schicht Kleidung auf dem Leib auf den Weg gemacht haben. Weil mit jedem Weniger an Besitz, ein Mehr an Intensität und Begegnung mit Menschen, der Natur und dem Leben entsteht.
Aber so weit werd ich dann doch nicht gehen. Denn ohne Ochsen.....
Am Sonntag gehts wieder nach Davos. 18 Kühe und deren Nachzucht melken und versorgen. Darauf freue ich mich.
Und ich kenne eine, die sich wahrscheinlich noch mehr freut: die Piz, die dieses Jahr sehr darunter gelitten hat, dass es weder Arbeit noch Reisen gab. Sie wird mir wieder helfen im Stall. Sie wird sich wieder aufs frische Fleisch stürzen, was die Bäuerin so oft für sie bereit hält. Und sie wird wieder stundenlang vor der Pferdekutsche laufen auf dem Weg ins wunderbare Sertigtal. Und somit sowohl geistig als auch körperlich endlich wieder ausgelastet sein.
Und ich trete dadurch in mein zweites Leben ein, welches geprägt ist von Struktur und dem Wissen was morgen ist.
Mein Blog wird nächstes Jahr wohl pausieren. Mir gefällt es nicht, wenn ich nur mittelprächtige Texte online stelle. Da stell ich lieber keine und warte bis wir wieder unterwegs sind und ich wieder Muse habe.
Ich wünsche euch allen eine ganz gute Zeit!
Noch ein paar Bilder aus 2017
Dienstag, 17. Oktober 2017
Lothars Abschiedsgruss
Das sich Verabschieden vor der Winterpause ist schon immer speziell. Ich erklär meinen Ochsen in klaren Worten jedes Mal die Situation so wie sie ist. Und wünsche ihnen einen schönen Winter in netter Kuhgesellschaft.
Diese bunte Herde ist ein schöner Anblick: ein mächtiger schwarzbunter Ochse, ein dunkelbraunes Originalbraunviehrind, eine grosse graue Brownswisskuh, und dazwischen die zwei kleinen Steppenrinderochsen. Alle behornt.
Max und Milan sind mit dem Ablauf von Sommer und Winterprogramm noch nicht so vertraut, sind noch so jung und mit dem Wesen der Vergänglichkeit nicht so bekannt, doch für Lothar ist es ja nun das 5. Winterquartier seid unserer Losreise. Er weiss was los ist, er kennt den Rhythmus.
Leider ist er ja kein Knuddeltier. Mein Impuls wäre ja immer ihn zu küssen und zu drücken, doch was solls wenn er es nicht mag und so setze ich mich nach meinem Vortrag im Abstand von 2 Metern neben ihn und schaue einfach auf den gegeüberliegenden Hügel der sich dieses Jahr in so schöne Herbsfarben schmückt.
Er liegt und käut noch eine Weile weiter. Dann steht er auf und bleibt stehn, den Körper in meine Richtung ausgerichtet. Und so alle paar Minuten nimmt er einen Schritt auf mich zu, in aller Ruhe weiter wiederkäuend. Ich schaue ihn nicht an, denn auch dieser Kontakt ist ihm manchmal zu direkt, sondern nehm ihn einfach wahr. Irgendwann ist sein Kopf in Höhe meines Knies meiner angezogenen Beine. Und Schritt für Schritt geht er weiter bis sein Kopf rechts von mir und sein Körper links von mir steht, keinen halben Meter vor meiner Nase. Mein Blick, der immer noch geradeaus gerichtet ist sieht jetzt im oberen Teil den schwarzen Bogen von Lothars Hals und im unteren Teil immer noch den schönen Hügel. So bleiben wir eine Weile.
Dann dreht er seinen Kopf zu mir und drückt mir sein Maul an die Backe.
Und geht um mit seiner Herde zusammen zu grasen.
Mittwoch, 4. Oktober 2017
Durch den Unfall hab ich nie erwähnt, wie toll sich Max und Milan entwickelt haben. Der Rhythmus den die Baustelle vorgegeben hat und der auf uns die Auswirklung hatte, dass wir zu den selben Tageszeiten die gleichen Strecken liefen, dann warten oder fressen konnten, hat aus den zwei Kleinen zwei passable Zugochsen gemacht. Kühe lieben Rhythmus. Mit ihren 1 1/2 Jahren laufen sie frei hinter mir her, das Leitseil über das Joch gelegt, lenken sich über Stimm- Sicht- oder Drucksignal, warten auf der Strasse im Joch ohne zum saftig grünen Strassenrand zu laufen und wissen dass man manchmal auf den Seitenstreifen oder in die Wiese ausweichen muss. Sie geben die Beine, lassen sich anschirren, kennen das Ziehen einer Kutsche «beladen» und unbeladen, bergauf und bergab. Und Gott sei Dank haben sie auch in ihrem zweiten Lebensjahr nie versucht durchzugehen.
Nur andere Ortschaften wie dort wo die Baustelle ist konnten wir jetzt nicht mehr üben. Aber dafür haben wir auch noch Zeit.
Nur andere Ortschaften wie dort wo die Baustelle ist konnten wir jetzt nicht mehr üben. Aber dafür haben wir auch noch Zeit.
Heijeijei. Jetzt ist schon wieder so viel Zeit vergangen seid meinem letzten Eintrag.
Es tut mir wirklich leid, aber scheints bin ich ein reiner Reiseschreibemensch.
Mein Zeh ist immer noch dran. Und schaut schon wieder mehr aus wie ein echter rosiger eigener Zeh und nicht wie eine Wunde oder Gehacktes oder Ähnliches. Selbst die oberste Hautschicht zwischen Naht und Nagel, die schwarz war, hat sich mittlerweile von unten her erneuert und konnte abfallen.
So mobil wie vorher bin ich immer noch nicht. Aber zumindest schon fast. Längere Strecken laufen geht nur dann, wenn der Rest vom Tag ruhig ist. Und Pausen brauchts dazwischen.
Sobald ichs mir einigermassen zutrauen konnte bin ich hinter ins Tälchen, hab die Mäuse aus meiner Kutsche ausgesiedelt und mein Zeug zusammengesucht. Ein paar Tage später habe ich sie tausend Tode sterbend mit einem Traktor rausgezogen. Der Weg dorthin ist abschüssig und oberhalb eines z.T steilen Hangs. Doch dieser Teil hat reibungslos geklappt.
Nur danach nicht mehr, als ich auf öffentlichen Strasse unterwegs war und 90 Grad Kurven fahren wollte. Da hat die Deichsel zunächst geknackt und sich verbogen um dann auch noch zu splittern.
Alles wegen meiner Ignoranz.
Ich hatte die Kutsche schon zweimal mit einem Traktor transportiert, also wieso sollte es jetzt nicht klappen? Und mit dieser Uneinsicht hab ichs einfach zu oft probiert. Aber wie ich jetzt gelernt habe, geht es rein technisch gar nicht mit einer fest am Zugfahrzeug angebundenen Deichselschere um eine Kurve zu fahren. Ich hatte die anderen zwei Mal mit der zu ziehenden Strecke einfach nur Glück gehabt!
Und so hab ich jetzt Lothars Deichsel ruiniert, mit der er meine Kutsche die letzten 5 Jahre gezogen hat und die ich extra für das Projekt gebaut hatte. Schlechtes Omen, aber zu Lothars Zustand passend.
Ich habe mich entschlossen in dieser eh durchaus etwas komischen Saison schon in den letzten zwei Septemberwochen die Kutsche winterfest zu machen. Also alle Decken, Kleider, Zaunpfähle, Planen usw zu waschen, zu sortieren in was ich über den Winter noch brauche, alles Leder zu putzen, zu ölen und zu fetten, auszusortieren, und schlussendlich alles mäusesicher, feuchtigkeitssicher und platzsparend zu verpacken.
Mein Jahresabschluss hat immer mit Ordnung in der Kutsche zu tun.
Es tut mir wirklich leid, aber scheints bin ich ein reiner Reiseschreibemensch.
Mein Zeh ist immer noch dran. Und schaut schon wieder mehr aus wie ein echter rosiger eigener Zeh und nicht wie eine Wunde oder Gehacktes oder Ähnliches. Selbst die oberste Hautschicht zwischen Naht und Nagel, die schwarz war, hat sich mittlerweile von unten her erneuert und konnte abfallen.
So mobil wie vorher bin ich immer noch nicht. Aber zumindest schon fast. Längere Strecken laufen geht nur dann, wenn der Rest vom Tag ruhig ist. Und Pausen brauchts dazwischen.
Sobald ichs mir einigermassen zutrauen konnte bin ich hinter ins Tälchen, hab die Mäuse aus meiner Kutsche ausgesiedelt und mein Zeug zusammengesucht. Ein paar Tage später habe ich sie tausend Tode sterbend mit einem Traktor rausgezogen. Der Weg dorthin ist abschüssig und oberhalb eines z.T steilen Hangs. Doch dieser Teil hat reibungslos geklappt.
Nur danach nicht mehr, als ich auf öffentlichen Strasse unterwegs war und 90 Grad Kurven fahren wollte. Da hat die Deichsel zunächst geknackt und sich verbogen um dann auch noch zu splittern.
Alles wegen meiner Ignoranz.
Ich hatte die Kutsche schon zweimal mit einem Traktor transportiert, also wieso sollte es jetzt nicht klappen? Und mit dieser Uneinsicht hab ichs einfach zu oft probiert. Aber wie ich jetzt gelernt habe, geht es rein technisch gar nicht mit einer fest am Zugfahrzeug angebundenen Deichselschere um eine Kurve zu fahren. Ich hatte die anderen zwei Mal mit der zu ziehenden Strecke einfach nur Glück gehabt!
Und so hab ich jetzt Lothars Deichsel ruiniert, mit der er meine Kutsche die letzten 5 Jahre gezogen hat und die ich extra für das Projekt gebaut hatte. Schlechtes Omen, aber zu Lothars Zustand passend.
Ich habe mich entschlossen in dieser eh durchaus etwas komischen Saison schon in den letzten zwei Septemberwochen die Kutsche winterfest zu machen. Also alle Decken, Kleider, Zaunpfähle, Planen usw zu waschen, zu sortieren in was ich über den Winter noch brauche, alles Leder zu putzen, zu ölen und zu fetten, auszusortieren, und schlussendlich alles mäusesicher, feuchtigkeitssicher und platzsparend zu verpacken.
Mein Jahresabschluss hat immer mit Ordnung in der Kutsche zu tun.
Samstag, 26. August 2017
In mir ist eine stetige Sehnsucht mich zu weiten. Meine Grenzen, die mir mein Körper setzt aufzulösen. Ich möchte lernen zu sehen, zu spüren wie alles zusammenhängt. Wie der Stern mit dem Stein, der Mensch mit dem Himmel, das Blatt mit dem Licht zusammenhängt. Ich möchte diese Verwobenheit spüren können. Eins sein und zwei zugleich.
Oft fühl ich mich als wär ich blind obwohl ich sehen kann. Als wäre über mir eine Glocke, die mich daran hindert wirklich alle Sinne zu gebrauchen.
Ich bin kein Mensch der sich in dieser Hinsicht gern einer äusserlichen Führung anvertraut. Aber im Grunde brauchts das auch nicht. In einem selber ist so erstaunlich viel Wissen drin. Man muss es nur schaffen dranzukommen und es freizulegen.
Es ist nur ein sooo langsamer Prozess. Ersmal muss ich ganz tief in die Ruhe kommen und dann realisieren dass da was ist. Dann sacken lassen, überprüfen und meistens bin ich dann schon wieder abgelenkt und so verläuft sichs wieder im Sande.
Äussere Umstände sind da ein Faktor, aber auch die Macht der Gedanken. Ich möchte den Zustand ausweiten, in dem ich die Gedanken als sinnvolles Handwerkszeug einsetzte, und ihn alltagstauglich festigen. Wie ichs auch mit meinen Händen und Füssen mache. Sie zu gebrauchen wenns nötig ist und sonst ruhen zu lassen. Meine Hände drehen ja auch nicht unkrontrolliert im Kreise, wenn ich sie mal grad nicht benutze. Genause möchte ich, dass meine Gedanken ganz ruhig sein können um anderem Platz und Raum zum Ausdruck zu geben.
Oft fühl ich mich als wär ich blind obwohl ich sehen kann. Als wäre über mir eine Glocke, die mich daran hindert wirklich alle Sinne zu gebrauchen.
Ich bin kein Mensch der sich in dieser Hinsicht gern einer äusserlichen Führung anvertraut. Aber im Grunde brauchts das auch nicht. In einem selber ist so erstaunlich viel Wissen drin. Man muss es nur schaffen dranzukommen und es freizulegen.
Es ist nur ein sooo langsamer Prozess. Ersmal muss ich ganz tief in die Ruhe kommen und dann realisieren dass da was ist. Dann sacken lassen, überprüfen und meistens bin ich dann schon wieder abgelenkt und so verläuft sichs wieder im Sande.
Äussere Umstände sind da ein Faktor, aber auch die Macht der Gedanken. Ich möchte den Zustand ausweiten, in dem ich die Gedanken als sinnvolles Handwerkszeug einsetzte, und ihn alltagstauglich festigen. Wie ichs auch mit meinen Händen und Füssen mache. Sie zu gebrauchen wenns nötig ist und sonst ruhen zu lassen. Meine Hände drehen ja auch nicht unkrontrolliert im Kreise, wenn ich sie mal grad nicht benutze. Genause möchte ich, dass meine Gedanken ganz ruhig sein können um anderem Platz und Raum zum Ausdruck zu geben.
Freitag, 18. August 2017
Seid eineinhalb Wochen lieg ich und lieg und lieg. Nach 4 Tagen Krankenhaus mittlerweile im Haus von Freunden, die im Urlaub sind.
Erfreulicherweise ist mir nicht langweilig. Die Zeit ist zwar zäher, dehnbarer, aber wird mir nicht zu viel. Mit dem täglichen sich umsorgen (obwohl ich mich gar nicht ums Essen kümmern muss), Kindern vorlesen, Akkordeon spielen, lesen und schlafen ist der Tag auch schnell rum und hat seinen ganz eigenen Rhytmus gefunden.
Auf meiner Kutsche gäb es viel Arbeit für mich, doch meine Kutsche ist unerreichbar fern. Und die netten Leute, die bisher den langen Weg dorthin auf sich genommen haben, habe ich nur um das Wesentliche geschickt. Denn das ist anstrengend genug, wenn man keinen Ochsen hat, ders für einen erledigt. Zu Wesentlich zählt definitiv mein komplettes Bettzeug, das Akkordeon, damits sicher keine Nässe abbekommt, der Computer und ein paar Kleidungstücke.
Sehr schmunzlen musste ich über mein Patenkind, für den es sehr wichtig war auch alleine raus in mein Tälchen zu ziehen um mir was zu holen. Er bot sogar an den Bollerwagen nach hinten zu ziehen um viel holen zu können. Schlussendlich schnallte er sich aber nur seinen Kinderrucksack um und zog los mit dem Auftrag mir Kleidung zu holen. Nach einer Stunde war er wieder da. Sehr stolz. Als ich den kleinen Rucksack aufmache und die ersten Sachen rausziehe, sagt er: «das ist erstmal noch mein Zeug». Als erstes kam sein Stoffbär zu Tage, dann zwei seiner momentanen LieblingsDVD und dann noch eine Tüte Schokolade, die er auf dem Weg dorthin geschenkt bekommen hat. Damit war der Rucksack schon wieder halb leer. Für mich kam noch 1 TShirt, 1 Pulli, meine blaue Wolljacke, 2 paar Socken und ein paar Unterhosen hervor. Aber immerhin.
Alles andere wartet im Tälchen auf mich und harrt der Dinge. Wenn ich an meinen «Kühlschrank» denke, also ein Fass im Bach, in dem manche Dinge sicher schon ihren Aggregatzustand geändert. Aber das kann ich auch nicht ändern. Und so ist auch mein Lederbearbeitungszeug noch hinten um Piz ein neues Halsband zu machen und der Schulranzen meines Patenkindes, der ein paar neue Nähte braucht.
Ich nehm alles so hin wie es ist und geniesse die Zeit. Lass mich ein auf das was ist. Auf die neuartige, andersartige Langsamkeit und die Stille, die Natur die ich spüre wenn ich aus dem Haus rolle und das Geschenk des Windes, wenn er über mich drüber streicht.
Es in meiner Verantwortung was passiert ist und damit meine ich nicht die äusserlichen Umstände.
4 Tage muss ich noch liegen und dann bekomme ich für 14 Tage einen Vorderfussentlastungsschuh. Mit dem darf ich dann auch wieder stückweise belasten. Und wenn ich damit schmerzfrei laufen kann ohne Krücken, dann kommt ein Leben mit Ochsen wieder in Frage, denn dann komm ich auch wieder hinter in mein Tälchen und kann ihnen Wasser schleppen. Ob sich dies vor meiner Winterpause noch rentiert, weiss ich nur noch nicht.
Anfang Oktober stall ich die Ochsen ja in der Regel ein um die Kutsche und alles was dazugehört winterfest zu machen. Und um zwei Wochen vor der Winterarbeit noch Zeit für Program ohne Ochsen zu haben. Für das brauch ich aber auch einen gesunden Fuss, kanns also nicht in die jetzige Zeit legen.
Lothar, Max und Milan haben den Ortswechsel so hingenommen, als wär es das Normalste von der Welt gewesen und haben sofort ihre alten Muster wieder aufgenommen. Max und Milan liegen im Stall und geniessen es bei Regen nicht draussen sein zu müssen. Und Lothar liegt auf seinem Stammplatz und schaut pünktlich zu Fütterungszeit im Stall vorbei. Eigentlich haben Max und Milan für dieses Jahr auch schon
genug gelernt. Das alles ist beruhigend zu wissen.
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| nach dem Fädenziehen gestern. Äusserlich hält der Zeh nun wieder von allein. Aber innerlich muss er noch weiter zusammenwachsen |
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