Freitag, 22. Juli 2016
Eine Herde
Lothar war ja wieder ein Herdenlothar während ich in Ungarn war. Keine Arbeit, nette Kuhgesellschaft und viel Gras. Als ich ihn dann wieder von der Wiese holte lief er brav mit, doch es war eben wieder eine Trennung von einer Herde, was sich abends durch Unruhe und Stressfressen zeigte. Eine Situation, durch die er jedes Frühjahr durch muss.
Diesmal konnte ich ihm aber sagen, dass er von jetzt an seine eigen Herde hat. Dass er nie mehr sich eine fremde Herde «ausleihen» muss über den Winter, um diesem Teil seiner selbst auch gerecht zu werden, sondern dass er von jetzt an immer seine eigene mit dabei hat, egal wo er ist.
Der erste Kontakt zwischen Lothar, Max und Milan verlief unspektakulär. Kurzes Riechen aneinander, doch dann war das Heu wieder wichtiger für Lothar als die neue Herde. Milan, der mutigere der beiden Kleinen wagte auch zu schnüffeln von der Seite, doch ein leichtes anheben des Hinterbeins von Lothar hat genügte, wieder den nötigen Abstand zu bekommen. Mehr Aufmerksamkeit als diese bekamen Max und Milan nicht in den ersten Tagen. Ich nehme mal an, dass das ganz normale Herdenstruktur ist, dass die kleinen zu unwesentlich sind im GrossenGanzen, um beachtet zu werden. Doch ganz stimmt das auch nicht, denn wenn ich die Beiden mal ohne ihn von der Wiese nehme, dann gibts ein grosses Gemuhe!
Max und Milan sind von ihrem Wesen her ziemlich dominant anderen Kühen gegenüber. Die zwei Rinder, mit denen sie zuerst auf der Weide waren, beide doppelt so alt wie sie, wurden von den kleinen Kerlen schön durch die Gegend gejagt. Und auch Milan habe ich schon gesehen, wie er ganz ruhig liegen blieb und Lothar über sich drüber steigen liess, anstatt aufzustehen und auszuweichen. Sehr untypisch für den Altersunterschied und den kurzen Zeitraum, den sie erst zusammen sind.
Von jetzt an gibts also ein Training zu dritt. Für Max und Milan steht jetzt an zu lernen neben oder hinter der Kutsche zu laufen, weder vor ihr, noch der Plane, noch vor Verkehr Angst zu haben. Und für Lothar? Auch er muss lernen, dass nicht jedes Kommando ihm gilt und dass er viel von der leeren Kutsche aus gelenkt wird, denn nur da hab ich den Überblick.
Dienstag, 19. Juli 2016
Wir sind da! Wir sind in Deutschland! Es ist geschafft!!
Auf einmal wars .....naja «leicht» ist übertrieben....sagen wir mal «möglich». Montag morgen kam mal wieder eine Absage vom Blutinstitut, dass es doch nicht möglich ist eine Vorrechnung zu bekommen (was heissen würde, dass es in Ungarn nicht möglich ist eine Blutuntersuchung innerhalb eines von der EU vorgeschriebenen Zeitraums zu bekommen). Doch am Nachmittag war sie dann doch plötzlich in meinem Posteingang und so schnell wies ging bezahlt und eine Email mit deren Bestätigung zurück auf dem Weg zum Blutinstitut.
Dann am Dienstag noch ein letztes mal WARTEN auf die Ergebnisse. Pessimistis eingestellt von all den vorhergehenden Wochen wollte ich nicht zu viel hoffen, doch Mittags waren sie da! Und - natürlich auch wichtig - alle mit negativem Ergebnis. Und dann gings mit ihnen zum ersehnten Termin zum Amtstierarzt. Dieser quälte sich 1 1/2 Stunden mit den innereuropäischen Transportpapieren, wobei er auf sie bezogene Kommentare von sich gab, die lieber unübersetzt bleiben. Vor mir auf dem Tisch stand währendessen die ganze Zeit der Stempel, auf den es sowohl in den Tracespapieren, also auch in den Zirkuspapieren ankommt. Wie idiotisch, dass schlussendlich alles auf einem Stempel beruht. Zu gerne hätte ich ihn eingesteckt!!
Und dann, endlich, hatte ich das in der Hand wofür ich 2 1/2 Monate gewartet hatte: die Traces Zeugnisse und den EUROPÄISCHEN ZIRKUS UND DRESSURTIERAUSWEIS! Das bedeutet, dass sie völlig legal nach Deutschland eingeführt werden dürfen und dort und in den anderen europäischen Ländern reisen dürfen. Mein Freischein für die Zukunft sozusagen.
Vor dem Büro kam dann der erste Schwall der Erleichterung! Denn ohne diese zwei Papiere wär nichts gegangen.
Viel Zeit zum feiern blieb mir nicht, denn abends war schon der Transport angesetzt. Ich hatte zwar vormittags schon vorgepackt um das Warten zu überbrücken, doch blieb noch genug zurück. Die Kälbchen wurden dann vor aufziehenden gigantischen Gewitterwolken um Mitternacht verladen. Und waren Nachmittags um 4 in Deutschland!
Und ich nur eine Stunde später nachdem ich gleich nach ihnen losgefahren war aber ohne Schlaf nicht durchgehalten hatte.
Wir waren da, wir waren draussen, wir waren in Deutschland!!
Mein grosser Dank geht an den Transporteur Bela, der uns immer aufgefordert hat weiter und weiter und weiter zu probieren, sozusagen über die Ohnmacht hinaus zu arbeiten. Adrienn, der Tierärztin, für ihre Hilfe bei den Papieren und den Blutuntersuchungen und Bo, der mich so oft wieder aufgebaut hat mit seinen nicht enden wollenden Ideen was wir noch probieren könnten.
Also hier sind wir: Lothar, Max, Milan, Piz und Eva mit grosser Freude auf die Zukunft!
Im Nachhinein finde ich es ziemlich gruselig, wie schlecht es mir die letzten zwei Wochen in Ungarn ging und die Dimensionen der Erleichterung, als sie endlich in Deutschland waren. Die ganzen Gefühle waren so über übermächtig.
Auch ich kenne mich so nicht.
Nachdem ich die Kälbchen gut angekommen wusste, mich ausgeschlafen hatte und wieder zu Lothar bin um mit ihm die zwei Tage zu Max und Milan zu laufen, habe ich mir erstmal ein Feuer gemacht, mich von oben bis unten gewaschen und mich nachher mit einem Kaffee hingesetzt und in den Schwarzwald geschaut. Mit all dem drumherum: Lothar, der Kutsche, dem Zelt, dem Feuer, dem Panorama, der Still wusste ich wieder: Ja, DAS bin ICH.
Auf einmal wars .....naja «leicht» ist übertrieben....sagen wir mal «möglich». Montag morgen kam mal wieder eine Absage vom Blutinstitut, dass es doch nicht möglich ist eine Vorrechnung zu bekommen (was heissen würde, dass es in Ungarn nicht möglich ist eine Blutuntersuchung innerhalb eines von der EU vorgeschriebenen Zeitraums zu bekommen). Doch am Nachmittag war sie dann doch plötzlich in meinem Posteingang und so schnell wies ging bezahlt und eine Email mit deren Bestätigung zurück auf dem Weg zum Blutinstitut.
Dann am Dienstag noch ein letztes mal WARTEN auf die Ergebnisse. Pessimistis eingestellt von all den vorhergehenden Wochen wollte ich nicht zu viel hoffen, doch Mittags waren sie da! Und - natürlich auch wichtig - alle mit negativem Ergebnis. Und dann gings mit ihnen zum ersehnten Termin zum Amtstierarzt. Dieser quälte sich 1 1/2 Stunden mit den innereuropäischen Transportpapieren, wobei er auf sie bezogene Kommentare von sich gab, die lieber unübersetzt bleiben. Vor mir auf dem Tisch stand währendessen die ganze Zeit der Stempel, auf den es sowohl in den Tracespapieren, also auch in den Zirkuspapieren ankommt. Wie idiotisch, dass schlussendlich alles auf einem Stempel beruht. Zu gerne hätte ich ihn eingesteckt!!
Und dann, endlich, hatte ich das in der Hand wofür ich 2 1/2 Monate gewartet hatte: die Traces Zeugnisse und den EUROPÄISCHEN ZIRKUS UND DRESSURTIERAUSWEIS! Das bedeutet, dass sie völlig legal nach Deutschland eingeführt werden dürfen und dort und in den anderen europäischen Ländern reisen dürfen. Mein Freischein für die Zukunft sozusagen.
Vor dem Büro kam dann der erste Schwall der Erleichterung! Denn ohne diese zwei Papiere wär nichts gegangen.
Viel Zeit zum feiern blieb mir nicht, denn abends war schon der Transport angesetzt. Ich hatte zwar vormittags schon vorgepackt um das Warten zu überbrücken, doch blieb noch genug zurück. Die Kälbchen wurden dann vor aufziehenden gigantischen Gewitterwolken um Mitternacht verladen. Und waren Nachmittags um 4 in Deutschland!
Und ich nur eine Stunde später nachdem ich gleich nach ihnen losgefahren war aber ohne Schlaf nicht durchgehalten hatte.
Wir waren da, wir waren draussen, wir waren in Deutschland!!
Mein grosser Dank geht an den Transporteur Bela, der uns immer aufgefordert hat weiter und weiter und weiter zu probieren, sozusagen über die Ohnmacht hinaus zu arbeiten. Adrienn, der Tierärztin, für ihre Hilfe bei den Papieren und den Blutuntersuchungen und Bo, der mich so oft wieder aufgebaut hat mit seinen nicht enden wollenden Ideen was wir noch probieren könnten.
Also hier sind wir: Lothar, Max, Milan, Piz und Eva mit grosser Freude auf die Zukunft!
| Willkommen in Deutschland ihr Zwei! |
Im Nachhinein finde ich es ziemlich gruselig, wie schlecht es mir die letzten zwei Wochen in Ungarn ging und die Dimensionen der Erleichterung, als sie endlich in Deutschland waren. Die ganzen Gefühle waren so über übermächtig.
Auch ich kenne mich so nicht.
Nachdem ich die Kälbchen gut angekommen wusste, mich ausgeschlafen hatte und wieder zu Lothar bin um mit ihm die zwei Tage zu Max und Milan zu laufen, habe ich mir erstmal ein Feuer gemacht, mich von oben bis unten gewaschen und mich nachher mit einem Kaffee hingesetzt und in den Schwarzwald geschaut. Mit all dem drumherum: Lothar, der Kutsche, dem Zelt, dem Feuer, dem Panorama, der Still wusste ich wieder: Ja, DAS bin ICH.
Montag, 11. Juli 2016
Total fertig. Am Ende meiner Kräfte. Einfach nichts nichts nichts funktioniert. Egal was ich angehe in Sachen Transport verläuft ins Leere.
Was die Menschen sagen ist so oft entweder gelogen, oder Unwissenheit als Wahrheit ausgegeben. Auch wenn sie mir Sachen verprechen und ich extra 3 Stunden dafür hinfahre verpufft alles ins Leere und hinterlässt in mir eine Leere. Das Warten, die Unsicherheit, das ewige Hin und Her und dann doch nicht..., das viele Versuchen, der Zeitdruck und ich bin noch nicht mal nah am Ziel. Auf jeden Schritt Richtung Transport folgen zwei zurück. Wieder jemand abgesprungen, wieder jemand die falsche Information gegeben.
Ich vertrag das nicht. Ich bin nicht gebaut für so ein Leben wo ich von so vielen abhängig bin. Ich bin gebaut für ein ruhiges Leben, draussen und unterwegs mit meinem Ochsen.
Ich verstehs nicht, kanns mir nicht erklären und das Leben erklärts mir auch grad nicht.
Scheints hab ich mich irgendwo verloren. Am Besten geh ich mich erstmal suchen....
Was die Menschen sagen ist so oft entweder gelogen, oder Unwissenheit als Wahrheit ausgegeben. Auch wenn sie mir Sachen verprechen und ich extra 3 Stunden dafür hinfahre verpufft alles ins Leere und hinterlässt in mir eine Leere. Das Warten, die Unsicherheit, das ewige Hin und Her und dann doch nicht..., das viele Versuchen, der Zeitdruck und ich bin noch nicht mal nah am Ziel. Auf jeden Schritt Richtung Transport folgen zwei zurück. Wieder jemand abgesprungen, wieder jemand die falsche Information gegeben.
Ich vertrag das nicht. Ich bin nicht gebaut für so ein Leben wo ich von so vielen abhängig bin. Ich bin gebaut für ein ruhiges Leben, draussen und unterwegs mit meinem Ochsen.
Ich verstehs nicht, kanns mir nicht erklären und das Leben erklärts mir auch grad nicht.
Scheints hab ich mich irgendwo verloren. Am Besten geh ich mich erstmal suchen....
Donnerstag, 30. Juni 2016
Auszug aus dem Kälbertagebuch III
Tag 11:
Nachdem das mit dem Zaun so gut funktioniert, nehme ich jetzt einem Kälbchen alles ab. Zum ersten mal ist einer immer komplett frei. Da schaun sie gleich anders aus. Um das Einfangen nicht unter Stress laufen zu lassen, nehme ich zwar die Stricke in die Hand die es braucht. Streichle aber erst mal beide. Dann mache ich ganz ruhig den Kälbersrtick um den Hals und mach dann wieder ganz was anderes. Dann erst das Halfter. .Auch wenn das Kälbchen wieder fertig angezogen ist führe ichs nicht gleich weg, sondern streichle noch weiter. Dann erst führe ich ihn zum Anbinden. Das klappt eigentlich sehr gut.
Tag 12:
Laufe zuerst mit Milan, dann mit Max. Dann zusammen. Zusammen sind wir ein sehr weites Stück gelaufen, fast bis zur Quelle. Auf dem Rückweg wollte Max auf einmal nicht mehr laufen. Milan zuerst noch, doch dann auch nicht mehr. Hab Max mit der Peitsche auf den Hintern gehaut, das hat er verstanden, doch nur für ein paar Schritte. Blöde Situation. Als sie wieder mal standen haben beide angefangen zu Pinkeln. War das der Grund? Doch auch danach bekomme ich Max nur mühsam zum laufen. Kein guter Trainingstag. Ich habe auch danach das Gefühl, als wäre Max wie aus einer Hülle herausgefallen, die er sonst um sich herum hatte. Auch bei Milan war das so. Sie waren einfach nicht mehr so ruhig und ausgeglichen. Wieso?
Tag 13/14:
Hab Besuch, also werden sie nur getränkt. Vor allen anderen Menschen haben sie Angst. Der Besuch hat Max die Falsche gegeben, der hat sich aber nur mit meiner Hilfe trinken getraut.
Tag 15:
Laufe zuerst mit Milan. Sehr zäh. Dann mit Max, der einen besseren Tag hat, aber auch schon besser lief. Nachher zusammen. Das ging sehr gut, doch Milan ist in der Regel viel schneller als Max. Dann kam wieder die Situation: Einspreizen bei Max, nix geht mehr. Woher kommt das? Ein paar Mal hintereinander musste ich ihm mit der Peitsche eines auf den Hintern geben. Dann hat sich Gott sei Dank der Knoten irgendwie gelegt. Ganz wichtig: er hat verstanden was die Peitsche ihm sagen wollte.
Dass nur einer angebunden ist funktioniert sehr gut. Bisher ist noch keiner weggelaufen vor dem Anbinden. Auch beim Anbinden hat noch keiner gezogen um wegzukommen. Darüber bin ich froh, weil ich noch nicht weiss, wie ich reagieren sollte würden sie versuchen wegzulaufen.
Tag 16.
Alleine laufen sehr mühsam. Zusammen laufen sie schnell. Einer, meist Milan ist immer schneller, das machts mühsam. Entweder einen STÄNDIG stoppen oder den anderen STÄNDIG auffordern schneller zu laufen? Was ist, wenn sich das immer so sein wird, wenn ich zwei Ochsen habe, die in ihrem Tempo grundverschieden sind?
Tag 17:
Jetzt ist offensichtlich, dass sie nur mehr lieber zu zweit laufen, als alleine. Vorher war ich als «Mutter» immer noch genug Ersatz, doch das zählt nicht mehr. Alleine ists jetzt wirklich mühsam. Zwei Schritt gehen, stehen, auffordern, zwei Schritte gehen, stehen....
Es fängt auch langsam an, dass ihr Grundvertrauen nicht mehr so da ist, ihr eigebettet sein in alles. Dadurch gibt es aber auch ein getrenntsein von mir und zum ersten Mal irgenwei ein Misstrauen auch. Schade.
Jetzt haben sies beide geschnallt, dass ein leichtes Peitschentippen am Hintern eine Bewegung nach vorne verursachen soll.
Es stimmt, dass Milan beim weggehen immer die Nase vorne hat, aber Max dafür auch manchmal beim Nachhause gehen. Also sind sie vielleicht doch nicht so grundverschieden.
Villeicht sollte ich mal lange mit ihnen gehen um zu sehen wie sie laufen, wenn sie müde werden? Aber überreizen darf ich auch nichts, denn was mach ich, wenn sie unterwegs irgendwann einfach keine Lust mehr haben?
Wenn sie so schnell sind zu zweit, wie soll ich damit umgehen? Sie ständig zurückhalten, auf die Nase klopfen und ständig «langsam, langsam» sagen?
Ich fange an mir der Beinarbeit. Auf Befehl"gib» möchte ich, dass sie ein bisschen das Gewicht weg von dem Bein nehmen, und dann lob ich.
Heute hat sich Milan zum ersten mal nicht ganz ohne Meckern das Halfter anziehen lassen. Er fängt schon an sein Horn ein bisschen einzusetzten.
Tag 18:
Heute laufe ich zweimal um zu schaun, wie sie laufen wenn sie müde werden.
Morgens waren sie wieder sehr sehr schnell, Milan vorran, doch auf dem Rückweg sind sie ziemlich gemächlich gegangen. Ich korregiere, mache aber nicht zu viel, um sie nicht zu demotivieren.
In den seltensten Fällen laufen sie Nase auf Nase, doch wenn sies tun dann bekommen sie gleich ein gehöriges Lob.
Am Nachmittag waren sie von Anfang an nicht schnell und waren ein gutes Stück hinter mir. Oft konnte ich ganz entspannt vorne weg laufen, ohne auf sie zu achten. Das ist ein grosser Erfolg!
Eigentlich sind sie sehr interessiert an allem würden gerne an allem riechen, doch eigentlich scheuche ich sie immer weiter. Bin mir nicht sicher, ob das die richtige Lösung ist, denn vielleicht verderbe ich ihnen dann die Freude, wenn sie nie schnüfflen dürfen? Andererseits weiss ich halt von Lothar, dass wenn ich ihn anfangen lasse was zu machen, dass es sich dann von selber ausweitet.
Ich fange auch an Max und Milan zu tauschen, damit sie sich nicht auf einen Platz gedanklich einfahren.
Beine heben üben wir jetzt täglich.
Manchmal merke ich schon, v.a. bei Milan, dass er auf das Stimmsignal schon regiert, ihn kann man besser lenken und Geschwindigkeiten verändern. Max ist eher einer der ist wie er ist, da kann man nicht viel ändern.
Tag 19.
Heute hatt ich nicht viel Zeit, deshalb bin ich mit ihnen nur zu den grossen Ochsen runter gelaufen. So schön sind sie gelaufen! Langsam und ruhig und ungestresst. Unten habe ich sie dann nur die ganze Zeit angebunden gelassen, damit sie dies als Übung hatten: an einem eher fremden Ort länger angebunden zu sein. Anfangs wars schon aufregend, doch als ich von der Zaunkontrolle wiederkam standen sie ganz entspannt. Abends hab ich dann zum ersten Mal alle beide frei laufen lassen. Erst gegen Mitternacht haben sies verstanden und sind rumgesprungen.
Ich finde es ein gutes Zeichen zu sehen, dass sie nicht von mir davon laufen, wenn ich mit den Seilen komme. Der Kälberstrick ist ihnen ziemlich wurst. Das Halfter haben sie nicht ganz so gerne, das merkt man, aber sie wehren sich nicht, in dem sie weglaufen wollen, sondern eher im Kopfverrenken.
Dienstag, 28. Juni 2016
Bilanz
Ich habe die Rinderpässe der Kälbchen zugeschickt bekommen. Da stand als Rasse drauf: Bison, also habe ich sie wieder zurückgegeben. Mit der dringlichen Bitte versehen um schnelle Korrektur. Das haben sie sogar gemacht, nur mir nicht Bescheid gegeben, dass die neuen Papiere zur Abholung bereit sind.
Auf den neuen Papieren stand dann, dass sie gefleckt sind, was bei einem einfarbigen Tier nicht der Wahrheit entspricht. Das ist mir aber jetzt auch schon egal.
Als wir mit den Ohrmarken, die ich mit den Papieren bekommen habe, Max und Milan verschönern wollen, fehlt ein Teil einer Ohrmarke von Max. Also wieder Telefon in die Hand und Ersatz bestellen.
Zweimal mache ich beim Amtstierarzt einen Termin für die Zirkuspapiere. Nach halbstündiger Anreise finde ich ihn jeweils nicht vor. «Er hat dringend weg müssen»
Am Telefon möchte ich dann aber immerhin abklären, was ich von ungarischer Amtsseite her alles für Blutuntersuchungen und Papiere brauche für den Transport. Die Antwort: «Da müssen sie [also ich, Eva] die deutschen Behörden anrufen, um herauszufinden was sie wollen»
Das hinterlässt in mehrerer Hinsicht einen komischen Geschmack im Mund: Seid wann braucht es die Vermittlung einer Privatperson in innereuropäischen Tiertransportangelegenheiten, haben die das noch nie gemacht und wie bindend ist das von mir regergierte Ergebnis? Und hat mir nicht erst ein dt. Amtstierarzt gesagt:» Die Ungarn wissen schon was sie tun müssen und wenn diese die Traces Papiere ausgefüllt haben und ihren Stempel drunter gesetzt haben, dann können sie dt. Amtsärzte eh nichts mehr machen.» ?
Die Zeit in Ungarn ist wirklich schön und gut und macht in vielerlei Hinsicht Sinn, doch wenn ich an die ganzen Sachen denke, die von offizieller Seite in einem gewissen kurzen Zeitrahmen noch erledigt sein müssen, damit ich überhaupt transportieren darf, dann wird mir manchmal ganz übel.
Der «Wurstigkeitsfaktor» der ungarischen Behörden ist durchaus bemerkenswert und manchmal scheint bei einem Gespräch mit einem Stein mehr herauszukommen.
Grumml...
Auf den neuen Papieren stand dann, dass sie gefleckt sind, was bei einem einfarbigen Tier nicht der Wahrheit entspricht. Das ist mir aber jetzt auch schon egal.
Als wir mit den Ohrmarken, die ich mit den Papieren bekommen habe, Max und Milan verschönern wollen, fehlt ein Teil einer Ohrmarke von Max. Also wieder Telefon in die Hand und Ersatz bestellen.
Zweimal mache ich beim Amtstierarzt einen Termin für die Zirkuspapiere. Nach halbstündiger Anreise finde ich ihn jeweils nicht vor. «Er hat dringend weg müssen»
Am Telefon möchte ich dann aber immerhin abklären, was ich von ungarischer Amtsseite her alles für Blutuntersuchungen und Papiere brauche für den Transport. Die Antwort: «Da müssen sie [also ich, Eva] die deutschen Behörden anrufen, um herauszufinden was sie wollen»
Das hinterlässt in mehrerer Hinsicht einen komischen Geschmack im Mund: Seid wann braucht es die Vermittlung einer Privatperson in innereuropäischen Tiertransportangelegenheiten, haben die das noch nie gemacht und wie bindend ist das von mir regergierte Ergebnis? Und hat mir nicht erst ein dt. Amtstierarzt gesagt:» Die Ungarn wissen schon was sie tun müssen und wenn diese die Traces Papiere ausgefüllt haben und ihren Stempel drunter gesetzt haben, dann können sie dt. Amtsärzte eh nichts mehr machen.» ?
Die Zeit in Ungarn ist wirklich schön und gut und macht in vielerlei Hinsicht Sinn, doch wenn ich an die ganzen Sachen denke, die von offizieller Seite in einem gewissen kurzen Zeitrahmen noch erledigt sein müssen, damit ich überhaupt transportieren darf, dann wird mir manchmal ganz übel.
Der «Wurstigkeitsfaktor» der ungarischen Behörden ist durchaus bemerkenswert und manchmal scheint bei einem Gespräch mit einem Stein mehr herauszukommen.
Grumml...
Montag, 13. Juni 2016
Auszug aus dem Kälbertagebuch I:
Max und Milan. Es ist spannend und herausvordernd den Weg ZWEIER kleiner Ochsen zu begleiten. Bei allem was ich mit ihnen mache bin ich dankbar für jede Minute, die ich mit Lothar zusammen war und für die viele Zeit in den Kuhställen. Alles zahlt sich aus. Jede Kuh, jeder Ochse den ich schon am Halfter hatte trägt zu ihrer Ausbildung bei.
So bin ich einigermassen ruhig mit ihnen und wenig im Kopf nachdenkend und konsequent. Trotzdem werd ich wohl viele Fehler machen. Damit ich meine Schritte auch später noch nachvollziehen kann, habe ich angefangen ein Kälbertagebuch zu führen. Das werde ich in Auszügen hier veröffentlichen. Hier noch von den Anfängen:
Tag 1: Vormittags holen wir die Kälbchen. (...) Mit dem Kälberstrick versehen kommen sie ins Auto. Dort sind sie erstaunlich ruhig die ganze Fahrt. Beim Ausladen springt Milan wild umher. Er ist schon so stark, dass ich ihn allein kaum zu halten vermag. Zu zweit kriegen wir ihn schliesslich unter Kontrolle. Dabei ist er ja erst zwei Monate alt! (...)
Zusätzlich zum Strick mache ich ihnen ein Halfter dran und führe den Kälberstrick durch dessen Schlaufe. So kann der Kälberstrick sich nicht mehr drehen und der Kopf nicht mehr rausrutschen. Im Kälberstrick wird ein Dreher eingebaut, da sich sonst das Seil in sich verdreht, wenn sie darüber steigen.
| Milan mit Halfter, Kälberstrick und metallenem "Dreher", da ist er aber schon 3 Monate alt, also kein "kleines Kälbchen" mehr |
Es tut im Herzen weh zu sehen, wie ein Tier, welches bisher nur die Freiheit kannt auf einmal angebunden sein muss. Mit nur kleinem Radius. Und von der Mutter getrennt. Da kann ich mir nur vorbeten, dass das der Preis dafür ist, dass sie nicht mit 8 Monaten beim Schlachter landen.
![]() |
| Max und Milan, gerade mal eine Stunde an ihrem neuen Platz. Noch geschockt. |
Sie haben genug neues zum Verdauen. Und auch so kann ihnen die menschliche Anwesenheit noch nichts Postives bringen. Nun müssen sie erstmal lernen was es heisst angebunden zu sein, nur mehr zu Zweit zu sein und unter Menschen.
Abends versuchen wir Max und Milan zum ersten mal zu Tränken. Es braucht zwei Menschen, denn sobald man hinkommt springen sie wild umher. Und natürlich wissen sie noch nicht, dass aus der weissen Flasche was Gutes für sie kommt. Deshalb trinken sie nicht. Was anderes war nicht zu erwarten. (...) Max trinkt einen Liter, zuerst gezwungen, dann freiwillig. Milan wird zu knapp einem Liter gezwungen. Ein Liter ist nicht genug zum wachsen, aber erhält erstmal den Körper, bis der genug hungrig ist um zu verstehen, dass das, was aus der Flasche kommt gut ist.
Tag 2: Max trinkt nach anfänglichem Zwang wieder selber, Milan noch nicht. Wieder nur ein Liter. Danach lass ich sie wieder komplett in Ruhe. Bin aber periphär präsent.
Mittags trinkt Milan zum ersten mal nach anfänglicher Zwangsphase 1 Liter. Max muss es nur noch in Mund reingetan werden, dann trinkt er 1 1 /2 Liter.
Abends: Tränke ich das erstes mal alleine, ohne Hilfe..Max kommt schon zu mir zum trinken. Milan muss noch ein bisschen aufgefordert werden.
Trotzdem bin ich sehr glücklich und erstaunt. Das Tränken habe ich mir schwieriger vorgestellt. Bei einem Kälbchen, welches 2 Monate bei der Mutter war und schon Gras frisst, kann es sich auch als unmöglich herausstellen, es auf Flasche umzustellen.
Tag 3: Max und Milan trinken alleine bis zu 3 Liter drei mal am Tag. Sonst werden sie aber noch alleine gelassen. Sie springen noch viel umher, wenn man ihnen zu nahe kommt.
Tag 4. Ich fahr nach Deutschland für 20 Tage. In dieser Zeit tränkt ein Freund sie dreimal am Tag für zwei Wochen, danach gibt er ihnen nur zweimal je 3 Liter. Dafür bietet er ihnen Mittags wenns heiss ist Wasser im Eimer an, welches sie annehmen. Ab der zweiten Woche werden Max und Milan draussen angepflockt, dafür wird am Kälberstrick ein 6 Meter langes Seil befestigt. Sie springen viel, doch lernen sie schnell nicht ins Seil reinzulaufen. Endlich wieder mehr Freiheit!
Insgesamt bin ich überaus positiv überrascht von der Intelligenz dieser Rasse!
Dienstag, 7. Juni 2016
Ungarn
Nie hätte ich gedacht jemals wieder in diesem Land zu leben. Doch hier sind wir, Piz und ich. Und das für einige Wochen.
Alles ist noch so bekannt. Die Bäume, die Dörfer, die Landschaft, manchmal scheint mir sogar jeder Grashalm bekannt und jedes Schlagloch.
Doch bin ich nicht in «meinem» Dorf, welches direkt im Dreiländereck Österreich, Slowenien, Ungarn liegt, sondern 20 Minuten mit dem Auto von dort entfernt. Dort lebe ich jetzt bei einer Tanya, das ist eine dem Dorf ausgelagerte Landwirtschaft. Die Menschen, die dort eigentlich wohnen, sind nicht da und freuen sich, wenn jemand dort lebt und die Tiere versorgt.
Nichts hat mich ihr Haus gezogen und so habe ich mein Zelt ein bisschen entfernt unter einem Dach aufgestellt, welches von einem Holzzaun umgeben ist. Dieses Zaunes wegen bin ich dort hingezogen, denn die Ziegen der Tanya laufen frei herum und Ziegen sind interessiert an allem und steigen gerne auf Dinge herauf. Und sie respektieren keinen Elektorzaun. Am liebsten hätte ich mein Camp einfach unter einem Baum aufgeschlagen in der vielen Landaschaft die es hier runderhum gibt. Doch ein heiles Zelt ist mir wichtiger und eigentlich ist so ein Dach auch nicht unpraktisch für mein ganzes Zeug was ich dabei hab. Fast den ganzen Kutscheninhalt habe ich mit hierher gebracht. Denn alles ist irgendwie praktisch für ein Leben draussen.
Vor dem Dach habe ich meine neuen Familienmitglieder angebunden, die Kälbchen und es brennt ein Feuer.
Morgens und Abends melke ich die Ziegen, lasse die Hühner raus oder rein und füttere den Hund.
Über die viele Ziegenmilch freuen sich meine Kälbchen. Denn das schmeckt besser wie Milchpulver. Und ich gehe in den Garten.
Das Leben hier ähnelt schon sehr meiner früheren Zeit in Ungarn. Damals hab ich eigentlich das selbe getan als jetzt und so fühlt ich mich schon sehr an diese Zeit erinnert. Gerne hab ich diese Arbeiten schon früher gemacht, nur dass ich noch lieber mit Lothar reise.
Wärmer ists hier schon als in Deutschland und es regnet weniger wie den Frühling in Süddeutschland. Und es riecht überall so schön und den Kuckuck, den ich dieses Frühjahr dort im Schwarzwald so vermisst habe, hör ich auch täglich.
Eigentlich dachte ich, dass ich hier erstmal nicht mehr tun werde, als die Natur und meine Kälbchen geniessen, doch schon kommt hier eine Baustelle und dort eine Baustelle...Es freut mich wenn ich meinen alten NachbarInnen und FreundInnen etwas helfen kann und den Kontakten neues Leben geben kann.
Samstag, 28. Mai 2016
So sei es!
Es soll nicht sein.
In diesem Jahr spricht alles für ein «Mehroderwenigerbleiben». kein Zeichen des Lebens zeigt auf: weiter.
Angefangen hat alles schon am ersten Tag: Lothars und seine Schmerzen in den Beinen und den damit verbunden Verunsicherungen, Sorgen, Training, Gedanken....
Einher ging diese Zeit mit einer einfachen Blutuntersuchung Lothars, die eigentlich maximal 1 Woche dauern sollte, ohne die ich aber den Landkreis nicht verlassen durfte. Schlussendlich hatte ich die Ergebnisse nach viel Ärger und 1 1/2 Monaten Wartezeit.
Oder nehmen wir die Blauzungenkrankheit, die aus Frankreich kommt und deren Einflussbereich und den damit verbundenen Reisebeschränkungen nur noch ein Dorf eintfernt ist. Sie reist mit 20km pro Tag, ist behandelbar und man kann impfen, doch auch mit einem geimpften Tier dürfte ich nur innerhalb des betroffenen Areals reisen. Mein Amtstierarzt sagte zur Begrüssung: «Schnappen sie sich ihren Ochs und ziehn sie gen Osten!» Aber gegen etwas anlaufen, was genauso schnell reist wie wir?
Und dann die verflixte mir aufgedrückte Blauzungenimpfung der Kälbchen in Ungarn. Natürlich ist das ein anderer Typ von Blauzungenkrankeit und die Impfung wird gegen die aus Frankreich kommende unwirksam sein. 60 Tage müssen dafür meine Kälbchen noch in Ungarn bleiben und dort versorgt werden (von mir).
Und die liebe Madleine! Madleine ist ein schönes junges Rind, welches aber weder von Menschen, noch von Elektrozäunen viel hält. Mit ihr und zwei anderen Rindern war Lothar solange ich in Ungarn war auf der Wiese. Bzw muss man sagen: zuerst waren nur die andern zwei Rinder und Lothar auf der Wiese, denn Madleine war natürlich beim austreiben ausgebüxt, wie letztes Jahr auch. Doch scheint sie Lothar sehr sehr gerne zu haben, denn nach 3 Tagen freies Leben stand sie im Zaun mit den anderen drin....unzertrennlich von Lothar. D.h. wenn ich Lothar aus der Wiese hole kommt sie mit. Über Zaun und jeden Menschen hinweg. Und so hat Madleine es geschafft, dass Lothar einen guten Platz hat, die vielen Wochen wo ich in Ungarn sein werden. Er soll jetzt weiter Madleine hüten, denn dem Bauern ist viel geholfen, wenn sein Rind endlich im Zaun bleibt und noch ein paar Wochen an Gewicht zulegen kann.
Viel habe ich die letzten Tage nachgedacht und auch Angst gehabt. Hab das Leben immer wieder gefragt: «Zeig mir den Weg!» .
Aber es tut es ja eh. Wenn ich dass anschaue, was - von Reisen abgesehen- funktioniert, gefördert und getragen wird, dann sehe ich ganz deutlich, dass es mich nicht verlassen hat. Dass das Leben mich weiterhin an der Hand führt. Nur gerade in eine andere Richtung wie ich es gerne hätte. Da gilt es wie immer. loslassen, loslassen, alles loslassen. Und mich daran erfreuen, was ich stattdessen für einen Sommer haben werde.
Also, Leben, so sei es. Ich bin gespannt.
Samstag, 21. Mai 2016
Bürokratie
Ich stehe vor also vor der Aufgabe zwei Kälbchen von A nach B innerhalb der EU zu transportieren.
Was muss beachtet werden?
1. Darf ich sie selber gar nicht transportieren. Ausserhalb des 50km Radius um den Ursprungsort muss eine offizielle Firma den Transport übernehmen. Und in den offiziellen innereuropäischen Transportpapieren - online auszufüllen - lassen sich nur solche Nummernschilder eintragen, die von diesen Transportunternehmen registriert wurden.
2. Quarantäne: 30 Tage wegen BHV1, einem RinderHerpesVirus und die Blutuntersuchungen mit negativem Befund zu machen frühestens ab dem 21. Quarantänetag.
3. Ein TBC Intrakutantest nicht älter als 30 Tage vor Transport
4. Blutuntersuchungen mit negativem Befund auf: Brucellose, Leukose, BVD (bei BVD gibt es zwei Testmethoden: die, die die Antikörper im Blut nachweisen und die, die das «Antigen» der Virus DNS nachweisen...ob ich das richtig verstanden habe bezweifle ich. Auf Nachfrage wollen die deutschen Behörden natürlich das längere Verfahren)
5. Eine Bescheinigung, dass die Tiere aus einem BHV1 freien Betrieb stammen
So aufgelistet klingt das eigentlich machbar und kompakt. Leider wurden mir diese Informationen nicht gebündelt gesagt, sondern kamen- z.T. mit unterschiedlichen "Wahrheiten" aus Deutschland und Ungarn - tröpfchenweise. Es scheint mir manchmal, als liessen sich Veterinärämter immer neue Sachen einfallen. Hatte ich also mit dem Transportunternehmen einen Termin passend zu den bis dahin bekannten Vorschriften gemacht, kam eine Neue, die den Termin wieder um ein paar Tage nach hinten schob.
Und dabei müssen nur zwei gesunde Kälbchen nicht zum Schlachten quer durch Europa transportier werden, wie es das Schicksal von Tausenden von Tieren täglich ist, sondern um Zugochsen zu werden.
Und dann kam er: der Prügel zwischen die Beine
Dabei schien alles gekärt und in die Wege geleitet: die Kälbchen sind in Quarantäne, werden von einem Freund so lange getränkt, Blut ist abgenommen, Zirkuspapiere beantragt, Transporttermin steht fest: 27 Mai.
Nur noch eine letzte Anfrage beim deutschen Veterinäramt.
Fehler, Fehler, Fehler!
Auf einmal fällt den Behörden ein, dass ein gegen Blauzungenkrankheit Typ 4 nicht geimpftes Tier gar nicht importiert werden darf.
Für mich bedeutet das: Impfstoff finden, 1.x impfen, drei Wochen warten, dann 2.x impfen, dann warten bis Immunschutz da ist, dann zwei Wochen warten, dann Bluttest, eine Woche auf Ergebnis warten, dann Transport.
Das sind, wenn alles nach Plan läuft: 8 Wochen zusätzlich! 2 Monate!
Und so lange wollen die Kälbchen in Ungarn getränkt werden.
Sonntag, 15. Mai 2016
Ganz unverbindlich
Natürlich fahr ich NUR nach Ungarn um mir die Kälbchen gaanz unverbindlich anzuschauen. Schöner Selbstbetrug.
3 Tage leihe ich mir ein Auto aus. 1 Tag runterfahren (mind. 11h), ein Tag dort sein mit Tiere aussuchen, beim Amtstierarzt vorsprechen und Blutuntersuchungen organisieren und ein Tag zurückfahren.
Ein weiterer Selbstbetrug, dass das funktionieren kann.
Wegen den Blutuntersuchungen und der TBC Prüfung müssten die Kälbchen mindestens zweimal gefangen werden und da beginnt das erste Problem. Denn die ungarischen Grauviehrinder werden ziemlich wild gehalten auf grossen Flächen. Einmal kann man ein Kälbchen immer einfangen. Doch zweimal lässt sich eine intelligente Grauviehmutter nicht ihr Kälbchen schnappen.
Ich hab ja mittlerweile schon viel mit Kühen gearbeitet, aber das ungarische Grauvieh mit den grossen Hörnern ist nochmal eine andere Kategorie. Da trau ich mir nicht zu eine Herde in einen Pferch zu treiben, denn dafür fehlt mir das Wissen wie diese Kühe denken und die Angst wegen der Hörner kommt zu schnell heraus. Und damit hab ich verloren, denn das merken die Kühe sofort.
Deshalb wollte ich meine zukünftigen Kälchen relativ jung (mit zwei Monaten) zu mir nehmen um sie an die Flasche zu gewöhnen. Das schafft gleich eine andere Basis. Angedacht hatte ich aber, die Kälbchen bis zum Transport bei der Mutter zu belassen und dann in Deutschland mit dem Tränken anzufangen. Das braucht anfangs nämlich viel Energie und Geduld bis die sich umgewöhnen.
Dafür müsste man sie aber vorher mehrmals einfangen können wegen der Exportuntersuchungen und das stellt sich als unmöglich heraus.
Dafür scheinen mir die ungarischen Amtstierärzte keine Steine in den Weg zu legen. Das ist auch schon viel wert.
Aber nur 3 Tage bleiben, dass wird klar, ist eine Illusion.
Aber: erstaunlich erstaunlich, das Auto kann ich ohne Probleme weiter ausleihen und Lothar darf auch noch länger auf seiner Wiese bleiben.
Und: ein Freund von mir erklärt sich bereit die Kälchen zu tränken bis zum Transport, wenn wir sie gemeinsam noch umlernen, sprich um die 30 Tage, denn Quaratäneregelungen gibts natürlich auch.
In den Tagen, bevor wir die Kälbchen separieren können wird eingekauft: Milchpulver, eine Tonne um dies tiersicher aufzubewahren, Tränkeflaschen, Seile für Halfter, Anbindeseile, Kälberstricke, Karabiner.... es gilt Stroh zu organisieren, Halfter zu knüpfen, einen Pferch zu bauen, wo die Kälchen wohnen können.
Und dann hab ich auf einmal zwei Kälbchen im Auto über deren Namen ich mir Gedanken mache....komisch dieses Leben...darf ich vorstellen:
ein zukünftiges Ochsengespann:
Max und Milan
Freitag, 6. Mai 2016
So vergehen die Tage. Morgens laufen, abends laufen und dazwischen meinen Freunden helfen ihr Haus auszubauen.
Und sich um Dinge kümmern die auch wichtig sind. So werden zum ersten Mal seid ich die Kutsche habe, die nicht wirklich funktionstüchtigen Bremsen überholt, damit Lothar entlastet wird. Mein Karren geht in einen KFZ Meisterbetrieb und darf sogar auf den Bremsenprüfstand.
Und die jährlichen Blutuntersuchungen machen, die der Tierarzt aber dieses Jahr mal zu mal verbockt, anders kann man es nicht nennen. Nach 4 Wochen in Deutschland habe ich sie immer noch nicht, obwohl es maximal eine Woche dauert. Aber was solls, ich kann ja eh grad nicht viel machen.
Ausser eben langsam loslassen von den Vorstellungen über den Sommer.
Dafür kommen neue Gedanken. ein zukünftiges Ochsengespann der Rasse ungarische Grauviehrinder. Ein Sache, die ich eigentlich erst auf in ein Paar Jahre angedacht hatte. Zuerst alles ganz in der Ferne angedacht. Doch von Tag zu Tag änden sich die Gedanken, v.a. jedesmal, wenn ich Lothar schlecht laufen sehe. Und sie ändern sich zu: also dann wohl dieses Jahr?
Und kaum fange ich an darüber zu sprechen, über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten, fangen sich Bruchstücke an zu Bewegen und auf einmal wird aus einem Gedanken ein unverbindlicher Plan.
Aber so viele Sachen gibt es zu Bedenken: wie kann ich sie halten, da sie anfangs kein Elektrozaun kennen? Bekomme ich für sie wieder den europäischen Zirkus und Dressurtierausweis? Und wenn ja, wo? In Ungarn oder Deutschland? Wie kann ich sie aus Ungarn holen? Wen kann ich fragen den Transport zu machen, da ich ja selber keinen BE Führerschein hab? Müssen es wirklich ungarische Grauviehrinder sein: die schönste Rinderart auf Gottes Erdboden? Oder darfs nicht auch was Heimisches sein? .....
Während ich also Wand um Wand verputze, mit Lothar Runde um Runde um die Staude drehe, und auf Blutergebnisse warte, kommen und gehen diese Gedanken. Und fangen die Telefonate an und damit ein grober Plan: es stellt sich heraus, dass die Frau, die sich so toll um Lothar gekümmert hat über den Winter, sich total freuen würde, die Kälbchen erstmal bei sich aufzunehmen und sie auch zu tränken, damit ich weiter mit Lothar unterwegs sein kann. Und es stellt sich heraus, dass meine ungarische Tierärztin, ein kleines Stierkälbchen hat und noch eines zukaufen könnte. Und es stellt sich heraus, dass ich mir ein Auto ausleihen kann, ohne Probleme und es findet sich ein Platz wo Lothar sein könnte über die drei Tage um mir die Tiere anzuschauen und mich um die Papiere zu kümmern.
Aber will ich das wirklich? Will ich die Kälbchen?
Aufregend aufregend, doch mag ich ja eigentlich keine Aufregungen...
Und sich um Dinge kümmern die auch wichtig sind. So werden zum ersten Mal seid ich die Kutsche habe, die nicht wirklich funktionstüchtigen Bremsen überholt, damit Lothar entlastet wird. Mein Karren geht in einen KFZ Meisterbetrieb und darf sogar auf den Bremsenprüfstand.
Und die jährlichen Blutuntersuchungen machen, die der Tierarzt aber dieses Jahr mal zu mal verbockt, anders kann man es nicht nennen. Nach 4 Wochen in Deutschland habe ich sie immer noch nicht, obwohl es maximal eine Woche dauert. Aber was solls, ich kann ja eh grad nicht viel machen.
Ausser eben langsam loslassen von den Vorstellungen über den Sommer.
Dafür kommen neue Gedanken. ein zukünftiges Ochsengespann der Rasse ungarische Grauviehrinder. Ein Sache, die ich eigentlich erst auf in ein Paar Jahre angedacht hatte. Zuerst alles ganz in der Ferne angedacht. Doch von Tag zu Tag änden sich die Gedanken, v.a. jedesmal, wenn ich Lothar schlecht laufen sehe. Und sie ändern sich zu: also dann wohl dieses Jahr?
Und kaum fange ich an darüber zu sprechen, über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten, fangen sich Bruchstücke an zu Bewegen und auf einmal wird aus einem Gedanken ein unverbindlicher Plan.
Aber so viele Sachen gibt es zu Bedenken: wie kann ich sie halten, da sie anfangs kein Elektrozaun kennen? Bekomme ich für sie wieder den europäischen Zirkus und Dressurtierausweis? Und wenn ja, wo? In Ungarn oder Deutschland? Wie kann ich sie aus Ungarn holen? Wen kann ich fragen den Transport zu machen, da ich ja selber keinen BE Führerschein hab? Müssen es wirklich ungarische Grauviehrinder sein: die schönste Rinderart auf Gottes Erdboden? Oder darfs nicht auch was Heimisches sein? .....
Während ich also Wand um Wand verputze, mit Lothar Runde um Runde um die Staude drehe, und auf Blutergebnisse warte, kommen und gehen diese Gedanken. Und fangen die Telefonate an und damit ein grober Plan: es stellt sich heraus, dass die Frau, die sich so toll um Lothar gekümmert hat über den Winter, sich total freuen würde, die Kälbchen erstmal bei sich aufzunehmen und sie auch zu tränken, damit ich weiter mit Lothar unterwegs sein kann. Und es stellt sich heraus, dass meine ungarische Tierärztin, ein kleines Stierkälbchen hat und noch eines zukaufen könnte. Und es stellt sich heraus, dass ich mir ein Auto ausleihen kann, ohne Probleme und es findet sich ein Platz wo Lothar sein könnte über die drei Tage um mir die Tiere anzuschauen und mich um die Papiere zu kümmern.
Aber will ich das wirklich? Will ich die Kälbchen?
Aufregend aufregend, doch mag ich ja eigentlich keine Aufregungen...
Wieso eigentlich ungarische Steppenrinder?
Ungarische Steppenrinder sind, seitdem ich sie das erste mal sah 2007, meine absoluten Lieblinge. Weisses bzw hellgraues Sommerfell, riesige Hörner und bei den Kühen und dadurch bei den Ochsen auch, eine feine, wie mit dem Kajall gezogene Augenumrandung.
Ein riesen Vorteil dieser Rasse ist ihre Geschichte: Früher wurden sie in Ostungarn gezüchtet und anschliessend bis nach Nürnberg und Augsburg in Herden getrieben um dort geschlachtet zu werden. Dafür mussten sie eine leichtfüttrige Rasse sein mit wirklich guten Klauen. Natürlich gehören diese riesigen Herdenumtriebe schon lange der Vergangenheit an, aber ich hoffe doch, dass ein Teil davon noch in der Genetik der heutigen Tiere veranlagt ist. Und dies scheint so, denn es gibt einen jungen Ungarn, der seid 8 Jahren mit einem ungarischen Grauviehochsen in Ungarn reist und der weder beschlägt noch seinem Ochsen Schuhe anziehen muss. Natürlich ists da hauptsächlich flach, trotzdem eine wahnsinnige Leistung für das Klauenhorn. Eigentlich hätte ich am liebsten nach den Yaks mit dieser Rasse weitergemacht. Nur zählen sie zu eher der wilderen Rinderrasse und nachdem mich ja schon mein Yakochse auf die Hörner genommen hat, dachte ich mir, dass ich davon doch lieber die Finger lassen sollte und so kam Lothar.
Meine Yakkuh hatte ich ja noch ein Jahr nach meinem Aufbruch in Ungarn stehen und nachdem ich sie nicht zu einem vernünftigen Preis verkaufen konnte wollte ich sie schlachten lassen und - entschuldigung- zu Nahrung und einem wunderschönen Teppich weiterverarbeiten lassen. Zwei Wochen vor Schlachttermin, damals verbrachte ich meinen ersten Winter in Davos, rief mich meine ungarische Tierärztin an und sagte wie schade es doch wäre dieses wunderschöne Tier zu schlachten. Sie könne es zwar nicht zahlen, aber vielleicht hätte ich Interesse es einzutauschen? Sie hat viele Pferde, Kühe, ungarische Grauviehrinder, Schafe und Ziegen. Und Gott sei Dank hatte ich da einen hellen Moment: ich fragte sie ob es nicht möglich sei, dass sie jetzt die Yakkuh bekäme und ich dafür irgendwann in Zukunft, dann wenn ich sie brauche, ein paar ungarische Grauviehrinderstierkälbchen.
Naja, vielleicht ists ja jetzt soweit.
Freitag, 29. April 2016
Voller Vorfreude auf einsame Waldwege, beste Ochsengesellschaft, keine Sorgen, Natur, Weite und ganz viel Offenheit bin ich aus meinem Winterquartier zu Lothar gefahren.
Doch jetzt bin ich traurig und ein Schleier legt sich über die ganze Freude.
Lothar hat in den letzten eineinhalb Wintermonaten in den hinteren Beinen einen Arthroseschub bekommen und läuft die ersten Meter jedesmal fürchterlich. Kaum kann man hinschauen. Sein rechtes Hinterbein gibt er nicht für die Klauenpflege, weil er nicht sein Gewicht auf das andere verlegen kann.
Also fange ich an zu laufen mit ihm. Ohne Kutsche. Mehrere Stunden am Tag. Und die Bewegung tut ihm gut. Auch auf die Medizin reagiert er positiv und nach zwei Tagen schauen seine Augen wieder mehr nach meinem Lothar aus..
Noch bis in Februar rein war der Zaun zu Lothars Weide offen und er ist mehrmals täglich zwischen Stall (Fressen) und Weide (Wiederkäuen) hin und her gegangen. Nach dem vielen Regen im Februar hätte er die Weide in einen Sumpf verwandelt und so wurde sie zugemacht, er hatte aber noch den Auslauf. Aber den hat er nicht genutzt, sondern ist fortan nur noch an seinem Platz gestanden und hat sich nach dem Fressen nur mehr hingelegt. Das war für seinen Körper nicht genug Bewegung.
Zwei Kutschenprobetage laufe ich zu Freunden. An diesen zwei Tagen gehts Lothar sehr sehr gut. Lansgsamer ist er geworden, vor allem bergab (ich wusste gar nicht, dass es möchlich ist NOCH langsamer zu laufen, aber scheints gibt es noch eine Steigerung zu sehr langsam!), aber man merkt ihm nur wenig an.
Bei den Freunden angekommen versuche ich Lothars Muskeln aufzubauen und seinen Körper durchzubewegen. Morgens 1 1/2 Stunden und Nachmittags das selbe. Bergauf, bergab, morgens allein, abends immer mit Kindern auf seinem Rücken. Denen gefällt es, dass es jeden Nachmittag Lotharreiten gibt. Aber beim Aufstehen, beim uneben Laufen merkt man es jedes Mal dass Lothar Schmerzen hat. Da tut sich über die Zeit und das Training nicht viel. Aber er gibt beide Hinterbeine wieder sehr gut für die Klauenpflege und schaut wieder mehr aus seinen Augen raus.
Ich lenke mich ab von trüben Gedanken und versuche positiv zu denken. Arthrose ist ja nicht heilbar, aber Bewegung tut ihr gut. Kann also eigentlich glücklich sein, dass er sich was aussucht, was durch Reisen besser wird und nicht durchs Bleiben.
Aber wie soll es weitergehen?
Lothar, mein über alles geliebter Zugochse und Weggefährte du wirst doch hoffentlich noch viele Jahre bei mir bleiben?
Doch jetzt bin ich traurig und ein Schleier legt sich über die ganze Freude.
Lothar hat in den letzten eineinhalb Wintermonaten in den hinteren Beinen einen Arthroseschub bekommen und läuft die ersten Meter jedesmal fürchterlich. Kaum kann man hinschauen. Sein rechtes Hinterbein gibt er nicht für die Klauenpflege, weil er nicht sein Gewicht auf das andere verlegen kann.
Also fange ich an zu laufen mit ihm. Ohne Kutsche. Mehrere Stunden am Tag. Und die Bewegung tut ihm gut. Auch auf die Medizin reagiert er positiv und nach zwei Tagen schauen seine Augen wieder mehr nach meinem Lothar aus..
Noch bis in Februar rein war der Zaun zu Lothars Weide offen und er ist mehrmals täglich zwischen Stall (Fressen) und Weide (Wiederkäuen) hin und her gegangen. Nach dem vielen Regen im Februar hätte er die Weide in einen Sumpf verwandelt und so wurde sie zugemacht, er hatte aber noch den Auslauf. Aber den hat er nicht genutzt, sondern ist fortan nur noch an seinem Platz gestanden und hat sich nach dem Fressen nur mehr hingelegt. Das war für seinen Körper nicht genug Bewegung.
Zwei Kutschenprobetage laufe ich zu Freunden. An diesen zwei Tagen gehts Lothar sehr sehr gut. Lansgsamer ist er geworden, vor allem bergab (ich wusste gar nicht, dass es möchlich ist NOCH langsamer zu laufen, aber scheints gibt es noch eine Steigerung zu sehr langsam!), aber man merkt ihm nur wenig an.
Bei den Freunden angekommen versuche ich Lothars Muskeln aufzubauen und seinen Körper durchzubewegen. Morgens 1 1/2 Stunden und Nachmittags das selbe. Bergauf, bergab, morgens allein, abends immer mit Kindern auf seinem Rücken. Denen gefällt es, dass es jeden Nachmittag Lotharreiten gibt. Aber beim Aufstehen, beim uneben Laufen merkt man es jedes Mal dass Lothar Schmerzen hat. Da tut sich über die Zeit und das Training nicht viel. Aber er gibt beide Hinterbeine wieder sehr gut für die Klauenpflege und schaut wieder mehr aus seinen Augen raus.
Ich lenke mich ab von trüben Gedanken und versuche positiv zu denken. Arthrose ist ja nicht heilbar, aber Bewegung tut ihr gut. Kann also eigentlich glücklich sein, dass er sich was aussucht, was durch Reisen besser wird und nicht durchs Bleiben.
Aber wie soll es weitergehen?
Lothar, mein über alles geliebter Zugochse und Weggefährte du wirst doch hoffentlich noch viele Jahre bei mir bleiben?
Montag, 26. Oktober 2015
Lothars Sommerlieblingsplätze
Bei 35 Grad und so vielen Bremsen gabs für Lothar nur 2 Plätze, wo er sich einigermaßen wohlgefühlt hat:
Was ich dieses Jahr gelernt habe
1. Wäsche niemals auf Lothars Weide zum Trocknen aufzuhängen:
2. Frisch aufgebrühten Kaffee nicht zu nah neben den Füßen stehen zu haben (oder besser drauf aufzupassen):
3. Dass Ochsen auch Euter machen (und in manchen Fällen auch Milch geben)
und daher auch eine Euterentzündung bekommen können, die zu behandeln
ist wie bei Kühen.
Freitag, 16. Oktober 2015
Du mein schönes Leben
Unser drittes Jahr neigt sich dem Ende zu. Drei wundervolle Jahre liegen hinter uns. Jedes ins sich unterschiedlich und einzigartig.
Dieses Jahr haben sich nochmal ganz neue Türen geöffnet. Das Vertrauen in meine Weggefährten hat über die Jahre so zugenommen, dass ich zum ersten Mal unterm laufen meine Konzentration nicht auf meine Tiere richten musste, sondern bei mir halten konnte.
Denn Lothar läuft frei irgendwo hinter mir, weiss um die Maße seiner Kutsche und um seine Aufgabe. Er manövriert sich um Hindernisse selbständig herum, lenkt die Kutsche nie in Graben, bleibt nirgendwo hängen. Auch wenn ich auf der Kutsche sitze und Waldwege entlang fahren, kann ich mich nach hinten legen und die Baumwipfel vor dem Himmel vorbeiziehen sehen. Lothar läuft und zieht. Zuverlässig.
Piz ist immer in der Nähe und passt auf wo wir sind. Geht nicht Jagen, kennt ihre Strassenseite und geht selbständig Autos und Traktoren aus dem Weg. In Ortschaften springt sie auf die Kutsche und bleibt oben, bis sie wieder herunter darf. Auch sie in ihrem Bereich zuverlässig.
Also konnt ich mich total aufs Laufen, aufs Unterwegssein, auf die Natur und alles drumherum einlassen. Mit ganzer Konzentration, mit Haut und Haar. Da hat sich nochmal eine andere Dimension aufgetan.
Noch dazu kam, dass ich mit besseren Karten unterwegs war und somit einsamere Wege laufen konnte, wo ich natürlich auch weniger Menschen mit Fotoapparaten begegnete.
Und die Wiesen! Was hab ich dieses Jahr für tolle Plätze gehabt. Absolut ab vom Schuss. Nur wir und die Natur. Keine Strassen mehr, keine Häuser. Nix.
Ein solcher Reichtum an Erlebnissen, an Begegnungen, an Erfahrungen, an Weite, Liebe und Wundern. Was ein Segen, dass vor Jahren die Idee geboren wurde, so eine Reise zu tun und sich ihre Umsetzung als noch grösserer Segen herausstellte.
Natürlich sind die Schwierigkeiten der ersten Jahre nicht verschwunden, aber bekannter geworden. Und dadurch nicht mehr so dramatisch. Und es gibt mittlerweile das Vertrauen, dass aus ihnen oft Gutes entstehen wird. Mit Geduld.
Auch schlechte Zeiten mit mir selbst gibts, gabs und wirds immer wieder geben. Auch über ein paar Wochen. Wo ich mit mir selber kämpfe. Mir selbst bin ich oft der größte Widerstand und der grösste Stolperstein.
Doch mit meiner Tour, mit meinen Gefährten, mit dieser Art von Leben, mache ich etwas, was ich GANZ bin. Und würde ich morgen eine Million Euro gewinnen, ich würd ab April genauso mit Lothar und Piz weiterziehen, wie ich es tue, wenn es nicht passiert. Ich freu mich schon darauf. So sehr!
Also bis ins nächste Jahr! Jetzt wirds nochmal ein paar Fotos geben und dann schläft auch der Blog wieder seinen wohlverdienten Winterschlaf. Wer benachrichtigt werden möchte, wenns wieder weiter geht, schreib mir bitte eine Mail. Ansonsten wirds irgendwann im April sein. So wie jedes Jahr.
Ich danke allen, die meinen Weg unterstützen. Und dabei mein ich auch alle Menschen, die positiv an unsere Begegnung zurückdenken. Jeder positive Gedanke, jede Freude, jedes Nachdenken trägt unsere Tour mit.
Einen Satz möchte ich noch schreiben, der mich dieses Jahr tief berührt hat.
Eine Frau sagte mir, dass wir auf den Wegen die wir laufen ein Leuchten hinterlassen.
Wenn dem so ist, dann danke ich dem Leben dafür! Dass es uns so trägt und hilft in dem was wir tun, dass wir leuchten dürfen.
Der letzte Reisemonat ist nicht so der Meine. Zu wissen, dass es mit meiner Langsamkeit bald vorbei ist. Zu wissen, dass ich bald die Schnelligkeit anderer Leute leben muss. Zu wissen, dass es bald keinen Ochsen mehr um mich gibt, der mich lehrt, der mit mir läuft, der sein Leben dem Meinen hingibt und den eine ganz spezielle Atmosphäre umgibt. Zu wissen, dass es bald vorbei ist mit dem Sein, dem Wahrnehmen der Umgebung, dem Schauen, dem Offen sein, der Weite. Zu wissen, dass es bald ein draussen und drinnen gibt, eine Trennung von mir und dem Wetter und somit keine Hingabe mehr an so wie es eben ist: heiss, kalt, windig, regnerisch, neblig, stürmisch, bewölkt, sonnig und all den Stufen dazwischen.
Natürlich liegt es an mir selbst, so viel wie möglich davon auch im Winter zu leben. Es einfach zu wagen es zu leben.
Aber, es wird auch wieder andere tolle Sachen geben: ein beheiztes Zimmer, die Alpen, oh ja, die Berge, wieder ein Untertauchen und Übersehen werden unter Menschen, Monate ohne fotografiert zu werden, WLAN, Bücher, also Ablenkung :-), Weihnachten und Familie, mir wird gekocht und das allerallerbeste: am Ende eine gefüllte Reisekasse für wieder ein halbes Jahr unterwegs mit meinen über alle Maßen geliebten, vertrauten und geschätzten Gefährten: Lothar und Piz in der Natur, mit der Natur und um sie herum.
Natürlich liegt es an mir selbst, so viel wie möglich davon auch im Winter zu leben. Es einfach zu wagen es zu leben.
Aber, es wird auch wieder andere tolle Sachen geben: ein beheiztes Zimmer, die Alpen, oh ja, die Berge, wieder ein Untertauchen und Übersehen werden unter Menschen, Monate ohne fotografiert zu werden, WLAN, Bücher, also Ablenkung :-), Weihnachten und Familie, mir wird gekocht und das allerallerbeste: am Ende eine gefüllte Reisekasse für wieder ein halbes Jahr unterwegs mit meinen über alle Maßen geliebten, vertrauten und geschätzten Gefährten: Lothar und Piz in der Natur, mit der Natur und um sie herum.
Winterquartiersuche zu Ende, wieder haben wirs geschafft!
Lothar wird diesen Winter den Stall nicht nur zusammen mit zwei Kälbchen teilen, sondern wohnt er gleich neben Pferden, Ziegen und Hühnern. Darf rein und raus wie es ihm beliebt. auf wohl knapp 700m im Schwarzwald. Ich glaube, er wird sich dort wohlfühlen.
Und Piz und ich gehen wieder in die Berge! Nach Davos. Als ich dort war um mich vorzustellen, konnte ich wieder nur ungläubig über deren Schönheit staunen. Wie konnt ich nur vergessen wie schön die Alpen sind? Wie gut es tut, einfach nur drin zu sein und sie anzuschauen? In den Bergen könnt man mir wohl jeden Job andrehen! Aber so ists nicht einmal. Kühe werden wieder ein Bestandteil sein, morgens und abends melken. Und dazwischen Kutsche fahren mit Touristen. Um Davos herum und bis ins wunderschöne Sertigtal hinter. Darauf bin ich sehr gespannt. Da gibts wieder viel Neues zu lernen.
Freitag, 9. Oktober 2015
Deutschlandpremiere!
"EVA"
Dokumentarfilm, 85 Min., 2015
am 12.10. (Montag) um 18:30 Uhr im Werkstattkino in München
auf dem UNDERDOX Festival
Regie / Kamera / Schnitt: MELANIE JILG -- Co-Regie / Ton: SARAH LENA RUH -- Tongestaltung: CORNELIA BÖHM
Trompete: MATTHIAS LINDERMAYR -- Farbkorrektur: DANKO DOLCH
Trompete: MATTHIAS LINDERMAYR -- Farbkorrektur: DANKO DOLCH
Eine junge Frau zieht durch die Lande.
Die Hündin "Piz" und der Ochse "Lothar" sind ihre treuen Begleiter.
Sie setzt einen Fuß vor den Anderen,
während Füchse schreien und Züge vorbei brausen.
Auf ihren sonnenverbrannten, starken Schultern trägt sie unendliche Weite.
Wenn der alte Mond langsam über das Firmament rast,
kommt der Schlaf mit schneeweißer Milch und dunklen Mauern.
Aber Evas Vertrauen ins Leben vertreibt diese Alpträume.
Der Regen verwischt die Grenzen zwischen Ende und Anfang
und die Zeit wächst in knorrigen Ringen um den Ursprung.
"Episch, archetypisch und kraftvoll - diese zeitlose Straße ins Nirgendwo
ist gleichermaßen eine Ode an die Freiheit (der Bewegung) und ein spirituelles
und sinnliches Abenteuer. Aufbauend auf wechselnden Geschwindigkeiten,
wechselndem Licht, Zusammenstössen der Dimensionen, ultra-langsamen Bildfolgen,
extrem inspirierten visionären Aufnahmen und den Versen eines isländischen
Gedichts aus dem 13. Jahrhundert entsteht ein hypnotisierendes Werk!"
Katalogtext Visions du Réel 2015 - Paolo Moretti
Die Hündin "Piz" und der Ochse "Lothar" sind ihre treuen Begleiter.
Sie setzt einen Fuß vor den Anderen,
während Füchse schreien und Züge vorbei brausen.
Auf ihren sonnenverbrannten, starken Schultern trägt sie unendliche Weite.
Wenn der alte Mond langsam über das Firmament rast,
kommt der Schlaf mit schneeweißer Milch und dunklen Mauern.
Aber Evas Vertrauen ins Leben vertreibt diese Alpträume.
Der Regen verwischt die Grenzen zwischen Ende und Anfang
und die Zeit wächst in knorrigen Ringen um den Ursprung.
"Episch, archetypisch und kraftvoll - diese zeitlose Straße ins Nirgendwo
ist gleichermaßen eine Ode an die Freiheit (der Bewegung) und ein spirituelles
und sinnliches Abenteuer. Aufbauend auf wechselnden Geschwindigkeiten,
wechselndem Licht, Zusammenstössen der Dimensionen, ultra-langsamen Bildfolgen,
extrem inspirierten visionären Aufnahmen und den Versen eines isländischen
Gedichts aus dem 13. Jahrhundert entsteht ein hypnotisierendes Werk!"
Katalogtext Visions du Réel 2015 - Paolo Moretti
INFOS:
Trailer:
Donnerstag, 1. Oktober 2015
„Bist du nicht auch mal einsam?“ höre ich immer mal wieder, wenn ich mit Besuch abends am Feuer sitze und auch mal Raum ist für andere Gespräche.
Ist diese Frage schon länger nicht mehr gestellt worden bin ich erstmal überrascht und versuche nachzuvollziehen, was gemeint sein könnte.
Denn ich habe einen wunderbaren Ochsen, einen tollen Hund. Ich habe die Bäume um mich herum, die Weite und den Himmel. Ich habe die Erde unter meinen Füssen, die Sonne die mich wärmt und das Leben an meiner Seite. Das Gefühl der Einsamkeit gibt es daher gar nicht, solange ich unterwegs bin.
Ist diese Frage schon länger nicht mehr gestellt worden bin ich erstmal überrascht und versuche nachzuvollziehen, was gemeint sein könnte.
Denn ich habe einen wunderbaren Ochsen, einen tollen Hund. Ich habe die Bäume um mich herum, die Weite und den Himmel. Ich habe die Erde unter meinen Füssen, die Sonne die mich wärmt und das Leben an meiner Seite. Das Gefühl der Einsamkeit gibt es daher gar nicht, solange ich unterwegs bin.
Das Phlegma meines Ochsen
Freitag, 25. September 2015
Post von Lothar
Grüße auf Karten hat Lothar schon öfters verfasst. Meist in Worten wie: "Danke für das gute Gras" o.ä. Dass er aber auch lange Brief schreiben kann, in gutem Deutsch und richtigem Satzbau?
Ich hätts nicht mal mitbekommen, wenn ihn mir nicht eine nette ehemalige Waldkindergärtnerin als Kopie nachgeschickt hätte. Was war ich überrascht!
Ich hab an dem besagten Tag, einem Sonntag, nicht mal gemerkt, dass er aufgeregt war, als wir zum Waldkindergarten einbogen, um dort eine Mittagspause zu machen.
Hier auf jeden Fall mal der Brief:
Liebe Waldkinder,
ich bin Lothar, ein Ochse auf Wanderschaft.
Losgewandert bin ich vor drei Jahren in Ungarn und in diesem Sommer bin ich im Schwarzwald unterwegs, zusammen mit der Hündin Piz und der Menschenfrau Eva.
Neulich ist mir was passiert wovon ich euch gerne erzählen möchte:
Piz, Eva und ich wanderten gemächlich durch Freiamt und waren auf der Suche nach einem Rastplatz für unsere Mittagspause. Da entdeckte ich ein Schild am Wegrand, auf dem stand "WALDRINDERGARTEN". Wow, dachte ich. Ein Garten im Wald nur für Rinder. Das klang super. Das ist sicher eine wunderschöne Waldlichtung mit saftigem Gras auf der glückliche Rinder grasen.
Wie groß war meine Freude. Ich malte mir bereits aus, wie ich mit all den Rindern in dem Garten weiden konnte, ein bisschen plaudern, Neuigkeiten austauschen. Vielleicht eine mir noch unbekannte Pflanze kosten, gemeinsam mit den Rindern blinde Kuh spielen, dösen und gemütlich wiederkäuen. Nach den vielen Menschenbegegnungen mal wieder einfach nur Rindviecher treffen.
Meine Menschin bog ab und wir folgten dem Wegweiser. Ich konnte auch schon eine schön gelegene Wiese am Waldrand sehen. Doch wo waren all die Rinder? Im Rindergarten angekommen sah ich nur einen Bauwagen, ein köstlich bepflanztes Hochbeet (von dem ich leider nichts naschen durfte) und einen Apfelbaum, doch kein einziges Rind. Die sind sicher im Wald, dachte ich mir, doch auch dort waren keine Rinder. Nochmal beim Bauwagen nachsehen, vielleicht ist das ja so eine Art Stall auf Rädern. Es war gar nicht so einfach mit meinem Wagen zu wenden. Am Bauwagen hing ein weiteres Schild: WALDKINDERGARTEN. Oh nein, ich Ochse! Da hatte ich mich wohl verlesen.
Schade, war wohl nichts mit dem Rindergarten.
Da mir euer Platz aber trotzdem so gut gefallen hat, habe ich mir erlaubt meine Mittagspause bei euch zu machen. Wirklich schön habt ihr es! Und so schön schattig unter den Bäumen. Da hat es mir auch nichts mehr ausgemacht, dass ich keine Rinder getroffen habe, denn gemütlich wiederkäuen und an neuen Pflanzen schnuppern konnte ich trotzdem.
Kinder habe ich allerdings auch keine getroffen.
Darum schicke ich euch in diesem Brief liebe Grüße und bedanke mich für den gemütlichen Rastplatz. Und falls ihr doch mal einen Rindergarten daraus macht,dann lasst es mich wissen!

Ob ich wohl auch irgendwann einen Brief von Lothar bekommen werde?
Freitag, 18. September 2015
Kann, muss, soll, darf ich Lothar vertrauen?
Ein Tier sollte ja eigentlich Instinkte haben, sollte man meinen. Ob ich, Mensch, diesen auch wirklich vertrauen kann? Jaja, sag ich da natürlich schnell.
Aber dann, wenn giftige Pflanzen auf der Wiese stehen, wo ich Lothar grad einzäune, komme ich doch immer wieder ins zweifeln. Da bin ich dann froh, dass ich auch in Ungarn mit Tieren zu tun hatte und da lernen durfte, dass uns über die Jahre nie ein Tier eingegangen ist, weil es „versehentlich“ von den dort heimischen giftigen Pflanzen probiert hat. Aber wenn dann Lothar !konkret! vor dem Jakobskreuzkraut, oder vor wahnsinnig viel Hahnenfuss steht, dann komm ich doch ins Zweifeln und ich muss mir immer sagen: Vertrau deinem Tier, vertrau deinem Tier, vertrau deinem Tier.
Natürlich könnt ich diese Pflanzen ausreissen, aber trainiere ich meinem Tier dann nicht auch was ab?
Vorgestern abend bin ich in einer ähnlichen, aber anderen Situation an den Zaun getreten um mit Lothar noch ein ernstes Wörtchen zu reden. Hier war die Lage so, dass er auf einer Wiese mit nur wenig Gras drauf stand, ich dadurch gross einzäunen musste. Und somit auch einen schönen Apfelbaum einzäunte, der sich seiner ganzen Früchte schon entledigt hatte, die schön um ihn rum auf dem Boden lagen. Natürlich hat Lothar nichts anderes gemacht, als sich Apfel um Apfel vom Boden zu holen. Und noch einer. Und noch einer. Und noch einer. Und noch einer. Und noch einer. Dann wiederkäuen und dann noch einer, und noch einer......
Lothars Magen war durch die Fallobstzeit schon an Äpfel gewöhnt, aber nicht diese Menge. Daher wieder die Frage: kann das Tier es einschätzen, wieviel es verträgt? Und die Worte an Lothar: Lothar, ich vertrau dir, dass du einschätzen kannst, wieviel du verträgst und gesund bleibst!! Lothar liess sich durch mein mamahaftes Auftreten wie immer nicht beeindrucken, kuckte nicht mal gross zu mir, um meinen Worten zumindest etwas Wichtigkeit zu geben, sondern nahm nur den nächsten Apfel.
Am nächsten Morgen war mein erster Gang zur Weide um nach seinem Zustand zu schauen. Er käute friedlich wieder, und ein Blick unter den Baum zeigte, dass noch Äpfel übrig waren (aber verdammt viele fehlten!!).
Und als wir dann wieder unterwegs waren und ich automatisch einen Apfel aufhob um ihn meinem Zugtier zu verfüttern, nahm er ihn in den Maul - wohl auch gewohnheitsmäßig-, um ihn aber sofort wieder auszuspucken! Ein Tag lang ging er hinter mir her, ohne sich nach nur einem Obst umzudrehen! Naja und ein bisschen Durchfall hatte er auch. Aber er wurde weder krank, noch starb er, noch war er in seinem Arbeitsvermögen eingeschränkt. Also scheint er auch seine Obstverträglichkeit einschätzen zu können. Puuh!
Aber dann, wenn giftige Pflanzen auf der Wiese stehen, wo ich Lothar grad einzäune, komme ich doch immer wieder ins zweifeln. Da bin ich dann froh, dass ich auch in Ungarn mit Tieren zu tun hatte und da lernen durfte, dass uns über die Jahre nie ein Tier eingegangen ist, weil es „versehentlich“ von den dort heimischen giftigen Pflanzen probiert hat. Aber wenn dann Lothar !konkret! vor dem Jakobskreuzkraut, oder vor wahnsinnig viel Hahnenfuss steht, dann komm ich doch ins Zweifeln und ich muss mir immer sagen: Vertrau deinem Tier, vertrau deinem Tier, vertrau deinem Tier.
Natürlich könnt ich diese Pflanzen ausreissen, aber trainiere ich meinem Tier dann nicht auch was ab?
Vorgestern abend bin ich in einer ähnlichen, aber anderen Situation an den Zaun getreten um mit Lothar noch ein ernstes Wörtchen zu reden. Hier war die Lage so, dass er auf einer Wiese mit nur wenig Gras drauf stand, ich dadurch gross einzäunen musste. Und somit auch einen schönen Apfelbaum einzäunte, der sich seiner ganzen Früchte schon entledigt hatte, die schön um ihn rum auf dem Boden lagen. Natürlich hat Lothar nichts anderes gemacht, als sich Apfel um Apfel vom Boden zu holen. Und noch einer. Und noch einer. Und noch einer. Und noch einer. Und noch einer. Dann wiederkäuen und dann noch einer, und noch einer......
Lothars Magen war durch die Fallobstzeit schon an Äpfel gewöhnt, aber nicht diese Menge. Daher wieder die Frage: kann das Tier es einschätzen, wieviel es verträgt? Und die Worte an Lothar: Lothar, ich vertrau dir, dass du einschätzen kannst, wieviel du verträgst und gesund bleibst!! Lothar liess sich durch mein mamahaftes Auftreten wie immer nicht beeindrucken, kuckte nicht mal gross zu mir, um meinen Worten zumindest etwas Wichtigkeit zu geben, sondern nahm nur den nächsten Apfel.
Am nächsten Morgen war mein erster Gang zur Weide um nach seinem Zustand zu schauen. Er käute friedlich wieder, und ein Blick unter den Baum zeigte, dass noch Äpfel übrig waren (aber verdammt viele fehlten!!).
Und als wir dann wieder unterwegs waren und ich automatisch einen Apfel aufhob um ihn meinem Zugtier zu verfüttern, nahm er ihn in den Maul - wohl auch gewohnheitsmäßig-, um ihn aber sofort wieder auszuspucken! Ein Tag lang ging er hinter mir her, ohne sich nach nur einem Obst umzudrehen! Naja und ein bisschen Durchfall hatte er auch. Aber er wurde weder krank, noch starb er, noch war er in seinem Arbeitsvermögen eingeschränkt. Also scheint er auch seine Obstverträglichkeit einschätzen zu können. Puuh!
Dienstag, 15. September 2015
Und wieder zurück im Schwarzwald. Keine vier Wände mehr, sondern wieder der weite Himmel über meinem Kopf den ganzen Tag und die ganze Nacht und der Erdboden, auf den ich mich schlafen lege. Dankbar, dass er‘s ist und kein Bett. Für nichts in der Welt möcht ichs eintauschen.
Jetzt wirds Herbst, die andersfarbigen Blätter lassen sich schon nicht mehr auf die Trockenheit schieben. Und wie ganz von selbst hat sich die Winterquartiersuche verselbstständigt und wieder bin ich überrascht über die Hilfsbereitschaft der Menschen, auch wenn noch nichts konkret in Sicht ist.
So bin ich an einem Tag mit einer Bekannten und ihrem Auto (oh Gott ist mir ungut geworden die kleinen Schwarzwaldstrassen hoch und runter in einem Auto!) ein paar Höfe abgefahren um nach einem Winterquartier für Lothar zu suchen, sollte ich ihn über Winter nicht bei mir haben können. Und bei allen Höfen hörte ich das Selbe: „Du bist doch die von Facebook!“
????????
Ja, ich bin auf Facebook, ein sehr unaktives Mitglied, aber nicht einsehbar für andere Leute. Wie konnte es also sein?
Da hat sich rausgestellt, dass es in der Region wo ich grad bin, unter den Menschen eine eigene Facebookgruppe gibt. Und da hat jemand meine Suche und ein Foto von mir reingestellt. Erstaunlicherweise kann es nicht länger als 24 h her sein, dass dies erschienen ist und trotzdem hatten diese Bauern es alle schon gesehen ;-) Und sehr interessant, bzw lustig die Kommentare dazu.
Hoffen wir, dass es was bringt.
Und so verbringe ich im Moment viel Zeit vor dem Internet, hab schon ganz quadratische Augen davon. Suche Bauernzeitungen in Deutschland und der Schweiz ab nach der Anzeige, die für mich bestimmt ist. Telefoniere und telefoniere und telefoniere. Und spreche und spreche und spreche. In der Herbstzeit kann ich mich nicht mehr auf meinen einsamen Waldwegen verstecken!
Jetzt wirds Herbst, die andersfarbigen Blätter lassen sich schon nicht mehr auf die Trockenheit schieben. Und wie ganz von selbst hat sich die Winterquartiersuche verselbstständigt und wieder bin ich überrascht über die Hilfsbereitschaft der Menschen, auch wenn noch nichts konkret in Sicht ist.
So bin ich an einem Tag mit einer Bekannten und ihrem Auto (oh Gott ist mir ungut geworden die kleinen Schwarzwaldstrassen hoch und runter in einem Auto!) ein paar Höfe abgefahren um nach einem Winterquartier für Lothar zu suchen, sollte ich ihn über Winter nicht bei mir haben können. Und bei allen Höfen hörte ich das Selbe: „Du bist doch die von Facebook!“
????????
Ja, ich bin auf Facebook, ein sehr unaktives Mitglied, aber nicht einsehbar für andere Leute. Wie konnte es also sein?
Da hat sich rausgestellt, dass es in der Region wo ich grad bin, unter den Menschen eine eigene Facebookgruppe gibt. Und da hat jemand meine Suche und ein Foto von mir reingestellt. Erstaunlicherweise kann es nicht länger als 24 h her sein, dass dies erschienen ist und trotzdem hatten diese Bauern es alle schon gesehen ;-) Und sehr interessant, bzw lustig die Kommentare dazu.
Hoffen wir, dass es was bringt.
Und so verbringe ich im Moment viel Zeit vor dem Internet, hab schon ganz quadratische Augen davon. Suche Bauernzeitungen in Deutschland und der Schweiz ab nach der Anzeige, die für mich bestimmt ist. Telefoniere und telefoniere und telefoniere. Und spreche und spreche und spreche. In der Herbstzeit kann ich mich nicht mehr auf meinen einsamen Waldwegen verstecken!
Samstag, 5. September 2015
Ein anderes Leben.
Plötzlich Oberbayern.
Andere Kirchtürme. Anderes Licht. Anderes Gefühl aus der Erde. Leben in 1 1/2 Zimmern, überall Wände, rechts, links, oben, unten, ganz nah, andere Menschen, ganz nah. Der Sturm bleibt von einem getrennt vor der Haustür und macht keinerlei Beeinträchtigung. Man muss sich nicht auf ihn einlassen sondern kann ihm sicher, trocken, durch die Fensterscheiben beim Wüten zuschauen. Auf kein Wetter muss man sich wirklich einlassen, es gibt immer Ausweichmöglichkeiten.
Und die Ablenkung ist überall: ein Fernseher, ein Bücherregal, viel Afrikaromane, wo meine Grossmutter geboren ist, ein CD-Player, ein Radio, Internet (super für die Winterquartiersuche), Einkaufsmöglichkeiten.
Das Essen ist schnell zubereitet auf einem elektrischen Herd und das Gemüse und die Butter kommen schön kühl aus dem Kühlschrank, sind vielseitig und jederzeit ersetzbar und v.a. FRISCH!
Piz wird sittsam spazieren geführt und darf mit übergewichtigen Hunden spielen.
So schauts aus in Moment :-)
Samstag, 29. August 2015
Gedanken I
Ruhig solln sie sein meine Gedanken. Ich weiss, ich wiederhole mich, doch ists mir einfach ein wichtiges Thema. Wenn ich laufe, jeden Tag, langsam, schlafen sie ein. Es gibt dann nur noch sehr wenig, womit sie sich beschäftigen können. Was gibts zum essen, z.B., oder wo werden wir heute wohl eine Wiese haben. Da kann sich nicht viel im Kreise drehen. Ansonsten ist Ruhe im Kopf.
Meine Gedanken können aber auch anders. Sind auch Meister darin sich im Kreise zu drehen. V.a. solange ich sesshaft bin. Dann nehmen sie ein Ereignis und arbeiten das durch und durch und machen dadraus etwas, was nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Nicht nur, dass das Lärmbelästigung für meinen Kopf ist, ich finde auch, dass ich für meinen Gedanken Verantwortung trage. Und mit ihnen auch Schaden machen kann. Das möchte ich nicht. Ich versuche also etwas zu betreiben, was ich scherzhaft „Gedankenhygiene“ nenne. Meine Gedanken, meinen Kopf frei von Negativität zu halten, frei von Endlosschleiffen desselben Inhalts. Ihn nur gezielt zu benutzen wenn ich ihn brauche.
Mittlerweile klappt das phasenweise eigentlich sehr gut. Doch je mehr ich unter Menschen bin und aus dem Sein heraus automatisch wieder mehr in den Kopf rutsche, soll man ja z.B. auf Gesagtes reagieren, bekommt er wieder mehr Spielraum und Einfluss und dann dauerts wieder bis ich ihn wieder in seinen Schlaf gesungen/gelaufen habe.
Ein Wunsch von mir ist schon der, dass ich meinen Kopf nicht nur Phasenweise gut unter Kontrolle habe, sondern in jeglicher Situation. Immer. Auch unter Menschen. Dafür laufe ich.
Gedanken II
Vor ungefähr 5-6 Jahren habe ich mal ein halbes Jahr bei der Firma P.... gearbeitet. Das ist eine Internetversandfirma, die nur Billigschrott Made in China verschickt. Mit Hochglanzfotos ihrer Produkte hochgehalten von dickbrüstigen Frauen mit tiefem Dekolte als Werbung. Hat man diese dann selbst in der Hand merkt man erst, was für Schrott das ist. Naja, auf jeden Fall habe ich da die Pakete gepackt. Paket um Paket um Paket. Paket aus dem Regal nehmen, wiegen, Rechnung und Katalog dazu, Füllmaterial rein, zukleben, Adressaufkleber drauf und rauf aufs Fliessband. Neues leeres Paket in den alten Platz zurück. 8 Stunden lang im Schichtdienst. Am Ende der Schicht wurde dann eine „Bestpacker"-Liste ausgedruckt, damit du dich schön messen konntest mit deinen Mitpackerinnen. Ich glaube ich war auch mal bei um die 700 Pakete in 8 Stunden. Und natürlich wurde man beim Rausgehen immer Stichprobenartig in einen Nebenraum gerufen und durchsucht, dass man ja nichts mitgenommen hat.
Die Stimmung in dem Betrieb war ziemlich schlecht gewesen. Und natürlich lief er hauptsächlich auf Leiharbeiterbasis. Und liefs mal nicht gut mit dem Geschäft, wurde einfach 1/3 der Belegschaft entlassen. Von heut auf morgen. Tut uns Leid.
Nach der Einarbeitungsphase, wenn man nicht mehr so drüber nachdenken musste, was man tat, war man allein mit seinen Gedanken. In einem unguten Betriebsklime. 8 h lang hatten die Gedanken also Zeit einen zuzulabern.
Ich stand erstmal nur drin in dem Betrieb und war - Pakete packend - glücklich darüber, dass ich nicht darauf angewiesen bin, dies mein Lebtag zu machen. So wie so viele andere Menschen weltweit jeden Tag. Nachdem es bei mir aber auch anfing mit den Gedanken, die sich im Kreise drehen, fing ich an ein Gedicht auswendig zu lernen. Strophe für Strophe. Jeden Tag. Und am Ende der Zeit hatte ich meine 53 Strophen zusammen. Es war „Der Seherin Gesicht“, der erste Teil der Edda, über die Entstehung, Untergang und Neuauferstehung dieser unseren Welt. Es geht glaub ich um die 20 Minuten.
Diese Strophen haben mich die Arbeitsstunden überstehen lassen, ohne meinen Kopf negativ zermartert zu haben, sondern bereichert.
Freitag, 21. August 2015
Schwarzwald, wir bleiben dir treu
Und wieder ist alles anders.
Hat es mich nach den Kreisen und Zickzacklinien, die wir im Süd und Mittelschwarzwald gezogen haben dann doch wieder in eine neue Himmelsrichtung gesehnt: nach Norden. Aber dann, als wir tatsächlich vor den Toren Pforzheims standen, nur noch einen halben Tagesmarsch von der „Ebene“ entfernt, hat es mich doch - für diese Saison zumindest - angegruselt.
Dort unten zwischen Karlsruhe und Pforzheim war es auf einmal so dicht besiedelt. Überall waren Städte, Dörfer, Strassen. Wo sollten Lothar, Piz und ich da unsere einsamen Wege finden? Die, wo uns tagsüber niemand anderes sieht als der Eichelhäher, Forstarbeiter, unzählige Tannen und die spätsommerlichen bunten Blumenmeere entlang des Weges? Wo wir einfach laufen dürfen, die Wälder riechen und ganz viel schauen, schauen? Nein, ich konnte diese Zeit für meinen letzten frei reisenden Monat nicht hinter mir lassen. Das soll das nächste Jahr wieder mit sich bringen.
Noch dazu kommt die Trockenheit, die ich selbst hier oben zu spüren bekomme. Wenn der zweite Schnitt anstatt zu wachsen ausdünnt und kaum mehr Winterfutter bringt und ich von Bauern höre, dass sie zum Winter Tiere verkaufen müssen, damit der Rest gut über den Winter kommt. Wie ists dann erst da unten? Ende Juli bin ich mit dem Auto in der Ebene unterwegs gewesen und damals wars schon verdammt trocken. Nein, nein, Lothar, dieses karge Futter, was dann auch noch schwer zu finden sein wird, das möchte ich dir ersparen. Auch darauf bezogen, dass ich dich ja die erste Septemberwoche eine Woche alleine lassen muss, um auf meine Grossmutter aufzupassen. Da ists schon besser wir bleiben oben, da finde ich dir schon eine schöne Weide.
Also sind wir wieder abgedreht. Haben nicht einen Fuss aus dem Schwarzwald rausgesetzt und ziehn jetzt wieder gen Süden. Schwarzwald, diese Saison bleiben wir dir treu!
Und jetzt sind wir im Hochschwarzwald. Einsam. Mit Blick bis in die Vogesen und freuen uns daran oben zu sein.
Hat es mich nach den Kreisen und Zickzacklinien, die wir im Süd und Mittelschwarzwald gezogen haben dann doch wieder in eine neue Himmelsrichtung gesehnt: nach Norden. Aber dann, als wir tatsächlich vor den Toren Pforzheims standen, nur noch einen halben Tagesmarsch von der „Ebene“ entfernt, hat es mich doch - für diese Saison zumindest - angegruselt.
Dort unten zwischen Karlsruhe und Pforzheim war es auf einmal so dicht besiedelt. Überall waren Städte, Dörfer, Strassen. Wo sollten Lothar, Piz und ich da unsere einsamen Wege finden? Die, wo uns tagsüber niemand anderes sieht als der Eichelhäher, Forstarbeiter, unzählige Tannen und die spätsommerlichen bunten Blumenmeere entlang des Weges? Wo wir einfach laufen dürfen, die Wälder riechen und ganz viel schauen, schauen? Nein, ich konnte diese Zeit für meinen letzten frei reisenden Monat nicht hinter mir lassen. Das soll das nächste Jahr wieder mit sich bringen.
Noch dazu kommt die Trockenheit, die ich selbst hier oben zu spüren bekomme. Wenn der zweite Schnitt anstatt zu wachsen ausdünnt und kaum mehr Winterfutter bringt und ich von Bauern höre, dass sie zum Winter Tiere verkaufen müssen, damit der Rest gut über den Winter kommt. Wie ists dann erst da unten? Ende Juli bin ich mit dem Auto in der Ebene unterwegs gewesen und damals wars schon verdammt trocken. Nein, nein, Lothar, dieses karge Futter, was dann auch noch schwer zu finden sein wird, das möchte ich dir ersparen. Auch darauf bezogen, dass ich dich ja die erste Septemberwoche eine Woche alleine lassen muss, um auf meine Grossmutter aufzupassen. Da ists schon besser wir bleiben oben, da finde ich dir schon eine schöne Weide.
Also sind wir wieder abgedreht. Haben nicht einen Fuss aus dem Schwarzwald rausgesetzt und ziehn jetzt wieder gen Süden. Schwarzwald, diese Saison bleiben wir dir treu!
Und jetzt sind wir im Hochschwarzwald. Einsam. Mit Blick bis in die Vogesen und freuen uns daran oben zu sein.
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