Samstag, 17. September 2016

Ein guter Ort umzudrehen


Es ist Mitte September, auch wenn die Temperaturen noch Sommer angeben, so zeigt der Kalender was anderes.  Zum ersten mal wird Lothar wieder in das selbe Winterquartier gehen als im Vorjahr. Und Max und Milan werden ihm dort Gesellschaft leisten. Irgendwann ist es also an der Zeit Richtung dorthin aufzubrechen. Ein ruhiger September im Vergleich, denn die letzten drei Jahre ging es in dieser Zeit intensiv um Winterquartiersuche. Das bleibt mir dieses Jahr erspart.

Einen Betrieb, von dem ich letztes Jahr schön hörte, wollte ich aber noch besuchen. Am Rande vom Schwarzwald gibt es eine junge Familie die Büffel züchtet und deren Milch verkäst. Eine grosse Steigung trennte uns nur noch von ihnen, die hat Lothar aber mit Bravour gemeistert.
Wasserbüffel sind wunderschöne Tiere und passen mit ihrer extremen Langsamkeit irgendwie zu Lothar und dadurch zu uns. In einem normalen Laufstall werden sie gehalten und laufen auch in einen 4x4 Melkstand. Nur dass der ein bisschen breiter gemacht wurde, damit diese massigen Tiere auch Platz haben. Und noch ein Unterschied gibts zum «normalen» Laufstall: im Auslauf befindet sich eine Sprenkelanlage, die ihnen Kühlung verschafft an den warmen Spätsommertagen. 
Wirklich schöne Tier und auf einem interessanter Betrieb. Und zwei Menschen die ein völlig anderes Leben leben als ich. Stallbau, Kinder, Betriebsaufbau....alles zur selben Zeit.
Ich darf mir alles anschauen und glücklicherweise haben sie auch noch ein Stück Wiese im Wald, wo es neben Schatten auch noch ein bisschen grüne Wiese gibt. Da oben ist sonst alles schon braun. Also bleiben wir zwei Tage.
Diesen Ort finde ich passend um langsam wieder Richtung Winter zu starten.

Die Zeit hat etwas endliches. Denn ich bin mir nicht sicher, ob Lothar uns noch eine weitere Saison ermöglichen kann. Er hat zum dritten mal dieses Jahr Schmerzen und Schwellung im Bein und auch wenn er nach dem Warmlaufen wieder schmerzfrei läuft, sind wir doch an einem Punkt angelangt, wo ich mir nicht sicher bin, ob ich das weiter verantworten kann. 
Ich würde gerne weiterziehen die nächsten Jahre und ich denke ich kann so für Piz, Max und Milan auch sprechen, aber für meinen grossen, wunderschönen, schwarzweissen Weggefährten?

Die Zeit hat etwas endliches. Ganz schön an meine Substanz geht und ging mir die Situation mit Lothar, seinem Bein, und der Möglichkeit des Endes.
Doch endlich bin ich auch ruhig mit allem wie es ist. Zum ersten Mal diesen Sommer eigentlich - ruhig. Weiss gar nicht, woher das auf einmal kommt, aber ich bin sehr dankbar dafür.

Ich werde versuchen den Rückweg schön flach für Lothar zu gestalten, werden wohl durch das Kinzigtal den Schwarzwald von Ost nach West durchwandern. Und wir werden einfach mal die nächsten Wochen versuchen noch in allen Zügen zu geniessen. Das Zusammensein, das Untwegs sein, die Verbundenheit in unserer gemeinsamen Reise, im Laufen, im Striegeln, im Anschirren, im gemeinsam sich das Camp teilen. In Wertschätzung und Dankbarkeit füreinander.

Kommentare:

  1. Liebe Eva,
    jetzt habe ich mich durch deinen Blog gelesen, und ich bin schon seit Tagen sehr tief berührt von der Begegnung mit dir. Wir haben uns nur kurz getroffen, als deine Tiere kurz vor dem Büffelstall bei mir noch eine Erfrischung bekommen haben, aber vergessen werde ich euch fünf nicht so schnell!
    Vielen Dank für deinen Hinweis auf deinen Blog, und auch dafür, dass du andere an deiner so wunderbaren Reise zu dir selbst teilhaben lässt.
    In Gedanken werde ich wohl öfter mit dir reisen, wenn ich mit meinen Pferden bei Wind und Wetter unterwegst bin, und weiß, dass es noch mehr Menschen gibt, die genau hier und jetzt, im Regen, mit Tieren, in der Langsamkeit ganz bei sich sind.
    Ich wünsche dir von Herzen, dass du in den nächsten Jahren, bis deine beiden "Kleinen" deine Kutsche ziehen können, dennoch unterwegs sein kannst, und dass es für Lothar einen wunderbaren Platz geben wird.
    Herzensgrüße.
    Bianca

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  2. Liebe Bianca, so schön deine Zeilen zu lesen. Danke dir!

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